Verschenkeladen in Landshut übertrifft Erwartungen

Der Landshuter Verschenkeladen war ein großer Erfolg. Ob das Projekt wiederholt wird, ist bislang noch offen.
| Claudia Hagn
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Ideengeberin Martina Huber und Regionalmanager Kai Goldmann im leeren Laden.
Ideengeberin Martina Huber und Regionalmanager Kai Goldmann im leeren Laden. © Vincon

Landshut - Teilweise standen die Menschen in Schlangen vor dem Verschenkeladen an der Theaterstraße: Regen, Kälte, Warten? Egal. Alle wollten sie bei "Mo-Dare - Kleider aus dem Überfluss" entweder Kleidung abgeben oder etwas mitnehmen.

Die Vorgabe war: Bis zu zehn Teile konnten abgegeben und bis zu zehn wieder mitgenommen werden. Organisiert wurde der Laden im Rahmen des Projekts "Klimazeit", das Klimaschutz, Nachhaltigkeit und die Energiewende in den Fokus der Öffentlichkeit rücken will. Gab es im vergangenen Jahr bei der "Klimazeit" noch eine Modenschau, wichen die Verantwortlichen 2020 wegen Corona auf den Kleiderladen aus.

Mittlerweile ist das Geschäft leer, die Kleiderständer sind wieder abgeholt, die letzten übriggebliebenen Jacken, Hosen und T-Shirts beim Kleiderladen der AWO an der Ludmillastraße und beim "Hab&Gut".

Landshuter Verschenkeladen ein voller Erfolg

Während des Betriebs in den vergangenen drei Wochen, waren jedoch so viele Besucher im Laden, dass die Verantwortlichen sogar das ehrenamtliche Personal aufstocken mussten. Ohne sie hätte das Konzept nicht funktioniert. "Wir hatten mit zwei Mitarbeitern im Laden gerechnet, aber waren dann doch immer drei", erzählt Martina Huber, die die Idee zum Kleiderladen hatte und sie gemeinsam mit Glenda Fischer und Klimaschutzmanagerin Maria Kasperczyk umgesetzt hat. Unterstützung bekamen sie von der Stadt Landshut und dem Regionalmanagement.

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Den bereits seit Jahren leerstehenden Laden an der Theaterstraße bekamen sie vom Vermieter zu sehr günstigen Konditionen überlassen, so Regionalmanager Kai Goldmann. Und die Erwartungen, was das Interesse der Landshuter betrifft, wurden bei Weitem übertroffen, so Huber. Die Resonanz habe alle Beteiligten wirklich überrascht. Zwischen 90 und 100 Personen kamen jeden Tag in den Verschenkeladen.

Designerkleidung und wahre Schätze

Angeliefert wurden von den Landshutern viele Kleidungsstücke. "Anfangs dachte ich, dass es irgendwann zu viel wird, aber es hat sich wirklich immer reguliert", sagt Huber. Dabei konnten die Besucher - es waren sowohl Männer und Frauen, aber vor allem jüngere - wahre Schätze entdecken, zum Beispiel Kleider von Michael Kors. Angefangen hat der Laden mit zehn Säcken Kleidung, am Schluss waren es 15 Säcke, die übriggeblieben sind.

"Für uns war sehr überraschend, dass die Teile sehr gut in Schuss waren und auch Markenkleidung dabei war. Das hätten wir nicht erwartet." Regionalmanager Kai Goldmann sieht die Überflussgesellschaft als einen Grund dafür, dass so viel angeliefert wurde. Jedes Jahr gebe es neue Schnitte, neue Farben - und die Leute würden sehr schnell aussortieren. "Viele haben einfach einen sehr großen Überschuss im Kleiderschrank", so Goldmann.

Den großen Erfolg des Verschenkeladens sowohl für die Idee als auch den ökologischen Hintergrund macht Huber auch am sehr niederschwelligen Angebot in einer der zentralen Top-Lagen Landshuts fest: Jeder ging direkt am Laden vorbei, zehn Teile kann jeder gut tragen und man konnte einfach alles unkompliziert abgeben.

Geben und Nehmen im Verschenkeladen

Ausschussware oder kaputte Kleidung wurde übrigens kaum im Laden sozusagen entsorgt. Es waren in den allermeisten Fällen gute Kleidungsstücke. "Geben und Nehmen ist ein guter Austausch. Und das hat die Menschen offenbar angesprochen", sagt Goldmann. Und auch die Kreativität sei wohl nicht zu kurz gekommen; schließlich gab es nur Einzelstücke, die man neu kombinieren musste.

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1.250 Euro kamen bei der Aktion für die Kampagne "Saubere Kleidung" zusammen - die Kunden konnten für ihre Klamotten spenden. Die Aktion setzt sich für faire Bedingungen und gegen Kinderarbeit in der Stoffindustrie ein.

Zukunft des Projekts noch offen

Ob der Laden als Aufrüttler vor die Bevölkerung gegen Ausbeutung in der Kleidungsindustrie funktioniert hat ? "Ich denke schon, dass der eine oder andere sich überlegt hat, wie er zu einem nachhaltigen Kleidungskonsum beitragen kann", so Goldmann. Dennoch plädiert der Regionalmanager für mehr Second-Hand-Läden oder Flohmärkte, in denen Kleidung angeboten wird. "In München boomt das viel mehr. Da gibt es eine größere Angebotsvielfalt als in Landshut."

Der Wunsch, den Laden weiterzuführen - ob an der Theaterstraße oder irgendwo anders - ist bei Martina Huber nach wie vor groß. Wie das aussehen könnte, ist jedoch noch unklar. Jedenfalls bräuchte man dann Mitarbeiter mit viel Enthusiasmus für das Projekt, sagt sie. Wie es also weitergeht mit einem möglichen Verschenkeladen, ist unklar. Die Resonanz hat aber eigentlich gezeigt: Landshut wäre reif dafür.

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