Impfungen für Jugendliche in Landshut: Ein Piks für mehr Freiheit

In den Landshuter Arztpraxen werden die ersten Jugendlichen geimpft.
| Kerstin Petri
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Antonia Angermair (15) bekommt von Fachärztin Dr. Regina Müller ihre erste Dosis des Impfstoffs von Biontech.
Antonia Angermair (15) bekommt von Fachärztin Dr. Regina Müller ihre erste Dosis des Impfstoffs von Biontech. © Christine Vinçon

Landshut - Eigentlich sollte Anfang dieser Woche wieder mit Erstimpfungen gegen das Coronavirus in den bayerischen Impfzentren begonnen werden. Das hatte zumindest Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) in Aussicht gestellt, wenn genug Impfstoff da sei. Doch daraus wurde nichts.

Auch das Landshuter Impfzentrum erhält seit Wochen keinen Impfstoff mehr für Erstimpfungen. "An dieser Situation wird sich leider bis mindestens zum Monatsende nichts ändern", sagt Thomas Schindler, Leiter des Impfzentrums. Dort müsse man sich bis auf Weiteres auf Zweitimpfungen beschränken.

Jugendliche ab 12 Jahren können sich mit Biontech impfen lassen

Wo allerdings aktuell Erstimpfungen durchgeführt werden, ist bei niedergelassenen Ärzten. Dort sind aber die Wartelisten meist lang. Seit Anfang dieser Woche können auch Jugendliche ab zwölf Jahren geimpft werden, nachdem der Impfstoff des Herstellers Biontech für diese Altersgruppen in der Europäischen Union zugelassen worden ist.

Dieses Impfangebot hat am Dienstag die 15-jährige Antonia Angermair aus Ergolding wahrgenommen. Sie hat sich als erste Jugendliche in der Landshuter Praxis von Dr. Regina Müller, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, mit Biontech impfen lassen.

Warum sich die 15-Jährige schon jetzt impfen lassen wollte? "Weil man sich dann wieder mit mehr Leuten treffen kann", sagt sie. Ihr älterer Bruder sei auch schon komplett geimpft. "Ich bin ein bisschen neidisch, dass er sich schon mit seinen Freunden treffen darf und ich nicht." In ihrem Freundeskreis hat Antonia mit ihrer Impfung den Anfang gemacht.

Fachärztin Regina Müller begrüßt es, dass nun auch Jugendliche geimpft werden können. Als die Meldung kam, habe sie Antonias Mutter gefragt, ob Interesse bestehe. "Jugendliche und Kinder sind nur selten mit schweren Verläufen versehen. Aber sie leiden sehr unter der Isolation", sagt die Ärztin. "Ich denke, es ist wichtig, dass gerade unsere Jugend wieder ein normales Leben führen darf." Ende April hat Regina Müller mit ihrem Team angefangen, gegen das Coronavirus zu impfen. Seitdem habe sie in ihrer Praxis rund 350 Impfdosen verteilt. Im Anfang gab es einen regelrechten Ansturm. "Im Moment geht es eigentlich", sagt die Ärztin. Sie habe das Gefühl, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass auch manche Fachärzte impfen. Die meisten gingen zum Hausarzt, die allerdings lange Wartelisten haben. "Wir haben noch Kapazitäten."

Impfungen bei Jugendlichen sind nicht unumstritten

Corona-Impfungen bei Jugendlichen sind nicht unumstritten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Coronaimpfung laut einem vorläufigen Entwurf nur Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren, die unter bestimmten Vorerkrankungen leiden. Eine generelle Impfempfehlung für die Altersgruppe wird in dem Entwurf nicht ausgesprochen. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) gelten für Jüngere grundsätzlich die gleichen Bedingungen wie für Erwachsene.

Kritisch sieht Allgemeinmediziner Dr. Uwe Schubart, der Versorgungsarzt für Stadt und Landkreis Landshut ist, die Impfung für gesunde Jugendliche. Er schließe sich der Aussage der Stiko an, die sagt, man müsse immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung treffen. "Wir wissen auf der einen Seite, dass die Jugendlichen von zwölf bis 18 Jahren bei Infektionen ein geringes Risiko für Schwerstverläufe haben, wenn sie gesund sind. Weiterhin ist zu wenig Impfstoff da. Das heißt, man würde denjenigen, die ihn eher benötigen, den Impfstoff dadurch wegnehmen."

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Das könne sich jedoch ändern, wenn neue Virusvarianten auftreten. "Wir wissen nicht, ob durch sie Jugendliche möglicherweise auch gefährdet sind. Aber Stand heute ist es so, dass die im Moment aktiven Varianten für Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren keine besonders große Gefahr eines schweren Verlaufs bedeuten. Deswegen wäre ich im Moment mit dem Impfen in dieser Altersgruppe bei Gesunden eher zurückhaltend." Anders verhalte es sich bei Jugendlichen, die Risikopatienten sind. "Da würde man auf alle Fälle impfen", so Schubart.

Regina Müller sagt dazu: "Mit Vorerkrankungen sind Jugendliche dann vorrangig zu impfen, wenn sie einen schweren Verlauf zu erwarten haben. Aber grundsätzlich, denke ich, macht es Sinn, alle Jugendlichen zu impfen. Auch, um ihnen wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Sonst bekommen sie irgendwann vermehrt psychische Probleme. Es zeigt sich recht deutlich, dass viele Psychotherapeuten und Psychiater regen Zulauf haben, vor allem auch durch Jugendliche."

Tochter wollte Impfung unbedingt

Bei vielen Impfstoffen würden ab dem Alter von zwölf Jahren Erwachsenen-Impfstoffe geimpft. "Von daher halte ich den Corona-Impfstoff für genauso gefährlich oder ungefährlich wie für einen jungen Erwachsenen auch", sagt die Ärztin.

Antonias Mutter, Anja Angermair, die beim Impftermin dabei war, hatte keine Bedenken bei ihrer Tochter, die keine Vorerkrankungen hat. "Wenn Antonia gesagt hätte, sie will es nicht, wäre es für mich auch völlig okay gewesen." Aber ihre Tochter hätte die Impfung unbedingt gewollt. "Sie ist 15, ich werde mich da nicht dagegenstellen", sagt sie und fügt hinzu: "Wenn das Impfen das ist, mit dem wir dazu beitragen können, die Pandemie einzudämmen und andere zu schützen, dann machen wir das."

Antonia freut sich nun am meisten auf große Menschenmengen, wie sie sagt. Wenn sie den vollen Impfschutz hat, möchte sie endlich wieder auf Konzerte gehen.

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