Minister Knoll: Brauchen Jugend zum Schutz der Demokratie

Junge Menschen entscheiden sich bei Wahlen immer häufiger für Parteien fernab der Mitte. In Bayern soll ein neuer Minister dagegen steuern. Der hat eine klare Meinung, was zuletzt alles schlecht lief.
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Der designierte neue Minister für Jugend und Demokratie, Manuel Knoll, hat eine Mammutaufgabe vor sich. (Archivbild)
Der designierte neue Minister für Jugend und Demokratie, Manuel Knoll, hat eine Mammutaufgabe vor sich. (Archivbild) © Pia Bayer/dpa
München

Der Demokratieverdruss junger Menschen basiert nach Ansicht des designierten Ministers für Jugend und Demokratie, Manuel Knoll, auf der fehlenden Rücksichtnahme auf ihre Sorgen, Nöte und Anliegen. "Junge Menschen müssen spüren, dass sie einen direkten Benefit haben, weil sie in Freiheit und Wohlstand leben. Und es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Jüngere nur die größeren Lasten zu tragen haben", sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in München. Knoll ist auch Landeschef der Jungen Union (JU) in Bayern und wird am Mittwoch im Landtag vereidigt.

Ruf nach Nachhaltigkeitsfaktor für kommende Generationen

Als Beispiel für die mangelnde Wertschätzung nannte Knoll die Rentendebatte, "als der Eindruck entstand, jüngere Menschen wollten sich ihrer Verantwortung gegenüber der älteren Generation entziehen". Stattdessen müssten bei den künftigen Weichenstellungen immer die Folgen für die Zukunft geprüft werden. "Es braucht in Gesetzen einen Nachhaltigkeitsfaktor für kommende Generationen." Diese müssten auch was vom Kuchen abbekommen und dürften nicht den Eindruck haben, "nach uns die Sintflut".

Aus der Sicht von Knoll ist die Begeisterung der jungen Menschen mitentscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Demokratie: "Wenn die Sorgen und Nöte nicht beseitigt werden, sich also an den Grundbedingungen nichts ändert, dann wächst die Gefahr, dass da viele anfällig werden für irrationale Erklärungsansätze oder vermeintliche Lösungen, die am Ende aber keine sind."

Parteien der Mitte erreichen viele junge Menschen nicht mehr

Dass junge Menschen derzeit vermehrt extreme Parteien wählten, zeige, dass die Parteien der Mitte sie nicht mehr erreichten. "Wir müssen es schaffen, auch mit komplexeren Lösungen bis zur Jugend in der neuen Medienlandschaft durchzudringen. Die jungen Menschen müssen verstehen, dass auch sie um die Demokratie und ihre Werte kämpfen müssen. Demokratie bedeutet auch immer Kompromiss, und das darf nicht zu Empörungswellen führen."

Bei den jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hatten insbesondere AfD und Linke Stimmen von jungen Wählern erhalten. Eine Umfrage im Auftrag der "Augsburger Allgemeine" zeigte zugleich, dass die AfD auch im Freistaat auf 42 Prozent kommen würde, wenn nur die unter 30-Jährigen wählen würden.

Viele Gründe, weshalb junge Menschen zur AfD tendieren

"Die Gründe, warum sich so viele junge Menschen im Moment vorstellen können, die AfD zu wählen, lässt sich nicht monokausal beantworten. Es hängt zum einen sehr stark mit der Verunsicherung zusammen, die aus den internationalen Krisen rührt. Und dann ist da natürlich auch der Klimawandel, wo ja keiner mehr die Augen verschließen kann", sagte Knoll. Gleichzeitig spürten sie wirtschaftliche Ängste, auch wegen der Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Sozialsysteme und die persönlichen Verunsicherungen, weil sich etwa niemand mehr Wohneigentum leisten könne. 

"Das alles trifft auf eine komplett geänderte Medienlandschaft", sagt er. Während sich früher die Menschen über klassische Medien informiert hätten, die Dinge auch mal eingeordnet hätten, seien die Hauptinformationsquellen bei jungen Menschen heute soziale Medien: "Da ist kein Filter mehr, sondern da treffen sie auf die Parteien, die extreme Ansätze haben, die mit Polarisierung und mit Zynismus arbeiten." 

Knoll will als Minister zu denen gehen, die sich abgehängt fühlen

Ungeachtet der schwierigen Lage gibt sich Knoll optimistisch: Er sei überzeugt, dass die Jugend für die Demokratie zu begeistern sei. "Entscheidend ist dabei, dass die Anliegen junger Menschen wahrgenommen und angemessen berücksichtigt werden." 

Als Minister wolle er "genau dahin gehen", wo er Menschen treffe, die keinen Zugang zu den klassischen Strukturen hätten, nicht in einem Verein, Verband oder in einer Partei seien, sondern sich ein Stück weit abgehängt fühlten: "Ich will aber nicht der oberlehrerhafte Erklär-Onkel sein, der den Jungen die Demokratie erklärt. Mir geht es um einen echten Austausch, bei dem ich umgekehrt auch Themen aus diesen Gesprächen in die Regierungsarbeit mitnehme."

Hoffnung mache ihm dabei das große gesellschaftliche Engagement junger Menschen. "Es gibt bei uns wahnsinnig viele junge Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, die bereit sind, in ihrer Freizeit was für die Gesellschaft zu tun. Und ich glaube, diesen Pluspunkt, den muss man nutzen."

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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