Landestheater Niederbayern: Kamera ab statt Vorhang auf

Weil Vorstellungen nicht möglich sind, dreht das Landestheater nun einen richtigen Film für ihre Mediathek
| Carmen Merckenschlager
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Greenscreen statt aufwendiges Bühnenbild: Im Theaterzelt entsteht gerade ein Film, denn reale Vorstellungen liegen in weiter Ferne.
Greenscreen statt aufwendiges Bühnenbild: Im Theaterzelt entsteht gerade ein Film, denn reale Vorstellungen liegen in weiter Ferne. © Peter Litvai

Landshut - Statt neuer Plakate mit aktuellen Produktionen hängen Wegweiser zum Impfzentrum und zu den Teststationen an den Zäunen rund um das Theaterzelt. Öffentlich gespielt wird schon lange nicht mehr auf der Bühne, gearbeitet sehr wohl.

Mit ihrer Mediathek hat das Landestheater Niederbayern einen Weg gefunden, den Zuschauern weiterhin einen Hauch von Theater zu übermitteln und ihrem Bildungsauftrag nachzukommen.


Seit Dezember stellt das Landestheater deshalb seine Produktionen den Zuschauern in digitaler Form kostenlos zur Verfügung. Dabei werden die Stücke geprobt und aufgeführt, als befänden sich Zuschauer im Saal. Mit dem Unterschied, dass mitgefilmt wird. Seit Beginn des Online-Angebots haben rund 23.000 Menschen auf die Mediathek zugegriffen. "Sogar jemand aus Neuseeland hat sich ein Stück angesehen", erzählt Alexa Heilmeier, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Theater.

Theaterstück wird als "richtiger" Film produziert

Erste Filmerfahrungen konnte das Theater-Team also bereits sammeln. Nun gehen sie einen Schritt weiter: Die Schauspielabteilung des Landestheaters produziert ein Stück als "richtigen" Film. Es wird also nicht nur die Inszenierung abgefilmt, sondern in bester Filmmanier gedreht, geschnitten und bearbeitet, um am Ende ein etwa spielfilmlanges Werk zu erschaffen.

Das Theater bedient sich bei dem Stoff Oskar Maria Grafs: dem Schauspiel "Die Ehe des Herrn Bolwieser". Darin will der Bahnhofsvorsteher Xaver Bolwieser (Joachim Vollrath) eigentlich nur sein kleinbürgerliches Leben mit seiner Frau Hanni (Katharina Elisabeth Kram) genießen. Doch sie betrügt ihn, die Wirrungen nehmen ihren Lauf, bis Bolwieser schließlich vor den Scherben seiner Existenz steht. Inszeniert wird das Film-Stück von Oberspielleiter Wolfgang Maria Bauer und Intendant Stefan Tilch.

 

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Der Dreh des Films stellt das Theater durchaus vor neue Herausforderungen, ist es doch eigentlich nicht das täglich Brot der Theaterleute, in filmischen Szenen zu denken. "Spannend ist zum Beispiel, dass nicht chronologisch gefilmt wird", erklärt Dramaturg Peter Oberdorf. Szenen vom Ende des Films werden also nicht zwangsläufig auch zum Ende der Dreharbeiten gefilmt. "Die Schauspieler müssen sich also immer wieder neu in die aktuelle Situation der Rolle einfinden", so Oberdorf.

Außerdem beginnt die Arbeit an einem Theaterstück sonst auf der Probebühne. Es gibt Leseproben, alle Beteiligten finden sich in den Wochen vor der Vorstellung immer weiter in das Stück ein. Auch das ist anders beim Film. Oberdorf: "Gedreht wurde - nach einer kurzen Einführung - ab Tag eins."

"Wir würden gerne wieder vor Publikum spielen"

Ob das Theater nun umsattelt auf reine Filmproduktion? "Da besteht keine Gefahr", sagt Alexa Heilmeier. "Die derzeitigen Möglichkeiten sind eben begrenzt und wir versuchen, das Beste herauszuholen. Aber auch wir würden gerne wieder vor Publikum spielen."

Der fertige Film soll außerdem für die eigentliche - klassische - Aufführung mit verwendet werden.

Die Dreharbeiten für den "Bolwieser" sind mittlerweile abgeschlossen. Der Film soll - Stand jetzt - spätestens Anfang Mai online gehen. Denn dann beginnt das Theater planmäßig mit den Proben für die Burgenfestspiele. "Wir hoffen einfach, dass wir wenigstens im kleinen Rahmen draußen Vorstellungen spielen dürfen", sagt Heilmeier. "Doch das bleibt - wie eben alles derzeit - noch ungewiss."

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