Linnemann dringt auf strengere Regeln für Medizin-Cannabis

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann dringt auf die Umsetzung strengerer Regeln für die Abgabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken. Die Importe von Medizinal-Cannabisblüten würden nach einer Prognose seines Ressorts in diesem Jahr auf 300 Tonnen steigen, sagte der CDU-Politiker beim Deutschen Apothekertag in München. Dies sei eine Verzehnfachung der Menge binnen drei Jahren und ein Missbrauch, der in der Breite nichts mehr mit "medizinal" zu tun habe, sondern mit Drogenkonsum.
Das schwarz-rote Kabinett hat bereits einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der aber seit Ende vergangenen Jahres beim Bundestag liegt. Demnach soll es Verschreibungen von Cannabisblüten nur noch nach direktem Kontakt mit einem Arzt oder einer Ärztin geben. Zu haben sein soll Medizinal-Cannabis nicht mehr per Online-Versand, sondern nur in Apotheken. Linnemann sagte, die Gespräche der Koalitionsfraktionen dazu müssten zum Erfolg kommen. "Konsumcannabis auf Knopfdruck per Versandhandel, das hat nichts mehr mit Gesundheitsversorgung zu tun." So dürfe es nicht weitergehen.
Einfache Bestellungen im Online-Handel
Im Zuge der generellen Legalisierung von Cannabis für Volljährige 2024 war auch der Umgang damit zu medizinischen Zwecken neu geregelt worden. Für diese Verwendung ist Cannabis seitdem ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Behandelt werden können damit unter anderem Schmerzen.
Linnemann kritisierte, über Internetseiten oft mit Sitz im Ausland sei es bisher "easy", Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken über Privatverschreibungen zu beziehen. Er wies auf eine kürzlich vorgelegte Studie hin, wonach die Zahl von Krankenhausaufnahmen mit Cannabis-spezifischen Diagnosen wie akuter Vergiftung oder Psychosen seit der Legalisierung 2024 relevant gestiegen sei. Als mögliche Erklärung werde darin ein erhöhter Konsum von medizinischem Cannabis mit einem höheren Gehalt des berauschenden Stoffes THC genannt.