Stadtkapelle Landshut: Sie wollen doch nur spielen

Seit Oktober darf sich die Stadtkapelle Landshut nicht mehr zum Proben treffen. Wie die Musiker dennoch weitermachen und was sie sich wünschen.
| Kerstin Petri
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Einmal die Woche halten die Mitglieder der Stadtkapelle eine Videokonferenz ab, um das Stück der Woche zu besprechen. Üben muss dann aber jeder Musiker für sich.
Einmal die Woche halten die Mitglieder der Stadtkapelle eine Videokonferenz ab, um das Stück der Woche zu besprechen. Üben muss dann aber jeder Musiker für sich. © Stadtkapelle Landshut

Landshut - Vergangenen Samstag hätte das Frühjahrskonzert der Stadtkapelle Landshut im Rathausprunksaal stattfinden sollen. Zum zweiten Mal in Folge musste es coronabedingt ausfallen.

Zu Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr mussten die Musiker zunächst eine Zwangspause einlegen. Aus der Ohnmacht entstand der Wille, etwas zu tun. "Dann haben wir selber ein Hygienekonzept erstellt, anstatt auf die Regierung zu warten", sagt zweiter Vorsitzender der Stadtkapelle Dr. Hans Georg Fick.

Eigeninitiative statt tatenlos bleiben

Es wurden Proben in der Live-Box neben der Sparkassen-Arena durchgeführt, wo die Räumlichkeiten gegeben waren, um weit genug auseinander sitzen zu können. Dabei wurde alles genau dokumentiert: "Bei jeder Probe haben wir jeden Teilnehmer registriert, wann er kam und wann er ging und zudem alles fotografiert, damit man ganz genau wusste, wo wer sitzt." Jeder habe sich an das strenge Hygienekonzept gehalten.

Anstatt tatenlos zu bleiben, hat es die Stadtkapelle selbst in die Hand genommen. Fick sagt: "Der Staat hätte sowas gar nicht auf die Beine stellen können. Das ist, was mich wahnsinnig stört: Dass wir zum Nichtstun verurteilt werden, obwohl wir selber in der Lage wären, Dinge eigenverantwortlich zu übernehmen. Bei uns ist in der Zeit kein einziger krank geworden."

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Im Herbst 2020 konnte die Stadtkapelle das abgesagte Frühjahrskonzert im Prantlgarten im Freien nachholen mit eigens entwickeltem Hygienekonzept und nach Einholung von Genehmigungen. "Dabei hat uns keiner geholfen", sagt Dirigent Bernhard Schuder. Außerdem haben die Musiker beim Zollhaus gespielt. "Das hätten wir nicht machen können, wenn wir vorher nicht geprobt hätten", sagt Fick.

Regelmäßig geprobt werden konnte bis Oktober. Dann war Schluss. Das Kirchenkonzert in St. Margret Ende Oktober ist am Vorabend abgesagt worden. Genauso das traditionelle Spielen vor Landshuter Altenheimen an Heiligabend.

Nach dem Infektionsschutzgesetz sind Zusammenkünfte nicht erlaubt, somit darf auch keine Probenarbeit stattfinden. Im Januar hat die Stadtkapelle begonnen, zur Probenzeit eine Videokonferenz abzuhalten, um sich zu besprechen. Aus dem Konzertprogramm gibt es ein Stück der Woche, Schuder schreibt Übepläne für jedes Register mit Hörbeispielen. Üben muss aber jeder Musiker für sich alleine. "Es ist schwierig, eine Stimme zu üben, wenn man das Orchester nicht um sich herum hat", sagt Fick. Aber ohne Proben gehe es nicht.

"Wir würden uns gerne als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen"

Schuder habe bereits beim Ordnungsamt angefragt, ob die Stadtkapelle ein Modellprojekt mit Schnelltests starten könnte, bei dem jeder Musiker vor jeder Probe getestet werden würde. Aber das Infektionsschutzgesetz erlaube es nicht. "Falls Landshut Modellstadt werden würde, dürfte die Stadtkapelle vielleicht so etwas machen. Wir würden uns gerne als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen", so Schuder.

Eine neue Probenstätte, die ausreichend Platz bietet, hätte die Stadtkapelle bereits. "Wir könnten von null auf hundert loslegen", sagt Schuder. "Was wir uns jetzt wünschen würden, ist eine Perspektive. Zum Beispiel in Kleingruppen Satzproben machen zu dürfen." Fick ergänzt: "In meinen Augen ist es möglich. Aber nicht auf die Tour, wie es momentan läuft, dass alles dicht gemacht wird. Das ist eine Katastrophe."

Die Stadtkapelle habe bereits einige Sachen im Kopf, die sie heuer gerne umsetzen würde. Auch ein Konzert im Prantlgarten wäre wieder möglich. "Das können wir jederzeit machen. Aber wir müssen vorher üben. Ohne einen gewissen Vorlauf geht es nicht", so Fick.

Mit dem Wunsch nach einer Perspektive spreche die Stadtkapelle nicht nur für sich. "Da geht es auch um Chöre, Sportvereine und viele andere. Wir sitzen alle in einem Boot. Die Gesellschaft braucht wieder Kultur", so Schuder. "So traurig es ist, was die Opfer und die Krankheitsverläufe betrifft, das will keiner von uns wegleugnen, aber es entstehen auf sozialer und kultureller Seite auch Schäden, die irreparabel sind. Und das muss den Verantwortlichen klar werden."

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