Missbrauch per Webcam vor Gericht

Es geht um Anstiftung zur Vergewaltigung von Kindern. Der Angeklagte gesteht teilweise.
| John Schneider
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Der Angeklagte mit seinen Verteidigern.
Der Angeklagte mit seinen Verteidigern. © Matthias Balk/dpa

Bamberg - Er versteckt sein Gesicht hinter einem Aktenordner, während der Verhandlung lässt er auch die Schutzmaske auf. Markus L. (Name geändert), so scheint es, will auf keinen Fall erkannt werden. In der Anonymität des Internets fühlte sich der 40-jährige Münchner sicher. Doch die Cyber-Cops kamen dem Missbrauch per Webcam auf die Spur.

Live-Streaming von sexuellem Missbrauch

Der 40-Jährige muss sich nun unter anderem wegen Anstiftung zur Vergewaltigung und zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor dem Landgericht verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, zuständig für Cybercrime in Bayern, wirft Markus L. unter anderem vor, in den Jahren 2014 bis 2016 per Skype in Videochats Kinder und Jugendliche zu sexuellen Handlungen vor der Kamera angestiftet zu haben. Dafür hat er laut Anklage auch gezahlt. "Bei dem Phänomen handelt es sich um das sogenannte Live-Streaming", erklärt das BKA das Phänomen. "Hierbei werden Opfer sexuell missbraucht, während der zahlende Kunde das Geschehen im Ausland mittels Webcam live beobachten und sowohl dem Täter als auch dem Opfer Handlungsanweisungen geben kann."

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Der Angeklagte bestreitet Teile der Vorwürfe

Beim Prozessauftakt am Donnerstag bestreitet der Immobilienkaufmann aber über seine Anwälte, diesen Teil der Vorwürfe aus den Jahren 2014 bis 2016. Von diesen Unterhaltungen lägen lediglich schriftliche Chatprotokolle vor, jedoch keine Aufzeichnungen. "Wie kann man sich gegen einen Tatvorwurf verteidigen, wenn gar nicht klar ist, ob die Tat überhaupt stattgefunden hat?", fragt Verteidiger Philip Müller.

Einen anderen Tatkomplex gibt Markus L. aber zu. Im Jahr 2018 habe er mehrmals Videochats mit Kindern geführt und sie dazu gebracht, sich zu entkleiden und selbst zu befriedigen. Zudem gesteht er, mehrere Tausend kinderpornografische Bilder und Videos besessen zu haben. Persönlich will er sich aber nicht äußern, erklären seine Anwälte. Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil soll laut bisheriger Planung am 19. März gesprochen werden.

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