Zentrales Corona-Impfzentrum in Kumhausen geplant

Standort wird das Gewerbegebiet bei Preisenberg sein. Dort sollen bald 25 Personen pro Schicht die Bürger des Landkreises impfen.
| Horst Müller
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In einem ehemaligen Geschäftsgebäude im Gewerbegebiet bei Preisenberg soll schon in den nächsten Wochen das Impfzentrum für den Landkreis Landshut entstehen.
In einem ehemaligen Geschäftsgebäude im Gewerbegebiet bei Preisenberg soll schon in den nächsten Wochen das Impfzentrum für den Landkreis Landshut entstehen. © Elmar Stöttner

Landshut - Die bayerische Staatsregierung hat Landrat Peter Dreier einen Strich durch die Rechnung gemacht: Trotz eindeutiger Ansagen aus München wollte Dreier seinen eigenen Weg gehen und die Corona-Impfung den Hausärzten im Landkreis überlassen.

Impfzentrum bei Preisenberg: Infrastruktur fehlt noch

Doch das Gesundheitsministerium bestand auf einem zentralen Impfzentrum, dessen Standort seit Freitagnachmittag feststeht: Es wird in einem ehemaligen Geschäftsgebäude im Gewerbegebiet bei Preisenberg (Gemeinde Kumhausen) untergebracht.

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Noch sieht es nicht danach aus, als ob in der ehemaligen Filiale einer Drogeriemarktkette an der Ziegelfeldstraße nahe der B 15 bald 25 Personen pro Schicht die Bürger des Landkreises impfen werden: "Doch, sollte ein Impfstoff bald bereitgestellt werden, wird es nicht mehr lange dauern, dann werden in Kumhausen Impfungen gegen das Corona-Virus quasi im Akkord stattfinden", kündigt Pressesprecherin Carina Weinzierl vom Landratsamt an.

Kein gemeinsames Zentrum mit der Stadt Landshut

Nun muss sich der Landkreis um den zügigen Ausbau kümmern, damit Mitte Dezember die Infrastruktur bereitsteht. Dazu gehört auch die entsprechende "Manpower", weshalb die Akquise des erforderlichen Personals bereits angelaufen ist. Das ist kein einfaches Unterfangen, da derzeit "der Markt an medizinischem Fachpersonal sehr dünn" sei, wie Carina Weinzierl berichtet. Hinzu kommt, dass neben dem Impfzentrum zusätzlich mobile Impfteams aufzubauen sind, die Alten- und Pflegeheime aufsuchen, um dort die in ihrer Mobilität eingeschränkten Bewohner zu impfen. Hierfür haben bereits einige Ärzte im Ruhestand ihre Unterstützung zugesagt. Die Behandlung des medizinischen Fach- und Pflegepersonals soll wiederum in den Krankenhäusern selbst erfolgen.

Anders als beim Corona-Testzentrum auf dem Landshuter Messegelände ist die Einrichtung in Kumhausen nicht als gemeinsames Impfzentrum mit der Stadt Landshut vorgesehen, stellt Pressesprecherin Weinzierl klar. Der Grund: Wegen der hohen Einwohnerzahl - Stadt und Landkreis zählen miteinander rund 234.000 Bürger - seien mehrere Impfzentren erforderlich.

Landrat Dreier hätte Impfungen lieber Hausärzten überlassen

Landrat Peter Dreier ist laut einer Pressemitteilung "dankbar, dass in Kumhausen eine geeignete Immobilie für das neue Impfzentrum zur Verfügung stehen wird". Gleichwohl macht er aber auch keinen Hehl daraus, dass er eigentlich ein anderes System im Sinn gehabt hätte. "In meinen Augen wäre es nur logisch gewesen, wenn die Impfungen von den Hausärzten durchgeführt werden würden. Sie kennen ihre Patienten und deren Krankheitsgeschichte, es besteht ein langjährig gewachsenes Vertrauen zwischen Arzt und Patient. Sie verfügen über ein weiträumiges, flächendeckendes Netzwerk, so dass wir auch über die Hausärzte sicherlich umgehend eine hohe Impfquote erreichen hätten können."

Zudem seien viele Hausärzte ohnehin auch regelmäßig in Alten- und Pflegeheimen tätig, so dass auch immobile Patienten versorgt werden könnten. Alle Gespräche, die der Landrat in diesem Zusammenhang mit den Hausärzten geführt hatte, seien äußerst positiv verlaufen, so Weinzierl. Doch von der Staatsregierung sei der Aufbau der Impfzentren vorgegeben.

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Vorteile eines Zentrums: Einheitliche Dokumentation und bessere Transportlogistik

Auf Anfrage erläuterte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums die Gründe dafür: "Im Hinblick auf die Beschaffenheit eines mutmaßlichen Impfstoffes und dessen komplexe Lagerbedingungen sowie den damit verbundenen Anforderungen an eine (lückenlose) Kühlinfrastruktur ist nach der nationalen Impfstrategie des Bundesministeriums für Gesundheit in der Anfangsphase ausschließlich eine Abgabe über Impfzentren beziehungsweise mobile Impfteams vorgesehen."

Mit Blick auf die Herausforderungen in der Transportlogistik, Versorgung mit Verbrauchsmitteln, der einheitlichen Impfdokumentation sowie der Überprüfung der Impfwilligen hinsichtlich deren Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe sei insbesondere in der Anfangsphase das Konzept der zentralen kommunalen Impfzentren zu bevorzugen. In einer späteren Phase sollen Impfungen auch im Rahmen der Regelversorgung durch niedergelassene Ärzte erfolgen.

Suche nach Fachpersonal gestaltet sich noch schwierig

Die Vorgaben der Staatsregierung, dass jeder Landkreis ein eigenes Impfzentrum mit mobilem Impfteam vorhalten muss, können nach Dreiers Ansicht ohnehin nur in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten erfüllt werden. Denn: "Medizinisches Personal ist auf dem freien Markt quasi nicht mehr zu bekommen." Ein weiterer Kritikpunkt Dreiers an der Staatsregierung ist die Kostenfrage, denn schon jetzt stünden hinter den vom Landkreis vorgestreckten Ausgaben große Fragezeichen.

Das Landratsamt selbst organisiert den Aufbau des Impfzentrums und kümmert sich um die Logistik und Verteilung des Impfstoffes. Welche Personengruppen zuerst geimpft werden, hat die Staatsregierung anhand der Priorisierung der zentralen Impfstrategie festgelegt. Voraussichtlich ab 15. Dezember könnte der Betrieb beginnen - vorausgesetzt, dass bis dahin ein Impfstoff zugelassen und in ausreichenden Mengen produziert wurde.

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