Meyer hat fertig

Spekuliert wurde schon länger, jetzt ist es offiziell: Gestern Abend wurde der Club-Trainer Hans Meyer beurlaubt. Sein Nachfolger Thomas von Heesen soll schon am Donnerstag in Lissabon auf Nürnbergs Bank sitzen.
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Er soll den Club vor dem Abstieg retten: Thomas von Heesen tritt ab sofort das schwere Erbe von Hans Meyer an.
dpa Er soll den Club vor dem Abstieg retten: Thomas von Heesen tritt ab sofort das schwere Erbe von Hans Meyer an.

NÜRNBERG - Spekuliert wurde schon länger, jetzt ist es offiziell: Gestern Abend wurde der Club-Trainer Hans Meyer beurlaubt. Sein Nachfolger Thomas von Heesen soll schon am Donnerstag in Lissabon auf Nürnbergs Bank sitzen.

Gestern, am späten Nachmittag, gab’s nun den endgültigen Bruch. Die in den letzten Tagen ohnehin schon fragile Bindung zwischen dem Club und Hans Meyer riss vollends, Nürnbergs Trainer wurde mit sofortiger Wirkung entlassen. Favorit auf die Nachfolge ist Thomas von Heesen: Der 46-Jährige soll bereits heute offiziell vorgestellt werden und am Donnerstag beim Uefa-Cup-Spiel in Lissabon auf der Bank sitzen.

Nur wenige Stunden vor seinem Rauswurf hatte Meyer erklärt, „die letzten Nächte weniger gut geschlafen zu haben“. Weil er damit rechnete, nicht mehr lange Aufschub im Abstiegskampf zu bekommen? Spekulationen genährt hatte Martin Bader schon nach dem 0:2 in Karlsruhe (2. Februar). Auf die Frage, ob Meyer tatsächlich erst mit Vertragsende 2009 in Rente ginge, sagte der Manager: „Oder früher.“

Ebenfalls raus: Co-Trainer Jürgen Raab

Nachdem sich die Lage mit dem 1:1 gegen Rostock am Samstag auch laut Meyer „weiter dramatisiert“ hatte, tagte das fünfköpfige Präsidium mit dem Aufsichtsrat bereits einen Tag später, um die Situation zu analysieren. Ergebnis: Meyer raus, von Heesen rein. Der im Schlepptau von Meyer am 9. November 2005 engagierte Co-Trainer Jürgen Raab, der in der Mannschaft unbeliebt war, sich aber dennoch „die Aufgabe als Chef jederzeit vorstellen“ konnte, muss ebenfalls gehen.

Kurios: Meyer war noch am Montagmittag überzeugt, das „Vertrauen des Präsidiums“ hinter sich zu wissen. Andererseits gestand er: „Ich würde es meinem Arbeitgeber schwer übel nehmen, wenn er auf den ,worst case’“, den Super-Gau, „nicht richtig vorbereitet wäre“. Denn: „Der Trainer ist ganz sicher nicht der wichtigste Mann beim Club. Und es ist für jeden Verein gut, dass es die Möglichkeit gibt, die Reißleine zu ziehen.“

Wie teuer das für den Club jetzt wird, ist offen. Meyer wurde gestern von Präsident Michael A. Roth und Bader angeboten, im Verein in einer noch zu findenden Position eingebunden zu bleiben. Wobei: 1,8 Millionen Euro Jahressalär für einen Scout, Berater oder Koordinator – viel Geld.

Jetzt soll’s von Heesen richten. Bader bestätigte, dass bereits verhandelt wird. Mit 46 Jahren spricht er die Sprache der Spieler, von Meyer fühlten sich Mintal, Saenko, Mnari ausgegrenzt. Meyer, noch im Mai strahlender Pokalsieger, hinterlässt ein schweres Erbe und meinte kurz vorm Rauswurf: „Ich habe im Moment keine Mannschaft, in der jeder an den anderen und sich glaubt.“ An Meyer glaubte am Ende niemand mehr.

Das ist Thomas von Heesen

Geboren: 1. Oktober 1961 in Höxter.

Erfolge als Spieler: 378 Erstliga-Spiele für den Hamburger SV (368) und Bielefeld; Champions-League-Sieger 1983, deutscher Pokalsieger 1987, deutscher Meister 1982 und 1983 mit dem HSV; Erstliga-Aufstieg mit Bielefeld 1999.

Trainer-Karriere: Erste Station ab 17. August 1998 bei Arminia Bielefeld, ab 5. Dezember 2000 1. FC Saarbrücken. Am 18. Februar 2004 Rückkehr nach Bielefeld, direkter Aufstieg ins Oberhaus, zwischenzeitlich Sportdirektor, nach drei Jahren Erste Liga Rücktritt am 11. Februar 2007. 1999 zwischenzeitlich Sportdirektor bei Hannover 96.

Markus Löser

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