Interview

Landshuter Koenigmuseum: "Ein Haus mit großem Potenzial"

Alexandra von Arnim, die neue Leiterin des Landshuter Koenigmuseums, über ihre Pläne mit der Skulpturen-Schatzkammer - und wie sie die Bevölkerung einbinden will.
| Roberta De Righi
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Alexandra von Arnim, die neue Leiterin des Koenigmuseums. Jahrelang ist in Landshut über den Umgang mit dem Erbe des international bedeutsamen Bildhauers Fritz Koenig (1924-2017) gestritten worden. Nun soll es einen Neustart geben - sowohl das Koenigmuseum wie auch den Wohnsitz "Ganslberg" betreffend.
Alexandra von Arnim, die neue Leiterin des Koenigmuseums. Jahrelang ist in Landshut über den Umgang mit dem Erbe des international bedeutsamen Bildhauers Fritz Koenig (1924-2017) gestritten worden. Nun soll es einen Neustart geben - sowohl das Koenigmuseum wie auch den Wohnsitz "Ganslberg" betreffend. © Armin Weigel

Landshut - Anfang Februar hat Alexandra von Arnim die Leitung des Landshuter Skulpturenmuseums, das die Werke des Bildhauers Fritz Koenig (1924-2017) beherbergt, übernommen. Die Stelle war vakant, seit Stefanje Weinmayr das Museum nach langem Streit mit der Stadt verlassen hat. Nun gehe es darum, das Museum neu zu beleben.

AZ: Frau von Arnim, Sie haben über Künstlermuseen promoviert. Gab es da das Koenigmuseum schon?
Alexandra von Arnim: Ja, meine Promotionsarbeit "Das Monographische Museum" wurde 2000 fertig, das Museum öffnete 1998. Es kommt darin vor als Teil einer Studie darüber, welche Bedingungen ein Künstlermuseum braucht, um erfolgreich zu sein.

Das Museum braucht eine Neupositionierung

Was braucht es denn?
Die Unterstützung der Personen vor Ort - aber auch internationales Interesse. Und es muss sich immer wieder neu positionieren. Es ist dabei ein Unterschied, ob es für einen lebenden Künstler oder posthum errichtet wurde, oder ob der Künstler selbst, wie Fritz Koenig, in die Planung einbezogen war. Das war damals ein neu aufkommendes Thema, gerade in Deutschland gab es eine Reihe von Neugründungen. Weil sie im Unterschied zu Blockbuster-Ausstellungen in großen Museen die Möglichkeit bieten, die einzigartige Aura eines solchen Ortes zu erleben und einen tiefen Einblick in die Welt des Künstlers zu bekommen.

Vor Corona wurde das Museum vor allem von Tagesausflüglern besucht.
Das Haus hat ein großes Potenzial. Es befindet sich in einer historisch spannenden Umgebung, inmitten einer authentischen Stadt, die zugleich günstig in der Kulturlandschaft zwischen München, Regensburg, Passau und Linz liegt.

Landshut steht zu seinem Fritz Koenig

Wie ist Ihr persönlicher Bezug zum Koenigmuseum, gibt es da ein Schlüsselerlebnis?
Mich hat bereits damals beeindruckt, dass Landshut sich zu "seinem Künstler" Fritz Koenig bekannt und ihn unterstützt hat, das Haus nach seinen Vorstellungen zu realisieren. So ist es als Künstlermuseum beispielhaft.

Was sind die Aufgaben, die als erstes anstehen?
Es geht darum, das Museum neu zu beleben und auch für die nächste Generation interessant zu machen. Landshut ist eine Hochschulstadt mit Tausenden von Studenten. Die kann man nur hierher locken, indem man die Verbindung zum Heute herstellt.

Vermittlungsarbeit ist jetzt wichtig

Wie sehen Ihre Pläne dafür aus?
Zu meiner Tätigkeit gehörte auch die Vermittlungsarbeit. Ich habe in München zwei Kunstareal-Feste organisiert, mit je um die 65.000 Besucher. Da galt es für Senioren, Jugendliche, für Kenner, aber auch für ein völlig neues Publikum adäquate Angebote zu machen. Ich denke allerdings, Corona zeigt, dass es nicht in Zukunft nur um Quantität, sondern um Qualität geht. Der Funke muss überspringen. In der jetzigen Situation sind gerade die Außenflächen das große Plus: Der Prantlgarten ist ein Ort, den die Landshuter lieben, er wird ja auch schon länger für Kino- und Theater-Open-Air genutzt.

