Das erlebt ein Krankenpfleger im Klinikum Landshut

Krankenpfleger Sebastian Eggerbauer (25) hat täglich mit Corona-Patienten auf der Intensivstation zu tun.
| Lisa Marie Wimmer
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2015 absolvierte Sebastian Eggerbauer seine Ausbildung zum Krankenpfleger am Klinikum. Seit 2018 arbeitet er auf der Intensivstation. Jeden Tag hat er mit schwerkranken Patienten zu tun, auch mit Corona-Infizierten.
2015 absolvierte Sebastian Eggerbauer seine Ausbildung zum Krankenpfleger am Klinikum. Seit 2018 arbeitet er auf der Intensivstation. Jeden Tag hat er mit schwerkranken Patienten zu tun, auch mit Corona-Infizierten. © Wimmer

Landshut - Der Patient wurde auf den Bauch gedreht. Eine Position, die sich bei schwer erkrankten Corona-Patienten bewährt hat. In seinen Mund führt ein Schlauch, der Mann wird künstlich beatmet. Um ihn herum sind eine Vielzahl an Geräten, die mit Kabeln und Schläuchen mit ihm verbunden sind.

Seit dem Frühjahr pflegt er auch Coronainfizierte

Ein erschreckender Anblick für Außenstehende. Für Krankenpfleger Sebastian Eggerbauer ist es Alltag. Der 25-Jährige arbeitet auf der internistischen Intensivstation des Klinikums. Seit dem Frühjahr 2020 kommen dorthin die Coronainfizierten der Region, die es besonders schlimm getroffen hat. Eigentlich werden auf der internistischen Intensivstation besonders instabile Patienten behandelt, die beispielsweise einen Herzinfarkt hatten oder eine Blutvergiftung haben. Im Frühjahr des vergangenen Jahres kamen Coronainfizierte hinzu.

Sein erster Covid-19-Patient ist gestorben

An seinen ersten Covid-19-Patienten kann Eggerbauer sich noch gut erinnern. Sogar dessen Zimmernummer hat er sich gemerkt. "Damals war noch sehr wenig über das Virus bekannt", erzählt der Krankenpfleger aus Geisenhausen. Deshalb blieb ein mulmiges Gefühl, als der Pfleger das erste Mal vor dem Patientenzimmer stand und in die Schutzkleidung schlüpfte. Die Bemühungen von Ärzten und Pflegern blieben vergebens. "Ziemlich schnell", sagt Eggerbauer, sei der Patient nach wenigen Tagen verstorben. Auf ihn sollten noch viele weitere folgen.

Psychologen kümmern sich um die Pfleger und Ärzte

Im März 2020 waren bis zu elf Corona-Patienten bei uns auf der Station, sagt Eggerbauer. "Damals sind wir an unsere Belastungsgrenze gestoßen." Was ihm in dieser Ausnahmezeit Kraft gab, war der Zusammenhalt im Team. "Durch das, was wir hier erleben, sind wir noch mehr zusammengewachsen", sagt er. Um die belasteten Pfleger und Ärzte "an der Front" zu unterstützen, sind immer wieder Psychologen und Seelsorger vor Ort. "Das ist eine schöne Geste", findet Eggerbauer.

"Die ungeschönte Wahrheit vertragen die wenigsten"

Er selbst befasse sich in seiner Freizeit bewusst nicht mit dem Virus, um Abstand von der Arbeit zu gewinnen und um abschalten zu können. Hin und wieder fragen ihn Freunde und Familie aber zu seiner Arbeit auf der Intensivstation. "Geht es denen wirklich so schlecht?", ist eine dieser Fragen. Sebastian Eggerbauers Antwort darauf ist ganz klar: "Ja." Trotzdem hat er die Erfahrung gemacht: "Die ungeschönte Wahrheit vertragen die wenigsten." Denn dazu gehört, dass Patienten auf der Intensivstation sterben. Aber auch, dass erst 30-Jährige ohne Vorerkrankungen mit einer Covid-19-Infektion dort landen. "Das bringt einen natürlich zum Nachdenken", sagt der 25-Jährige.

Es gibt Hoffnungsfälle, aber Optimismus erlaubt er sich nicht

Dennoch gibt es Krankheitsverläufe, die Hoffnung geben. Eggerbauer erinnert sich noch gut daran, wie ein Mann, der ebenfalls an Corona erkrankt war, auf die Intensivstation kam. Die beiden konnten sich noch unterhalten. Kurze Zeit später ging es dem knapp 60-Jährigen aber so schlecht, dass er beatmet werden musste, schlussendlich sogar in ein großes Uni-Klinikum verlegt wurde. Der Mann erholte sich und kam zurück ins Landshuter Klinikum, wo er schließlich in die Reha entlassen werden konnte. "Der Mann war so froh, dass er überlebt hat, und blickte motiviert in die Zukunft", erinnert sich der Krankenpfleger. Auch wenn Verläufe wie dieser Hoffnung geben, so bleibt Eggenbauer in Hinblick auf das Coronavirus realistisch: "Optimismus erlaubt man sich nicht." Stattdessen versuche man alles, die Patienten bestmöglich zu behandeln, sagt der 25-Jährige. "Wir versuchen bei jedem Patienten das Beste."

An die Maßnahmen halten - egal ob man sie versteht oder nicht

 Sebastian Eggerbauer sieht in seinem Job die wohl schlimmste Seite der Pandemie. Angst vor dem Virus hat er deshalb aber nicht: "Ich habe einfach nur richtig Respekt vor der Erkrankung bekommen." Trotzdem versucht er alles, sich und sein Umfeld so gut es geht zu schützen. Während der ersten Welle hatte er sich gemeinsam mit seiner Verlobten für zwei Monate in komplette Selbstquarantäne begeben. Sein Appell: "Ob man die Corona-Maßnahmen versteht oder nicht. Man sollte sich dran halten." Denn damit, dass man vielleicht zehn Minuten im Supermarkt eine Maske trage, verhindere man, dass sich ein anfälligerer Mensch möglicherweise ansteckt und bei ihm auf der Intensivstation landet.

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"Es geht nur gemeinsam"

"Einfach Solidarität zeigen", sagt der Pfleger. "Es geht nur gemeinsam." Er selbst muss die Maske während der Arbeit mehrere Stunden lang tragen. "Und sogar das klappt." Seit Eggenbauers erstem Covid-19-Patienten hat man viel dazugelernt. So wisse man heute, dass Corona nicht nur die Lunge schwer schädigt, sondern auch die Blutgerinnung beeinflusst und Hirn, Herz oder Niere angreift. "Wir wissen jetzt, worauf wir zusätzlich besser achten müssen", sagt Eggerbauer. Damit habe man viele Patienten retten können.

Psychologische Faktoren tragen zur Genesung bei

Abseits der Medizin tragen die psychologischen Faktoren zur Genesung bei. Weil aktuell im Klinikum Besuchsverbot herrscht, dürfen die Patienten mit ihren Angehörigen telefonieren. Und wenn sie ein Smartphone haben, auch einen Videoanruf starten. "Das tut ihnen einfach gut", weiß der Krankenpfleger. Auf die Intensivstation selbst dürfen Angehörige aktuell nur dann, wenn der Patient im Sterben liegt.

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