Landshut: Skorpion krabbelt an der Zimmerdecke

Eine Frau findet in der Region nachts das Tier an der Decke - doch was mit ihm tun?
| Claudia Hagn
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Wo kommt Herbert nur her?
Wo kommt Herbert nur her? © privat

Landshut - Es ist in der Nacht auf Mittwoch, als die Erzieherin einer Kinderwohngruppe im Raum Landshut im Bereitschaftszimmer ins Bett gehen will. Aus dem Augenwinkel sieht sie an der Zimmerdecke etwas Schwarzes; beim näheren Hinsehen entpuppt sich das Ganze als Skorpion.

Skorpion Herbert wurde mit einem Glas gefangen

Leicht panisch schreibt die Erzieherin ihre Kolleginnen an - und es folgt eine Hilfsaktion für das kleine und bei uns nicht heimische Tier mit einem Happy End: Die Entdeckerin stülpt ein Marmeladenglas über "Herbert", wie sie den Skorpion nennen, macht ein Foto und ihre Kollegin stellt das Ganze mit einem Hilferuf in eine Facebook-Gruppe für Tierfreunde; die Schwarmintelligenz im Internet ist - so sieht man an diesem Beispiel - in der Folge trotz später Nachtstunden hilfreich. Auch wenn manch einer Dinge kommentiert wie: "Ich würde sofort meine Koffer packen und aus Landshut wegziehen. Das Haus gehört jetzt dem Skorpion".

Die Reptilienauffangstation und der Nabu halfen bei der Rettung

Recht schnell meldet sich in der Tierlieb-Gruppe Daniela Krippner. Sie hat selbst bereits mehrere Skorpione zu Hause und vor "Herbert" keine Angst, wie so manch anderer. Auch die Reptilienauffangstation in München und der Nabu (Naturschutzbund) werden in die Rettungsaktion einbezogen. "Wir wollten wissen, ob die Übergabe auch okay ist. Es hätte ja sein können, dass es sich bei Herbert um eine geschützte Art handelt", erzählt die Erzieherin der Kinderwohngruppe.

Ist Herbert doch ein Weibchen?

Geschützt ist Herbert wohl nicht, bei ihm handelt es sich um die Gattung Euscorpius italicus. Daniela Krippner: "Diese Art ist meist ein Mitbringsel aus südlicheren Ländern wie Italien, Südfrankreich, Griechenland, Jemen und auch der Schweiz. Bei uns gibt es die Gattung nicht, lediglich rund um den Starnberger See gibt es Skorpione, sie gehören aber einer anderen Gattung an." Wie alt Herbert wohl ist? Vermutlich ist er mit seinen zwei Zentimetern ohne Schwanz ausgewachsen. Und vielleicht, so Krippner, ist er auch gar kein Herbert, sondern ein Weibchen, weil die Scheren schmaler sind. Hier stehe aber noch die fachliche Antwort aus. Auf Herberts Speiseplan stehen übrigens Asseln, Käfer, Mehlwürmer und Heimchen - eben alles, was er in seiner Größe so verputzen kann.

Der Skorpion ist mindergiftig

Ob der Skorpion giftig ist? "Der Euscorpius italicus zählt zu den mindergiftigen Skorpionen, wobei sie meist mit dem Stachel nicht durch die Haut kommen", sagt Krippner. Man könne den Stich, wenn er erfolgreich ist, mit einem Bienenstich vergleichen. Auch bei mindergiftigen Skorpionen sollte man jedoch vorsichtig sein und niemals einen Skorpion auf die Hand nehmen. "Es sind keine Kuscheltiere", so die Expertin.

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Wie kam das Tier in die Wohngruppe?

In Herberts Terrarium kommen nun in den nächsten Tagen noch ein paar Steinplatten, weil diese Art sich gerne in Mauerritzen zurückzieht. Wie der Skorpion in die Wohngruppe kam? Das weiß keiner so genau. "Dank Corona sind die letzten Urlaube ja schon eine Weile her. Und viel Besuch bekommen wir in der Gruppe durch die Pandemie im Moment ja auch nicht", meint die Erzieherin. Daniela Krippner vermutet, der Skorpion wurde vermutlich eingeschleppt oder ist einem Züchter entkommen. Seitdem hat er sich herumgetrieben - jetzt lebt er aber gesichert im nördlichen Landshuter Landkreis.

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