Mieten-Explosion in Bayern: Hier trifft es Mieter besonders hart

Neue Zahlen der Bundesregierung zeigen, wie sich die Wohnkosten im Freistaat seit 2015 entwickelt haben und dass es dabei nur in eine Richtung geht: aufwärts – vor allem in einem Regierungsbezirk.
Natalie Kettinger
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Blick über die Dächer von Haidhausen. Zwischen 2015 und 2025 sind die Mieten in München im Durchschnitt von 14,71 Euro pro Quadratmeter auf 21,44 Euro gestiegen.
Blick über die Dächer von Haidhausen. Zwischen 2015 und 2025 sind die Mieten in München im Durchschnitt von 14,71 Euro pro Quadratmeter auf 21,44 Euro gestiegen. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Seit Jahren kennen die Mieten in vielen Kommunen Deutschlands nur eine Richtung: steil nach oben. Das gilt auch für den Freistaat. Wie extrem die Entwicklung ist, zeigt nun eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken.

Nach der Auswertung von Inseraten aus mehr als 120 Immobilienportalen und Zeitungen kamen die Experten des von Verena Hubertz (SPD) geführten Ministeriums für Wohnen und Bau demnach auf folgende Zahlen: Die Mieten im Freistaat Bayern sind seit 2015 jedes Jahr um durchschnittlich 4,3 Prozent gestiegen.

Innerhalb eines Jahres geht es in Bamberg um 25,2 Prozent nach oben

Auf Landkreis-Ebene fiel die durchschnittliche Steigerungsrate per anno mit 6,9 Prozent in Bamberg am höchsten aus (von 2024 auf 2025 betrug sie sogar 25,2 Prozent). Dort wuchsen die Wohnkosten innerhalb der Dekade von 6,38 auf 12,43 Euro pro Quadratmeter an. Den niedrigsten Wert seit 2015 kann Straubing-Bogen vorweisen: jährlich 5,8 Prozent auf aktuell 9,51 Euro.
"Spitzenreiter“ unter den Städten ist Kempten im Allgäu mit einer jährlichen Steigerungsrate von 5,8 Prozent auf einen Quadratmeterpreis von 12,41 Euro in 2025.
Am unteren Ende der Mietenspirale findet sich Ingolstadt, wo die Kosten pro Quadratmeter jährlich um lediglich 2,5 Prozent auf zuletzt 13,26 Euro geklettert sind.

Die zehn kreisfreien Städte und Landkreise mit den höchsten Steigerungsraten der Erst- und Wiedervermietungsmieten (nettokalt pro Quadratmeter) inserierter Wohnungen von 2024 auf 2025

Stadt / Landkreis 2024 2025 Jährliche Entwicklung
in Prozent
Bamberg (Kreis) 9,93 Euro 12,43 Euro 25,2
Unterallgäu (Kreis) 10,52 Euro 11,61 Euro 10,4
Fürth (Stadt) 11,80 Euro 12,95 Euro 9,7
Neustadt a.d.W. (Kreis) 7,57 Euro 8,30 Euro 9,6
Altötting (Kreis) 9,74 Euro 10,65 Euro 9,3
Freyung (Kreis) 7,70 Euro 8,40 Euro 9,1
Nürnberg (Kreis) 10,19 Euro 11,04 Euro 8,3
Weilheim (Kreis) 12,54 Euro 13,58 Euro 8,3
Fürth (Kreis) 10,77 Euro 11,66 Euro 8,3
Neumarkt / OPf. (Kreis) 10,17 Euro 11,00 Euro 8,2

München ist und bleibt mit einem Quadratmeterpreis von 21,44 Euro das teuerste Pflaster

München liegt mit einer Steigerungsrate von 3,8 Prozent alle zwölf Monate zwar im Mittelfeld – das ändert aber nichts daran, dass es 2025 mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 21,44 Euro das teuerste Pflaster des Bundeslandes war (und geblieben ist).

