Meyers Erben

„Es ist nicht so, dass ich nicht mehr möchte. Aber es ist realistisch, dass, wenn wir gegen Bremen und Cottbus verlieren, ich nicht mehr da bin.“ Der Club-Trainer Hans Meyer ist nach dem 1:1 gegen Rostock sichtlich resigniert – und am Valznerweiher halten sie Ausschau nach seinem Nachfolger.
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Club-Trainer Hans Meyer ist enttäuscht nach dem 1:1 gegen Rostock - und die Suche nach seinem Nachfolger hat begonnen.
Wolfgang Zink Club-Trainer Hans Meyer ist enttäuscht nach dem 1:1 gegen Rostock - und die Suche nach seinem Nachfolger hat begonnen.

NÜRNBERG - „Es ist nicht so, dass ich nicht mehr möchte. Aber es ist realistisch, dass, wenn wir gegen Bremen und Cottbus verlieren, ich nicht mehr da bin.“ Der Club-Trainer Hans Meyer ist nach dem 1:1 gegen Rostock sichtlich resigniert – und am Valznerweiher halten sie Ausschau nach seinem Nachfolger.

Die Enttäuschung sitzt tief beim Club-Trainer nach dem von ihm ausgerufenen, aber verpassten „Start einer Serie“ vor eigenem Publikum. Über die Heimspiele, so Meyers Plan, sollten sich seine Schützlinge selbst aus dem Abstiegssumpf ziehen. Von wegen: In dieser Verfassung gewinnt Club keinen Blumentopf mehr. Selbst der Trainer mit seiner 37-jährigen Erfahrung muss sich nun eingestehen: „Das Selbstvertrauen, der absolute Wille, den Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen, die letzte Überzeugung, die fehlt einigen.“

Meyer, der Pokalsieger vom Mai 2007, der Personenkult verdammt („Erst bauen sie dir ein Denkmal, irgendwann pinkeln sie es aber an“), aber auch sichtlich genießt, definiert sein eigenes Haltbarkeitsdatum so: „Das einzige, was zählt, sind die nackten Resultate.“ Und, seinem Hang zur drastischen Aussprache treu bleibend: „Ich stelle mir lieber selbst ein Ultimatum, als dass irgendwelche Klugscheißer mir eins stellen.“

„Die Situation ist dramatischer geworden“

Den möglichen Schlusspunkt hat er nicht erst nach dem verpassten Sieg gegen Rostock selbst gesetzt. „Die Situation ist dramatischer geworden“, so Meyer. Schon im Vorfeld unkte er: „Vielleicht reden wir nach dem Februar über den Charakter der Mannschaft, vielleicht nicht mehr mit mir.“

Die Club-Krise spitzt sich also weiter zu. Hans Meyer scheint am Ende. Spätestens dann, wenn’s auch am 24. Februar im nächsten Abstiegsendspiel gegen Cottbus schief geht, wird der Verein reagieren, sollte Meyer nicht von selbst die Brocken hinwerfen. Martin Bader, wie Präsident Michael A. Roth „brutal enttäuscht“ ob des Desasters gegen Rostock, will noch nichts von einem Notfallplan wissen. „Habe ich keinen, wird mir Tatenlosigkeit vorgeworfen“, sagt der Manager. „Habe ich einen, würde das so ausgelegt werden, dass ich dem Trainer nicht mehr vertraue. Das ist nicht der Fall.“

Klar ist aber auch, dass es intern längst einen Plan B gibt. Bader: „Bei uns wird es definitiv keine Situation wie in Mainz oder Freiburg geben, wo mit einem Trainer abgestiegen wird, um mit ihm den Neuaufbau mit dem Ziel sofortige Rückkehr ins Oberhaus ins Visier zu nehmen. Das schließt auch Meyer kategorisch aus.“

Erste Geheimverhandlungen mit Nachfolgern

Folglich wurden längst Kontakte geknüpft. Insidern zufolge haben bereits erste Geheimverhandlungen mit einem Meyer-Nachfolger stattgefunden. Mit Jürgen Röber etwa? Den kennt Bader schon aus gemeinsamen Zeiten bei Hertha BSC Berlin. Zuletzt war der 54-Jährige mäßig erfolgreich als Notnagel in Dortmund aktiv, zuvor bei Partizan Belgrad – weshalb er dem Club bereits im November 2005 einen Korb gegeben hatte. Erbfaktor: zehn Prozent.

Und noch ein arbeitsloser Ex-Herthaner ist im Spiel: Falko Götz, der kürzlich dem ungarischen Verband als Nationaltrainer absagte. „Der Akku ist aufgeladen, ich bin bereit für neue Taten“, sagt der 45-Jährige. Erbfaktor: 15 Prozent.

Dass dagegen Roths Liebling Lothar Matthäus Meyers Nachfolger werden könnte, ist eher unwahrscheinlich. Denn noch hat der Rekordnationalspieler weder Trainerlizenz noch vorzeigbare Erfolge als Coach – vor allem im Abstiegskampf. Erbfaktor: fünf Prozent.

Favorit dürfte Thomas von Heesen (46) sein. Das Universalgenie (Trainer, Teammanager, Sportdirektor) ist seit seinem Rücktritt in Bielefeld vor einem Jahr ohne bezahlte Beschäftigung. „Ich habe es mir abgewöhnt, einen Kommentar über andere Vereine abzugeben. Aber ich weiß auch: Das Geschäft ist brutal. Es kann oft ganz schnell gehen“, sagt von Heesen der AZ. Erbfaktor: 70 Prozent.

Der Club ist zum Handeln gezwungen. In erster Linie die Spieler auf dem Platz. Dilettieren die aber weiter, muss Meyers Erbe ran.

Markus Löser

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