Klinikum Landshut droht mit OP-Absagen

Die Corona-Lage ist prekär. Geschäftsführer Philipp Ostwald sagt: "Die zweite Welle ist heftiger als die erste und hat uns mit voller Wucht getroffen."
| Bernhard Beez
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Eindringlich macht Klinikums-Geschäftsführer Dr. Philipp Ostwald im Plenum die prekäre Lage angesichts der Corona-Pandemie deutlich.
Eindringlich macht Klinikums-Geschäftsführer Dr. Philipp Ostwald im Plenum die prekäre Lage angesichts der Corona-Pandemie deutlich. © Christine Vinçon

Landshut - So ganz konnte Oberbürgermeister Alexander Putz den Antrag der Fraktion SPD/Linke/mut nicht nachvollziehen. "Wir machen täglich eine Berichterstattung, die Infektionszahlen werden täglich veröffentlicht", sagte Putz zu der Forderung, im Plenum die aktuelle Corona-Situation im Klinikum darzustellen.

Dass dies jedoch keineswegs überflüssig war, zeigte sich im Bericht des Klinikums-Geschäftsführers Dr. Philipp Ostwald und des Ärztlichen Direktors Dr. Stephan Holmer. Eindringlich schilderten sie, wie prekär die Lage jetzt schon ist. Auch und vor allem im Vergleich zum Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020. "Die zweite Welle ist heftiger als die erste und hat uns mit voller Wucht getroffen. Das Virus ist wie ein Tiger, der vor drei Wochen entfesselt wurde", sagte Ostwald.

Corona-Lage in Landshut: Gefahr der Personalnot

Die Fallzahlen seien in den vergangenen Wochen unaufhörlich gestiegen. Hinzu komme nun auch noch die Gefahr einer Personalnot, da sich auch immer mehr Angestellte des Klinikums infizieren würden. Im Gegenzug habe man die Bettenkapazitäten hochgefahren, mittlerweile seien drei Stationen komplett auf Corona-Patienten ausgerichtet. Ob es in Deutschland zu italienischen Verhältnissen kommen werde? "Ich kann es nicht ausschließen. Aber wir hoffen, dass es nicht so schlimm kommt", sagte Ostwald. Bernd Friedrich (CSU/LM/JL/BfL) erkundigte sich nach möglichen "Kollateralschäden", da nun andere Operationen wie schon im Frühjahr verschoben werden müssten. "Medizinisch wird das ein Problem werden", gestand Holmer. "Wenn sich die Infektionszahlen weiter so entwickeln werden und gleichzeitig infiziertes Personal rauszunehmen ist, dann wird da ein Engpass entstehen."

Gerd Steinberger (SPD) bohrte nach: "Nach welchen Kriterien sagen Sie eine Operation ab?" "Wir mussten zuletzt auf Sicht fahren, da uns die Dynamik des Geschehens völlig überrollt hat", sagte Holmer. Man habe massive Umschichtungen im Dienstplan vornehmen müssen. "Was ist wirklich dringend?"

Man habe genau abwägen müssen, und so habe es - von Steinberger auf einen Einzelfall angesprochen - auch mal zu einer späten Absage einer Operation kommen können. Momentan sei man aber diesbezüglich am Klinikum noch in einer relativ komfortablen Lage. "Und wir werden alles tun, um die Versorgung weitestgehend aufrechtzuerhalten", sagte Holmer.

Aber auch Ostwald sprach von einem "doppelten Problem". Einerseits müsse man die Krankenhäuser konsequent auf Corona ausrichten. "Das haben wir im Frühjahr schon so gemacht, und es scheint sich zu zeigen, dass dies ein ganz wesentlicher Faktor für die niedrige Mortalitätsrate in Deutschland war." Andererseits schalte Corona jetzt die Mitarbeiter am Klinikum aus. "Und dann besteht irgendwann die Gefahr, dass wir keinem mehr gerecht werden: der Notfallversorgung nicht, der Coronaversorgung nicht."

In dem Zusammenhang wies Ostwald auf eine zu beobachtende "Bagatellisierung des Virus'" in der Öffentlichkeit hin: "Man hat leider den Eindruck, dass Corona vielfach nicht mehr so ernst genommen wird. Aber vor allem für die Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen besteht wirklich ein sehr hohes Gesundheitsrisiko." Anja König (SPD) nahm dies zum Anlass, ihren Antrag zu verteidigen: "Wir können nicht oft genug versuchen, die Bevölkerung zu sensibilisieren."

Kritik an Besuchsverbot

Elke Rümmelein (Grüne) erkundigte sich, ob man am Klinikum bereits darauf vorbereitet sei, eine Triage durchzuführen. Also bei medizinischen Engpässen zu entscheiden, welcher Patient bei der Behandlung Vorrang bekommen wird. "Das ist ein ganz heikles Thema, Und wir hoffen, dass wir damit niemals konfrontiert werden", sagte Ostwald. Aber man habe in interdisziplinärer Zusammenarbeit unter anderem mit Psychologen, Seelsorgern, Ärztlichem Direktor und Juristen bereit Leitlinien erarbeitet. OB Putz fügte hinzu, dass man notfalls Patienten in andere Krankenhäuser verlegen könne - was bisher noch nicht der Fall sei. "Das wäre noch ein möglicher Schritt vor einer Triage."

Das zuletzt ausgesprochene Besuchsverbot am Klinikum stieß auf die deutliche Kritik von Freie-Wähler-Fraktionssprecher Robert Mader: "Ein Krankenhaus ist kein Gefängnis. Und selbst dort haben die Insassen Anrecht auf Besuch. Ein totales Besuchsverbot halte ich für rechtswidrig."

Ostwald hielt dagegen: "Wir bemühen uns wirklich, menschliche und individuelle Faktoren zu berücksichtigen. Und zum Glück ist die Anzahl der Beschwerden darüber momentan noch gering." Der Stadtrat nahm von den Berichten Ostwalds und Holmers einstimmig Kenntnis.

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