LKA warnt: Immer mehr Minderjährige verbreiten Pornos (von sich) im Netz

Sogenannte "Pornselfies" auf Smartphones und in Chatgruppen sind unter Jugendlichen weit verbreitet. Was als Liebesbeweis gemeint ist, hat oft ungeahnte Folgen.
| Lukas Schauer
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Immer mehr Jugendliche teilen pornografisches Material in Chatgruppen, warnt das LKA.
Immer mehr Jugendliche teilen pornografisches Material in Chatgruppen, warnt das LKA. © Hauke-Christian Dittrich/dpa/dpa

München - Unter dem etwas sperrigen Namen "Kriminalität und Viktimisierung junger Menschen in Bayern 2019" hat die  Kriminologische Forschungsgruppe (KFG) im Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) einen Bericht vorgelegt, der einen gefährlichen Trend beschreibt: Immer mehr Heranwachsende und Jugendliche haben im letzten Jahr pornografische Inhalte besessen, verbreitet oder geteilt. Meistens handelt es sich dabei rechtlich gesehen sogar um Kinderpornographie.

Für 2019 weist die polizeiliche  Kriminalstatistik gegenüber dem Vorjahr bayernweit eine erhebliche Steigerung der Fallzahlen beim Straftatbestand "Verbreitung pornografischer Schriften" auf (+54,7 %). "Die Entwicklung ist vor allem auf die gestiegenen Fallzahlen bei der Verbreitung von Kinderpornografie unter den Jugendlichen zurückzuführen", heißt es dazu in dem Bericht.

"Pornselfies" werden in Chatgruppen geteilt

Besonders hervor treten dabei  "die männlichen und deutschen 14- bis 15-jährigen Tatverdächtigen, die größtenteils die Mittelschule besuchen und mit ihren Smartphones pornografische Abbildungen abspeichern und häufig in Chatgruppen verbreiten", so das LKA weiter.  Konkret geht es dabei um Filme und Fotos, die selbstgefertigte Nacktaufnahmen und Masturbationshandlungen zeigen -  sogenannte "Pornselfies".

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In den meisten der in Bayern aufgedeckten Fällen kamen diese von überwiegend 13- bis 15-jährigen Mädchen, die "ihre Selbstaufnahmen zunächst mehr oder weniger freiwillig an ihren männlichen Partner versenden und er diese Abbildungen häufig nach Beziehungsende oder zur Bloßstellung der Betroffenen ohne deren Wissen an Dritte weiterleitet", schreibt der zuständige LKA-Ermittler in seinem Bericht. Auch heimlich aufgenommene Sexfotos oder -videos haben die Ermittler gefunden. Werden die Filmchen verschickt, handelt es sich um einen Straftatbestand.

Opfer haben oft Schuldgefühle

Ein Problem dabei: Oft werden derlei Delikte nur durch Zufall im Rahmen anderer Ermittlungen aufgedeckt. Die Betroffenen selbst erstatten nur selten Anzeige - sei es aus Gründen des Schamgefühls
oder der Angst, sich gegenüber den Eltern und der Polizei zu offenbaren." Auch Schuldgefühle dürften hierbei eine nicht unerhebliche Rolle spielen, da die Betroffenen die Nacktaufnahmen überwiegend selbst gefertigt und versendet haben", so das LKA.

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