Narrengericht verurteilt Markus Söder: Zu 150 Litern Strafwein

Wegen Täuschung im Bierzelt und Größenwahn verurteilt das Narrengericht Markus Söder zu Strafwein. Wie sich der CSU-Chef vor Gericht verteidigt – und was Peter Altmaier dazu sagt.
dpa |
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Söder wurde schuldig gesprochen.
Söder wurde schuldig gesprochen. © Felix Kästle/dpa
Stockach

150 Liter Strafwein muss Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) an das traditionelle Narrengericht in Stockach zahlen. Die Strafe von zweieinhalb Eimern sei noch relativ mild, sagte der Fastnachts-Richter. Der CSU-Chef wurde in allen drei Anklagepunkten schuldig gesprochen und auch zu einem Oktoberfest-Besuch mit dem Narrengericht verdonnert. Er nahm die Strafe an. 

Das 675 Jahre alte Stockacher Narrengericht, das zu den Höhepunkten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht im Südwesten gehört, verurteilte Söder unter anderem wegen Täuschung im Bierzelt, Größenwahn und Verrat an der guten konservativen Sache. 

Auf der Anklagebank der Institution saßen auch schon Franz Josef Strauß (CSU) und Angela Merkel (CDU). Die Verhandlung findet immer am "schmotzigen" Donnerstag statt, im Karneval als Weiberfastnacht bekannt. 

Altmaier als Zeuge eines Justizirrtums

Als Zeuge eines tragischen Justizirrtums trat Ex-Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf. "Ich kenne den Angeklagten seit Jahren persönlich", sagte der CDU-Politiker. Er habe ihn immer nur als bescheiden erlebt und verdiene einen Freispruch.

Auch Söder beteuerte in seiner Verteidigungsrede seine Unschuld. Ganz ohne Verkleidung ging es für den Fastnachts-Fan nicht auf die Bühne. Im Büßerhemd war er zur Verhandlung vor dem "grobgünstigen Narrengericht" erschienen. Das Gericht bezeichnete er als "durchgegenderte Bischofskonferenz in grünen Bademänteln". Und: "Ich dachte, Baden-Württemberg ist das Land von Hugo Boss." 

"Bin total bescheiden"

Er sei auch mal für einen Abend grün gewesen - als Shrek. "Ich kann nur sagen: Mich hat Grün so gejuckt, dass es einmal fürs Leben reicht." Auch wenn Söder als Beklagter gewählt wurde, weil die CSU bei der kommenden Landtagswahl im Südwesten nicht auf dem Stimmzettel steht: Ein bisschen Wahlkampf war beim Narrengericht schon.

Er sei wegen Manuel Hagel hier, der ihn überredet habe, die Einladung nach Stockach anzunehmen. Der "Manu" sehe besser aus, als sein amtierender Vorgänger. Auch wenn er sich mit seinem Freund Winfried Kretschmann (Grüne) super verstehe. 

Bayern und Baden-Württemberg seien die Lastesel der Nation, sagte Söder. "Die anderen machen Party und wir zahlen." Vom Bremen- bis zum Berlin-Bashing gerieten die Anklagepunkte in der Verteidigungsrede zwischendurch in den Hintergrund - aber nur kurz. "Ich bin total demütig und bescheiden. Ich habe nur ein Problem, keiner lobt mich, also muss ich es immer selbst tun."

Der Ministerpräsident plädierte für unschuldig.
Der Ministerpräsident plädierte für unschuldig. © Felix Kästle/dpa

Er habe definitiv keine Verurteilung verdient, er sei der freundlichste CSU-Vorsitzende seit Langem, sagte der Angeklagte. "Und wenn eine Verurteilung, ja, dann kündigt Bayern die Allianz mit euch, dann gehen wir zu den Sachsen - weil die können auch kein Deutsch." Geholfen hat es nichts. Das Urteil ist "rechtskräftig".

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