Neugierig und wild: So geht es Bayerns Bartgeiern

Wie ergeht es den beiden Bartgeiern-Jungvögeln Wally und Bavaria nach der Auswilderung? Das berichtet ihr Begleiter Toni Wegscheider der AZ.
| Leonie Fuchs
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Wegscheider und Bavaria im Juni am Auswilderungstag.
Wegscheider und Bavaria im Juni am Auswilderungstag. © Peter Kneffel/dpa

Berchtesgaden- Die Königinnen der bayerischen Lüfte sind wohlauf und "entwickeln sich prächtig", sagt Bartgeierexperte und Projektleiter des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) Toni Wegscheider hörbar stolz der AZ. Wie sich Wally und Bavaria in der Wildnis machen, über Segelflüge und Knochenspaltereien, das berichtet er hier der AZ.

Unter dem Knittelhorn wurden Bartgeier-Jungvögel ausgewildert

Es ist etwa vier Monate her, dass Wegscheider und seine Kollegen die Bartgeier-Weibchen Wally und Bavaria in Transportkisten zu ihrer Auswilderungsnische in der Halsgrube unter dem Knittelhorn geschleppt haben.

Vor einigen Monaten sah Bavaria noch zerzaust und flauschig aus.
Vor einigen Monaten sah Bavaria noch zerzaust und flauschig aus. © Hansruedi Weyrich, Markus Leitner/LBV

Nach 140 Jahren sollen Bartgeier wieder in den bayerischen Alpen heimisch werden

Das Ziel des Auswilderungsprojektes in Berchtesgaden: Bartgeier sollen nach mehr als 140 Jahren endlich wieder ihre Kreise über den bayerischen Alpen ziehen. Jahrhunderte lang waren die mächtigen Greifvögel im gesamten Alpenraum heimisch, bis sie Anfang des 20. Jahrhunderts vom Menschen ausgerottet wurden - aufgrund eines Volksglaubens. Die Aasfresser waren irrtümlicherweise als "Lämmergeier" und "Kindsmörder" gefürchtet.

"Die Wiederansiedlung war ein Erfolg"

"Die Wiederansiedlung war ein Erfolg, es hätte nicht besser laufen können", sagt der LBV-Kreisvorsitzender voller Freude, der die beiden majestätischen Vögel seit dem Schlüpfen im März begleitet.

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Aus den damals noch etwas zerzausten, flauschigen Jungtieren sind sieben Monate alte, stattliche "Mädels" geworden, sagt er. Seit Juni sind sie ausgewachsen und haben seitdem ihre größte Flügelspannweite erreicht: Wally ist mit ihren 2,80 Metern die Kleinere von beiden - "aber immer noch stattlich", meint Wegscheider. "Bavaria ist sehr groß, sie misst etwa 2,90 Meter Bartgeier-Flügelspannweite".

Anfang Juli waren sie flügge und segelten das erste Mal los - der Lieblingsmoment des Experten. "Der Erstflug war noch etwas stümperhaft, aber ein Wow-Moment, auf den wir lange hingefiebert haben."

Aktuell erkunden die umtriebigen Jungvögel ihre Umgebung

In der Heimatnische werde zuerst gefrühstückt. Wenn gegen zehn Uhr Thermik entstehe, lassen sich die eleganten Riesen von den Aufwinden heraufziehen - hoch hinaus bis zu 3.000 Metern Höhe, wo sie zu ihren Ausflügen starten. Von Meldungen und GPS-Sendern erfährt der LBV, wo genau sie umherstreifen: beim Watzmann etwa, wo sie ab und an übernachten, wenn Nebel aufzieht, oder es zu dunkel für den Heimflug ist. In Kürze werden sie Streifgebiete von 10.000 Quadratkilometern haben - "unvorstellbar".

Ruppige Auseinandersetzungen zwischen Bartgeiern und Steinadlern

Doch "die Homebase" sei nach wie vor bei ihrer Nische: In ihrer Nähe legt der LBV Knochenfutter aus und "die Kleinen" behaupten sich dort auch schon gegen Steinadler. Eine Zeit lang sei es zu ruppigen Auseinandersetzungen gekommen, doch die Lage habe sich entspannt. "Die Adler haben wohl gemerkt, dass es keinen Nahrungskonflikt gibt", sagt Wegscheider. Auf dem Speiseplan der Aasfresser stehen etwa Hirsch- oder Gamsknochen.

Die beiden Bartgeier-Damen Wally  und Bavaria sind nun ausgewachsen und erkunden die Berchtesgadener Alpen.
Die beiden Bartgeier-Damen Wally und Bavaria sind nun ausgewachsen und erkunden die Berchtesgadener Alpen. © Hansruedi Weyrich, Markus Leitner/LBV

Um die Bruchstücke der Knochen fressen zu können, üben die Damen den sogenannten Knochenabwurf: Hierfür lassen sie die Knochen auf Felsplatten fallen, sodass diese zerbrechen. "Das klappt noch nicht so gut", sagt Wegscheider lachend, dies brauche Feingefühl: "Anflugwinkel und Geschwindigkeit müssen passen."

"Allein in diesem Jahr gab es 44 Naturbruten"

Das Auswilderungsprojekt von LBV und dem Nationalpark Berchtesgaden ist Teil eines großen Zuchtprojekts, bei dem seit 1986 im Alpenraum Bartgeier ausgewildert werden. In den nächsten zehn Jahren sollen jährlich zwei weitere in den bayerischen Alpen folgen. "Da könnten für die beiden Damen dann auch Männchen dabei sein." Doch auch jetzt schon gebe es wilde Bartgeier in den Alpen. "Allein in diesem Jahr gab es 44 Naturbruten."

In ein paar Wochen werden Wally und Bavaria von ihren Ausflügen vorerst nicht zu ihrer Nische zurückfliegen und einige Jahre die Alpen durchstreifen, sagt Wegscheider. Doch statistisch gesehen kehren zwei Drittel der Vögel in die Heimat zurück - und darauf freut sich ihr größter Fan sicher jetzt schon.

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