Landshuts Gastro läuft wieder an: Wer kellnern will, ist hier richtig

Die Gastronomie in Landshut kommt in Schwung, doch ein altbekanntes Problem bleibt: Es fehlt an Personal.
| Ingmar Schweder
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Müde, aber glücklich: Auch das Portucalis hat nach sieben Monaten wieder für Gäste geöffnet. Nun suchen Adriano Santos und seine Frau Katja Niemeier-Santos Personal für den Service und Hilfe für die Küche. "Angestellte mussten sich anderweitig umsehen, zudem kommt ein Krankheitsfall dazu", sagt Niemeier-Santos zur Situation. So wie ihnen geht es derzeit vielen Gastronomen in Landshut.
Müde, aber glücklich: Auch das Portucalis hat nach sieben Monaten wieder für Gäste geöffnet. Nun suchen Adriano Santos und seine Frau Katja Niemeier-Santos Personal für den Service und Hilfe für die Küche. "Angestellte mussten sich anderweitig umsehen, zudem kommt ein Krankheitsfall dazu", sagt Niemeier-Santos zur Situation. So wie ihnen geht es derzeit vielen Gastronomen in Landshut. © Christine Vinçon

Landshut - Was nützt den Gästen die schönste Sitzmöglichkeit, wenn kein Personal da ist, das den Kaffee serviert?

Die Gastronomie konnte am Freitag, 28. Mai, nach über sieben Monaten Lockdown plötzlich wieder ihre Türen öffnen. Zuerst nur außen, doch seit Montag auch wieder in den Innenräumen.

Die Gastronomen in Landshut sind mit dem Andrang der Gäste zufrieden. Doch für einen Vollbetrieb mangelt es in vielen Betrieben an Personal. Schlingert das Gastgewerbe gleich in die nächste Krise?

Ein angespannter Arbeitsmarkt

Der lange Lockdown hat die ohnehin schon angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt noch einmal verschärft, sagt Franz Hopper, Vorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Landshut (Dehoga).

In der Branche herrsche Alarmstimmung: Die Last, den Vollbetrieb in den Lokalen zu stemmen, verteile sich nun auf viele Schultern weniger.

Vollbetrieb mit weniger Mitarbeitern stemmen

Wie der Dehoga-Vorsitzende berichtet, hätten rund ein Drittel der Angestellten mittlerweile in anderen Branchen Fuß gefasst. "Nach sieben Monaten Kurzarbeitergeld sogar verständlicherweise", sagt Hopper. Und: Die befürchtete Belastung der Angestellten könne noch weitere Mitarbeiter aus der Branche drängen.

Hopper: "Wer sich daran gewöhnt hat, am Wochenende frei zu haben, den bekommt man nur schwer wieder in die Branche zurück." Laut einer Umfrage der Dehoga geben 30 Prozent der Betriebe, die derzeit noch nicht öffnen, fehlende Mitarbeiter als Grund an. 42,4 Prozent der Betriebe beklagen den Wechsel von Beschäftigten in andere Branchen.

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Ein Großteil der Betriebe hat um seine Mitarbeiter gekämpft

Rund ein Viertel der Betriebe mussten zudem Mitarbeiter kündigen. Erfreulich: Wie die Dehoga aus ihrer Umfrage weiter entnimmt, haben immerhin 73,7 Prozent der Betriebe mit aller Kraft gekämpft, um ihre Mitarbeiter zu halten.

Letztere stehen nun besser da, zumindest teilweise. Die Küchenmannschaft des "Los Bavaros" ist in der schweren Zeit des Lockdowns zusammengeblieben, da sie feste Verträge hat. Anders sieht es im "Los Bavaros" beim Servicepersonal aus. Servicechef Thomas Otte sagt: "Ich musste kurzfristig feststellen, dass wir keine Bedienungen mehr haben.

Das Personal hat sich umorientiert

Das Personal hat sich umorientiert, sich aber nicht einmal abgemeldet." Wie Otte zur Eröffnung am kommenden Freitag das Geschäft stemmen will? "Ich kann ziemlich schnell laufen", sagt er. Über einen Aushang, die Suche im Internet und über Mundpropaganda hofft der Serviceleiter nun, das Team in den kommenden Wochen wieder komplettieren zu können.

In Landshut hängen derzeit auffällig viele solcher Gesuche gut sichtbar an den Eingangstüren der Lokale und Cafés aus. "Hier wird Personal gesucht", steht in großen Lettern auf den Zetteln.

"Wir sind müde, aber glücklich"

Gefragt sind Köche, Servicepersonal, Küchenhilfen, wie zum Beispiel im "Portucalis" an der Kirchgasse. Katja Niemeier-Santos und Adriano Santos haben ebenfalls am Freitag wieder aufgesperrt - und dafür gewaltig geschuftet.

"Wir sind müde, aber glücklich", sagt Niemeier-Santos. Das Stammpersonal sei geblieben, Abgänge müssten jedoch auch im "Portucalis" ersetzt werden. Gesucht wird seit rund 14 Tagen eine helfende Hand in der Küche und im Service. Zwei Bewerber werden nun auf Probe arbeiten. Katja Niemeier-Santos hofft, dass es passt.

Die Chefin arbeitet nun selbst wieder im Service

Petra Heitzer, Chefin des Heiliggeiststüberls, hatte bisher kein Glück bei der Personalsuche. Die Chefin wird nach der Wiedereröffnung ihres Lokals vorerst selbst wieder im Service arbeiten. Heitzer: "Ich brauche immer zwei Mitarbeiter im Service, derzeit habe ich nur noch einen und bin jetzt selbst eingestiegen." Die Wirtin fühlt sich mit der kurzfristigen Erlaubnis, öffnen zu dürfen, etwas überrumpelt.

"Wir bekommen die Meldung, dass wir von heute auf morgen aufsperren dürfen. Doch das Personal ist mittlerweile irgendwo anders untergekommen. Und du selbst stehst dann erstmal da."

Händeringend wird nach Aushilfen gesucht

Händeringend sucht auch Tom Schleicher, Geschäftsführer der Rauchensteiner GmbH, Personal. Einen engagierten Koch und eine ausgebildete Servicekraft für das "Rauchensteiner" und Aushilfen beziehungsweise Personal für ihren neuen Biergarten konnte Schleicher kurzfristig noch nicht finden.

Vor allem Aushilfen hätten sich nach der Öffnung der Gastronomie kaum gemeldet. "Es kam viel weniger als erwartet" sagt Schleicher.

"Die Gäste wollen für ihr Geld einen guten Service"

Die dünne Personaldecke könnte für viele Gastronomen eine Herausforderung werden. Schleicher: "Der Anspruch der Gastronomie ist es ja, bestmöglichen Service zu bieten. Dem zahlenden Gast ist es schließlich egal, welches Personalproblem der Gastronom im Hintergrund hat. Die Gäste wollen für ihr Geld einen guten Service und ein gutes Produkt."

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