Neuer Bürgermeister nach Wahl-Wirrwarr in Mittelsinn

Stimmenchaos, Rückzieher und ein Aufruf zum Vertrauen: Wie Mittelsinn nach mehreren Wendungen doch noch einen neuen Bürgermeister bekommen hat.
von  dpa
Mittelsinn ist bayernweit als Christbaumdorf bekannt. (Archivbild)
Mittelsinn ist bayernweit als Christbaumdorf bekannt. (Archivbild) © Heiko Becker/dpa

Nach einigem Hin und Her hat das Spessartdorf Mittelsinn nun doch noch einen ersten Bürgermeister. Kandidat Philipp Kuhn, unterstützt von CSU, SPD und Unabhängigen Bürgern, setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Dirk Schiefer durch, der ohnehin keine zweite Amtszeit angestrebt hatte, von vielen Bürgern aber trotzdem auf den Wahlzettel geschrieben worden war.

Schiefer, der ebenfalls von CSU, SPD und Unabhängige Bürgern unterstützt wurde, hatte bereits vor dem Hauptwahlgang am 8. März erklärt, dass er aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr für das Ehrenamt habe und daher nicht mehr zur Verfügung stehe. Das hatte viele Wählerinnen und Wähler aber nicht davon abgehalten, seinen Namen auf den Stimmzettel zu schreiben, auf dem damals nur der von Kuhn gedruckt war. 

Kuhn hatte vor zwei Wochen 219 gültige Stimmen erhalten, Schiefer 221. Zum Sieg hätte es aber laut der Geschäftsleitung des Ortes 224 Stimmen gebraucht. 

Rückzieher vom Ja

Schiefer hatte nach dem Ergebnis zunächst erklärt, er werde zur Stichwahl antreten. Knapp eine Woche später dann der Rückzieher: Er wolle nicht gewählt werden, schrieb er an die Bürger, und rief dazu auf, Kuhn das Vertrauen zu schenken. Selbst bei einem Wahlsieg wolle er das Amt nicht noch einmal übernehmen, versicherte Schiefer, der als Lokführer im Schichtdienst arbeitet. 

Bei der Stichwahl entfielen laut vorläufigem Ergebnis 52,5 Prozent der gültigen Stimmen auf Kuhn und 47,5 Prozent auf Schiefer. Wäre Schiefer gewählt worden und hätte er das Amt abgelehnt, hätten die Bürger erneut wählen müssen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6 Prozent, wahlberechtigt waren 625 Bürgerinnen und Bürger. Kuhn war bisher 3. Bürgermeister der Gemeinde.

Mittelsinn ist Christbaum-Hochburg 

Mittelsinn liegt im Landkreis Main-Spessart an der Grenze zu Hessen. Schiefer war Mitte 2023 nach dem Tod seines Vorgängers ins Amt gekommen.

Mittelsinn ist bayernweit als Christbaumdorf bekannt. Der Anbau von Nordmanntannen, Fichten und Co. ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in der Region - allein in Mittelsinn gibt es um die 30 Christbaumproduzenten.

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