Was wird der Beitrag des Museums sein?
Mit den Institutionen der Stadt und dem Vorstand der Fritz und Maria Koenig-Stiftung bespreche ich laufend: Was wünschen Sie sich vom Museum? Voraussichtlich im Juli soll es ein Programm mit Filmen zu Fritz Koenig im Besonderen und Künstlerfilme allgemein geben. Auch Pop-Up-Gastronomie ist denkbar. Aber wir wollen den Außenraum mit dem Museum verbinden und die Leute zugleich einladen.

Eine 9/11-Ausstellung steht an

Und was sind Ihre Ausstellungspläne für die nahe Zukunft?
Im September findet (zum 20. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center, Anm. d. A.) in New York eine Koenig-Ausstellung der Columbia University mit einer Reihe von Leihgaben aus dem Museum statt, Titel: "The Way we remember". In unserem Haus wird ein Raum eingerichtet, den es jetzt schon in Teilen gibt, in dem die "Kugelkaryatide" im Mittelpunkt steht.

Mit der aktuellen Ausstellung von Michael Sailstorfer und Michael Lange ist die Gegenwartskunst im Museum angekommen. Welche Ausstellungen planen Sie für die nächsten Jahre in Landshut?
Eine Schau mit dem Arbeitstitel "Das Sammler-Auge - Das Subjektive zum Prinzip gemacht", in der ich Werke von Koenig aus Privatsammlungen zeigen will. Dazu soll je ein weiteres Exponat jeder Kollektion zu sehen sein, um den Kontext sichtbar zu machen. Außerdem eine Ausstellung zum Thema "Masken", ausgehend von Koenigs afrikanischen Sammlungsstücken bis in die Gegenwart, auch mit internationalen Künstlern. Last but not least eine Präsentation zum Thema "Bildhauer-Zeichnungen", die ja hier auch eine große Rolle spielen. Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht immer Fritz Koenig, nicht zuletzt als Wegbereiter, der ins Zeitgenössische führt.

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Wenn man ins leere Foyer kommt, fühlt man sich als Besucher zunächst ein wenig verloren. Wie wollen Sie das Haus attraktiver gestalten?
Es soll eine künstlerische Intervention im Eingangsbereich entstehen, ein Willkommenszeichen für ein offenes Haus. Und beim Eintritt soll den Besucher bereits der erste Eindruck reinziehen in die Ausstellung.

Kein Café für das Koenig-Museum

Fast alle Museen haben heute ein Café, im Landshuter Museumsquartier fehlt es bisher. Aber der Prantlgarten bietet sich an.
Im Koenigmuseum selbst wird es das nicht geben, doch da agieren die Häuser des Museumsquartiers gemeinsam: Im Landshut-Museum ist ein Café in Planung, benannt nach Paul Klee, der hier in Landshut einige Zeit verbracht hat.

Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie für den Ganslberg zur Nutzung und Finanzierung für das Gelände vorbereitet. Wie stehen Sie zu den Ideen für den Ganslberg?
Man muss sich in Ruhe Gedanken machen, nichts überstürzen. Aber was auch immer dort passiert, bin ich pro Koenig. Die Aura des Ateliers dort hat einen einzigartigen Wert.

Der derzeit nicht unter Denkmalschutz steht.
Es ist wichtig, dass das profund geprüft wird.

Beim Thema Fritz Koenigs Erbe sind die Landshuter ja auch recht streitfreudig.
Ich würde sagen, das Thema bewegt. Ich glaube, dass er den Landshutern einfach sehr wichtig ist, denn das Haus ist ein materialisiertes Zeugnis seiner Beziehung zur Stadt, worauf man zu Recht stolz ist. Und es gibt ein großes Interesse am Austausch. Ich bin dankbar, dass ich, seit ich hier bin, enormen Zuspruch bekommen habe.

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