Anklage wegen Betäubungsmittelhandel: Hanfladen-Besitzer droht Gefängnis

Wenzel Cerveny soll sich wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln vor Gericht verantworten. Doch der wehrt sich gegen die "THC-Diskriminierung".
| Lisa Marie Wimmer
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Stein des Anstoßes: Der Hanfladen in der Landshuter Theaterstraße. (Archivbild)
Stein des Anstoßes: Der Hanfladen in der Landshuter Theaterstraße. (Archivbild) © AZ-Archiv

Landshut - Im Juli eröffnet der Laden "Hanf - Der etwas andere Bioladen" an der Theaterstraße. Dem Inhaber Wenzel Cerveny droht jetzt Gefängnis. Im Oktober erreichte ihn eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft München I.

Deren Vorwurf: Cerveny wird in 36 tatmehrheitlichen Fällen des unerlaubten und gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln angeklagt. Auch von der Abgabe an Minderjährige ist in der Anklageschrift die Rede. Cerveny, der insgesamt elf Hanfläden besitzt, will sich das nicht gefallen lassen und vor Gericht durch alle möglichen Instanzen gehen. Für ihn soll es ein "Musterprozess" werden, sagt er, "um zu zeigen, dass wir im Recht sind".

Wenzel Cerveny eröffnet im Juli in Landshut an der Theaterstraße seinen damals achten Hanf-Laden in Bayern. Nun wurde er angeklagt.
Wenzel Cerveny eröffnet im Juli in Landshut an der Theaterstraße seinen damals achten Hanf-Laden in Bayern. Nun wurde er angeklagt. © AZ-Archiv

Jahrelang arbeitete der 59-Jährige in der Gastronomie. Als er 2013 für den Bayerischen Landtag kandidierte, kam er erstmals in Kontakt mit der "THC-Diskriminierung", wie er es nennt. Passanten sprachen ihn während seines Wahlkampfs darauf an und baten ihn darum, sich dem Thema anzunehmen. Cerveny gelang zwar nicht der Einzug in den Landtag, trotzdem startete er 2014 das Volksbegehren "Ja zu Cannabis" in Bayern. 2017 eröffnete er seinen ersten Hanfladen in München.

Anklage wegen Betäubungsmittel-Handel 

Die Anklage gegen ihn, er habe in 36 tatmehrheitlichen Fällen unerlaubt und gewerbsmäßig mit Betäubungsmitteln gehandelt, kann Cerveny nicht nachvollziehen. Bei all seinen Hanf-Produkten halte er sich an die gesetzlich vorgegebenen Tetrahydrocannabinol-Untergrenze von 0,2 Prozent. In seinen Läden bietet er Zahnpasta, Nudeln, Tees, Aufstriche oder Öle mit CBD (dem - im Gegensatz zu THC - nicht berauschenden Wirkstoff von Hanf) an.

Er ist sich sicher: Das Gericht "wird sich die Zähne an mir ausbeißen". Denn er habe weder illegal Drogen verkauft noch selbst je konsumiert. Bei seiner Ladeneröffnung im Sommer in Landshut erklärte er, dass Nutzhanf den Körper ins Gleichgewicht bringe und gesund sei. "Hanf dient als Nahrung für unser eigenes Immunsystem", so der Hanfladen-Geschäftsführer.

Der Landshuter Hanfladen, ein "Vorzeigeobjekt"

Auch in Landshut seien seine Produkte schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. "Das Geschäft in Landshut läuft seit dem ersten Tag an konstant gut. Es ist ein Vorzeigeobjekt."

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Vor allem die Nachfrage nach Hanf-Kleidung sei hier enorm. 2019 wurden laut dem 59-Jährigen diverse Razzien in seinen Läden sowie in seiner Privatwohnung durchgeführt. Aber auch in Konkurrenz-Geschäften, in denen Hanfprodukte angeboten werden, gab es laut Cerveny Durchsuchungen und folgende Klagen.

"Ich bin kein Einzelfall", sagt der Inhaber. Deshalb habe man sich zusammengeschlossen und sei inzwischen ein verschworenes Team. Cerveny hat jetzt fünf Anwälte. Die "Hexenjagd" nach Hanfläden zu beenden, so sagt er, habe er sich inzwischen zur Lebensaufgabe gemacht. "Bis jetzt hat keiner die Eier gehabt, es durchzuziehen."

Sein Ziel: So lange vor Gericht zu kämpfen, bis er bewiesen hat, dass er im Recht ist. "Wenn ich verurteilt werde, geht es in die nächste Instanz - wir ziehen das bis zur EU durch."

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