Nach Brücken-Drama in Genua: So ist die Situation in Bayern

In der Bundesrepublik ist ein Großteil über 40 Jahre alt. Es gibt großen Sanierungsbedarf – allein in Bayern betrifft dies 1.407 Bauwerke.
| N. Job, B. Junginger
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Luftaufnahme vom Mai 2016: Die Unfallstelle an einer Talbrücke der A7 bei Werneck in Bayern.
Hajo Dietz/dpa Luftaufnahme vom Mai 2016: Die Unfallstelle an einer Talbrücke der A7 bei Werneck in Bayern.

München - Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ist auf 50 beschränkt, Autos und Lastwagen dürfen nur einspurig über das 1962 eingeweihte Bauwerk über die Isar rollen. Vor der Brücke am Föhringer Ring (Staatsstraße 2088) warnen Schilder vor "Brückenschäden". Der alte Stahl könne ohne Ankündigung seinen Dienst versagen, ist die Angst des Planungsreferats des Freistaats.

Die Brücke im Norden Münchens, deren Abriss kürzlich besiegelt wurde, ist kein Einzelfall. Allein in Oberbayern gilt der bauliche Zustand von 50 Bauwerken über bayerische Täler, Flüsse oder Straßen als nicht ausreichend bis ungenügend. Im aktuellen Haushaltsplan sind 37,5 Millionen für Brücken, Tunnel, Lärmschutzwände und Stützwände für Erneuerung und Instandsetzung veranschlagt.

Laut Staatsregierung auf eine SPD-Anfrage vom Juni 2018 sind 1.407 von 5.417 Brücken in Bayern sanierungsbedürftig. Die Zahl ist in den vergangenen drei Jahren um neun Prozent gestiegen. "Jede vierte staatliche Brücke in Bayern ist marode", beklagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher.

"Seit Jahren lebt Deutschland von der Substanz"

In Deutschland gibt es laut Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) insgesamt knapp 40.000 Brücken an Autobahnen und anderen Bundesfernstraßen. Bei der Konstruktionsweise überwiegen sogenannte Spannbetonbrücken mit rund 70 Prozent. Ein Großteil der Brücken ist demnach mehr als 40 Jahre alt.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sagte am Mittwoch zur AZ: "Meine Sorge ist, dass die deutsche Verkehrsinfrastruktur nicht wesentlich besser ist, als die italienische. Seit Jahren lebt Deutschland von der Substanz." Der Wertverlust sei höher als die Investitionen. Deutschland bräuchte zusätzlich bis zu zehn Milliarden Euro, auch nur den Wert der Verkehrsinfrastruktur zu erhalten.

Einsturz von Autobahnbrücke: Viele Tote und Verletzte

Tatsächlich werden alle Brücken zwei Mal jährlich von Fachleuten kontrolliert. Alle sechs Jahre gibt es eine große Untersuchung. Alle drei Jahre eine etwas kleinere, erklärt Thomas Ummenhofer, Fachmann für Bauten aus Stahl. Für diese Kontrollen haben Experten verschiedene Methoden. Zunächst werden die Brücken rundherum genau angeschaut, ob es Hinweise auf Schäden gibt. "Das könnten bei Stahlbeton zum Beispiel Abplatzungen sein oder übermäßig große Risse", erklärt Thomas Ummenhofer.

Doch nicht nur der Verschleiß von den in die Jahre gekommenen Bauwerken ist eine drohende Gefahr. Auch durch Pfusch am Bau sind immer wieder Menschen gefährdet: So muss die neu gebaute, fast fertige 350 Meter lange A94-Ornautalbrücke zwischen Heldenstein (Kreis Mühldorf) und Pastetten jetzt teilweise wieder abgerissen werden. Durch Baufehler sind bereits vor Inbetriebnahme Risse aufgetreten.

Im Juni 2016 kam es an der A7 in Unterfranken zu einem tragischen Unglück – während der Bauarbeiten für die neue Schraudenbachbrücke stürzte das Bauwerk teilweise ein. Ein 38-jähriger Bauarbeiter kam ums Leben, mehrere Menschen wurden schwer verletzt. Der Grund war ein Konstruktionsfehler.

Lesen Sie auch: Experte warnt - Auch unsere Brücken sind gefährdet!

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