Corona im Klassenzimmer: Wenn Schüler auf Durchzug schalten

Beginnt in Landshuts Klassenräumen nun das große Bibbern? Die AZ hat sich bei den Grundschulen umgehört.
| Magdalena Wittmann
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Alle 20 Minuten soll stoßgelüftet werden, empfiehlt das Umweltbundesamt.
Alle 20 Minuten soll stoßgelüftet werden, empfiehlt das Umweltbundesamt. © Daniel Bockwoldt/dpa

Landshut - Dicke Wollsocken in den Winterschuhen, Pulli über dem T-Shirt, die Daunenjacke bis oben zugezogen, Schal um den Hals und Mütze auf dem Kopf: Ist dass das Bild, das sich derzeit an den Schulen bietet, die wegen der Corona-Schutzmaßnahmen ständig lüften müssen?

 

Barbara Merkl-Schoßer und Andrea Kwanka, Rektorinnen der Grundschulen Berg und St. Peter und Paul, äußern sich beim Thema Lüften in Schulen unserer Zeitung gegenüber zurückhaltend. An ihren Schulen werde aktuell gemäß staatlicher Vorgaben gelüftet. Die Kinder würden nicht im Luftzug sitzen und könnten Decken mitnehmen. "Einmummeln müssen sie sich aber nicht", so Merkl-Schoßer. "Es klappt gut", ergänzt Kwanka.

 

Das Lüften gehört bereits zum Schulalltag

Für Beate Loria, Rektorin der Grundschule Carl Orff, gehört das Lüften bereits zum Schulalltag. "Es ist nicht der Normalzustand, wir nehmen es aber in Kauf", betont sie. Auch an der Konradin-Grundschule in Auloh war das Lüften "bisher kein Drama", so Rektorin Gabriele Radke-Kluge.

 

Für Michael Kugler, Leiter der staatlichen Schulämter in Stadt und Landkreis Landshut für Grund- und Mittelschulen, ist das Thema Lüften "dermaßen unaufgeregt", dass er es "von manchen Seiten als überzogen dargestellt" wahrnimmt. Man habe schon vor Corona gelüftet. Die Schulen seien "gut gewappnet". Für die Lehrer sei es aktuell allerdings tatsächlich sehr anstrengend. Das liege aber nicht nur an den Lüftungsvorschriften, sondern an der allgemeinen Situation.

 

Der Energieverbrauch in den Schulen steigt

Was - abgesehen vom Lüftungsprozedere - manchen problematisch erscheint, ist der erhöhte Energieverbrauch aufgrund des Lüftens bei laufender Heizung. "Ökologisch gesehen ist das natürlich schlecht", gibt Radke-Kluge zu bedenken. "Wir heizen den Pausenhof". Michael Kugler vom Schulamt ist dagegen der Meinung, dass Stoßlüften die Raumtemperatur nicht erheblich senkt.

 

Was aber wäre die Alternative? Luftreinigungsfilter seien, "wenn erforderlich, dann wünschenswert", so Merkl-Schoßer von der Grundschule Berg. Auch die anderen Grundschulen halten sich mit konkreten Forderungen zurück und verweisen auf Stadt und Schulämter. Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) sagt: "Es gibt entsprechende Bundesförderprogramme und wir bemühen uns, Mittel zu bekommen."

 

Dabei müsse man jedoch differenzieren: Kurzfristig könne man mobile Luftfiltergeräte in die Räume stellen, die langfristigen Lösungen wiederum sehen die generellen Umbauten von Lüftungsanlagen vor. Nur Letztere werden vom Bund gefördert, allerdings erst ab 2021. "Das hilft in diesem Winter natürlich wenig", so Putz.

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Die Stadt Landshut bemühe sich um eine Förderung, jedes Klassenzimmer auszustatten, würde aber wohl alleine schon an der Logistik scheitern. Aktuell sei das Lüften mit geöffneten Fenstern zwar "suboptimal", aber: "Es wird nicht anders gehen", so der Rathauschef.

Einen besorgten Vater ärgert vor allem, dass überall Corona-Hilfen fließen würden, bei Schulen aber die erneute Schließung drohe, bevor investiert werde. Die Fördergelder bewertet er als "Alibiaktion". Einerseits aufgrund der zeitlichen Fristen, andererseits weil die Höhe der Förderung im Gegensatz zu anderen relativ gering ist. "Ich würde mir wünschen, dass Kinder Priorität haben", sagt er.

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