Entwicklung der Erst- und Wiedervermietungsmieten in den zehn größten kreisfreien Städten im Freistaat von 2015 bis 2025

Stadt 2015 2025
München 14,71 Euro 21,44 Euro
Nürnberg 8,44 Euro 12,71 Euro
Augsburg 8,55 Euro 13,80 Euro
Regensburg 9,86 Euro 13,92 Euro
Ingolstadt 10,36 Euro 13,26 Euro
Würzburg 8,82 Euro 12,81 Euro
Fürth 8,12 Euro 12,95 Euro
Erlangen 9,11 Euro 13,24 Euro
Bamberg 7,99 Euro 12,09 Euro
Aschaffenburg 7,64 Euro 11,84 Euro

Generell kostspielig: Oberbayern

Überhaupt Oberbayern: Die Rangliste der Kommunen, in denen Wohnen am kostspieligsten ist, führen zehn Städte und Landkreise aus diesem Regierungsbezirk an: Auf die Landeshauptstadt folgen der Landkreis München mit einem Quadratmeterpreis von 19,11 Euro, der Kreis Starnberg (17,53 Euro), der Kreis Fürstenfeldbruck (16,83 Euro) sowie der Landkreis Dachau (16,33).

Wohnen ist zur größten sozialen Existenzfrage in Bayern geworden

 

Die zweite Hälfte der unrühmlichen Top Ten bestreiten Miesbach (16,29 Euro), Ebersberg (16,06 Euro), Bad Tölz – Wolfratshausen (14,85 Euro), Freising (14,73 Euro) und die Stadt Rosenheim (14,65 Euro).

Hier ist Wohnen am teuersten

Stadt / Landkreis Miete 2025
München (Stadt) 21,44 Euro
München (Landkreis) 19,11 Euro
Starnberg (Landkreis) 17,53 Euro
Fürstenfeldbruck (Landkreis) 16,83 Euro
Dachau (Landkreis) 16,33 Euro
Miesbach (Landkreis) 16,29 Euro
Ebersberg (Landkreis) 16,06 Euro
Bad Tölz-Wolfratshausen (Landkreis) 14,85 Euro
Freising (Landkreis) 14,73 Euro
Rosenheim (Stadt) 14,65 Euro

Das zuständige Ministerium verweist in seiner Antwort zwar darauf, dass die Bundesregierung "auf eine Vielzahl von Maßnahmen“ setze, "um Wohnen bezahlbar, verfügbar und umweltverträglich zu gestalten“. Genannt werden etwa die Novelle des Baugesetzbuches, Verfahrensvereinfachungen für schnelleres Bauen, die Verlängerung der Mietpreisbremse und die Bundesfinanzhilfen für den Sozialen Wohnungsbau.

In 448.000 Haushalten verschlingt die Miete 40 Prozent des Einkommens – oder noch mehr

Gleichzeitig bestätigt das Hubertz-Ressort aber auch, dass die Mieten mittlerweile große Teile der Haushaltseinkommen verschlingen. Mit Verweis auf das Zusatzprogramm Wohnen des Mikrozensus 2022 (aktuellere Daten für die Bundesländer liegen in Berlin offenbar nicht vor) teilt es mit: Demnach "lag die durchschnittliche monatliche Mietbelastungsquote der Hauptmieterhaushalte im Jahr 2022 in Bayern, bezogen auf den Anteil der Bruttokaltmiete am Haushaltsnettoeinkommen, bei 28 Prozent“. Bei 903.000 oder 33 Prozent der Mieterhaushalte betrug die monatliche Belastungsquote mindestens 30 Prozent. Bei 448.000 Mieterhaushalten (16 Prozent) waren es sogar 40 Prozent oder mehr.

Die Münchner Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke ist stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion.
Die Münchner Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke ist stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

"Wohnen ist zur größten sozialen Existenzfrage in Bayern geworden“, sagte die Münchner Linken-Abgeordnete Nicole Gohlke der AZ. Das sei ein politisches Versagen. "Ein solcher Wohnungsmarkt vertreibt die Menschen aus ihrem Wohnumfeld.“ Noch mehr Bürokratieabbau für Luxussanierer werde das Problem nicht lösen. Stattdessen brauche es einen bundesweiten Mietendeckel.

Mit Blick auf den Freistaat fügte Gohlke hinzu: "Von der Landesregierung fordere ich, entschieden in sozialen und genossenschaftlichen Wohnraum zu investieren. Der Markt vermag es ganz offensichtlich nicht, angemessenen Wohnraum für die Menschen in diesem Land bereitzustellen.“ Dabei sei es die Pflicht des Staates, das Grundrecht auf bezahlbaren Wohnraum durchzusetzen.

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