Handwerker fordern Exportbremse: Kein Holz auf der Hüttn

Holz, Stahl und andere Rohstoffe sind knapp und werden immer teurer. Viel geht ins Ausland, die hiesigen Handwerker haben das Nachsehen. Sie fordern eine Export-Bremse.
| Claudia Hagn
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Durch den Bauboom in den USA und in China wird das Holz in Deutschland knapp. Das ist auch in der Landshuter Region zu spüren, der Rohstoff ist nur noch schwierig lieferbar.
Durch den Bauboom in den USA und in China wird das Holz in Deutschland knapp. Das ist auch in der Landshuter Region zu spüren, der Rohstoff ist nur noch schwierig lieferbar. © Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Landshut - Wenn man mit den Obermeistern der Zimmerer und Schreiner in der Region spricht, merkt man schnell: Die Lage auf dem Materialmarkt ist prekär. Das hat Auswirkungen auf den Bau und seine Preise.

Vor allem Holz ist knapp, jedoch auch bei Stahl ist die Lieferzeit lang, ebenso bei Schrauben, Nägeln - aber auch bei Laufschienen für Schubläden. Früher, so schildert es zum Beispiel Thomas Stadler, Obermeister der Schreinerinnung Landshut, sei er zu einem Händler gefahren und habe die Materialien nach einem Anruf abgeholt. Alles war auf Lager, sofort liefer- und abholbar. "Das hat sich immens geändert, da gibt es momentan keine weiße Platte mehr. Die kriegen nichts mehr ins Lager, ich muss fünf Wochen warten auf Schrauben", sagt Stadler. Er müsse mit Ersatzschrauben arbeiten, habe sich ein Lager eingerichtet schon vor Wochen - weil er sonst seine Mitarbeiter wegen mangelnder Materialien bereits in Urlaub schicken hätte müssen.

So schlimm wie gerade war es noch nie

Adolf Ellwanger, Obermeister der Zimmerer-Innung Landshut, weiß ähnliches zu berichten: "Eigentlich müssten die Lager ja voll sein, wir stehen noch am Jahresanfang. Das Gegenteil ist aber der Fall." Alles in allem sind sich die beiden Handwerksmeister mit jahrzehntelanger Erfahrung einig: So schlimm wie gerade war es noch nie.

Einen Grund für die Rohstoffknappheit bei Holz, Stahl und Co. kennen die beiden auch: Viel werde exportiert, vor allem nach China und in die USA, weil diese beiden Länder momentan einen Bauboom erleben und zum Beispiel besser für Massivholz und Konstruktionsholz zahlen, sagen Stadler und Ellwanger, zwischen Resignation, leichter Verärgerung und Fassungslosigkeit schwankend. Stadler: "Was habe ich dann in Zukunft für ein Interesse, mit einem deutschen und europäischen Hersteller zusammenzuarbeiten, wenn der mich jetzt im Stich lässt? Wir bleiben hintendran."

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Er nennt ein Beispiel: Die Multiplexplatten, die er oft braucht, sind in diesem Jahr fast um das Doppelte teurer geworden. Bei anderen Materialien stiegen die Preise um 20 Prozent und mehr. Ellwanger, der als Zimmerer viel mit Wärmedämmung arbeitet, erzählt von einer Preissteigerung beim Styropor von 40 Prozent zwischen Januar und März 2021. "Und da frage ich mich: Wer soll das alles noch bezahlen?"

Wenn die Preise ins Bodenlose steigen, müssen sie schließlich auf den Bauherren umgelegt werden. Das sei jedoch fast nicht möglich, auch eine langfristige Planung mit festen und unterschriebenen Bau-Verträgen sei so nicht mehr denkbar. Finanzierungen seien überall am Anschlag. Ellwanger: "Auch frage ich mich, wie man bei diesen Preisen Projekte wie bezahlbarer Wohnraum weiterführen will. Das ist ja nicht möglich."

Er und Stadler fordern wegen der prekären Lage Hilfe von der Politik, Stadler hat sich auch schon an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gewandt; bisher jedoch ohne Antwort. Die Forderung der beiden Holzexperten: Es müssten Verordnungen oder Ähnliches erlassen werden, die für Baumaterial eine Exportbremse bewirken. "Eine Deckelung muss her", sagt Ellwanger.

"Ich verlasse mich auf keine Zusagen bei Lieferanten mehr"

Er betont auch, dass die Rohstoffknappheit am Bau und die Preissteigerung nicht nur Gewerke mit Holz betreffe; Maurer und alle anderen seien ebenso betroffen. "Man kann überhaupt keine sicheren Finanzierungen und Festpreise für den Herbst mehr machen, weil man nicht weiß, wie viel Rohstoffe bis dahin kosten", sagt der Zimmerer-Obermeister.

Stadler ist mittlerweile wegen der nicht mehr lieferbaren Schubläden auf andere Holzschubläden für zum Beispiel Küchen umgestiegen, weil er die mit etwas Improvisation selber bauen könne - "ich verlasse mich auf keine Zusagen bei Lieferanten mehr." Er fordert eine nachhaltigere Produktion im eigenen Land, in kleineren Firmen und nicht mehr bei Großabnehmern. "Das rächt sich nämlich jetzt", sagt Thomas Stadler.

Der Schreinermeister nennt noch einen weiteren Grund für den Mangel an Holz: Viele Bauern würden gerade ihre guten Bäume nicht schlagen, weil der Holzpreis eingebrochen sei - aber nur für die direkten Verkäufer. Für Käufer sei er hingegen nach Behandlung im Sägewerk und die weitere Industrie umso höher: "Der Bauer hat nichts davon, hat seine Bäume jahrzehntelang gepflegt, rausgeschlagen und jetzt kriegt er kein Geld dafür. Natürlich lässt der sein Holz momentan stehen."

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