Meyers Opa-Taktik

Trainer von Heesen fordert »intelligente Raumdeckung« und: Macht den Mund auf!
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Hat andere Vorstellungen vom modernen Fußball als sein Vorgänger Hans Meyer: Thomas von Heesen mit Pappkamerad.
dpa, Wolfgang Zink Hat andere Vorstellungen vom modernen Fußball als sein Vorgänger Hans Meyer: Thomas von Heesen mit Pappkamerad.

Trainer von Heesen fordert »intelligente Raumdeckung« und: Macht den Mund auf!

NÜRNBERG Dem Gegner das eigene Spiel aufzwingen, um nicht in die Rolle der unterlegenen, nur reagierenden Mannschaft schlüpfen zu müssen. Das ist die Philosophie von Club-Trainer Thomas von Heesen. Und demzufolge gibt es vom Club-Trainer keine Anweisungen, die eigenen Stärken dem Auftreten der jeweiligen Kontrahenten zu opfern. So, wie es sein Vorgänger Hans Meyer mit seiner Opa-Taktik praktizierte, häufig eine klare Zuordnung Mann-gegen-Mann verordnete. Auf diese antiquierte Spielweise hat Tommy null Bock.

„Ich fordere intelligente Raumdeckung, und nicht, dass meine Leute jemandem nur hinterherlaufen. Da entstehen Löcher in Räumen, in die dann andere hineinstoßen“, stellt der 46-Jährige fest: „Das kann es nicht sein.“

Fehlende Voraussetzungen

Allerdings gebricht es Käpt’n Tomas Galasek & Co. größtenteils an der nötigen Grundvoraussetzung für Tommys Vorstellung von modernem und erfolgreichem Fußball. Sie reden zu wenig miteinander. „Ich weiß nicht, ob die Jungs vorher nicht sprechen durften, nur immer auf Anweisungen von außen gewartet haben“, rätselt von Heesen über das nicht neue Phänomen. Wenn bislang, zumindest bis zum 11. Februar, dem Tag des überraschenden Trainerwechsels, jemand den Mund aufgemacht hatte, dann war das Hans Meyer. Der – zugegebenermaßen – sich auch oft über seine zu schüchternen Schützlinge gewundert hatte, allerdings in puncto „sich auch mal gegenseitig richtig anmachen“ (von Heesen) zu wenig unternahm, um den einen oder anderen Wortführer aufzubauen.

Klack, klack, klack

Genau dieses Schweigen der Belämmerten will von Heesen möglichst schnell knacken. Über spezielle Zweikampfformen auf engstem Raum. „Im Training kristallisieren sich Hierarchien heraus, das Zusammenspiel profitiert davon. Das soll im besten Fall wie bei einer Kette von Dominosteinen aussehen.“ Klack, klack, klack. Automatismen erhofft sich Tommy davon, „dass jeder weiß, was der andere macht und entsprechend selbst agieren kann.“

Mit entsprechender verbaler Unterstützung der Führungsspieler. „In einer Mannschaft, die lebt, muss es klare Ansagen geben“, weiß von Heesen aus eigener Erfahrung. Er, der beim HSV auch unter Ernst Happel das Wort führen musste, wenn er selbst einmal nicht so gut drauf war. „Das hat er immer gefordert“, erinnert Tommy an den 1992 verstorbenen Österreicher. „Man muss niemandem an den Hals springen, aber klare Worte auf dem Platz finden. Das ist eine Grundsatzgeschichte, die für die komplette Achse – Torwart, Abwehr, Mittelfeld und Sturm – gilt.“

Sonst schaut es zappenduster aus, wenn die Profis nicht endlich kapieren, dass Schweigen im Fußball alles andere als Gold ist. „Wenn alle still sind, kommen wir keinen Schritt weiter“, fordert der Club-Trainer. Und der Club sieht so alt aus, wie zuletzt mit Meyers Opa-Taktik. Markus Löser

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