Klose ohne Vertrauten Chatzialexiou: Wie plant der Club?

Mit einem dicken Grinsen im Gesicht spazierte Joti Chatzialexiou nach dem wichtigen Dreier in Hamburg über den Rasen des Millerntor-Stadions. Der angekündigte Abschied seines Sportvorstands trifft den 1. FC Nürnberg zwar mit voller Wucht. Doch der nach vielen Jahren der sportlichen Trostlosigkeit endlich wieder zuversichtliche Traditionsverein aus Franken fühlt sich für die Suche nach einem Nachfolger für den Architekten des aktuellen Erfolgs gewappnet - und belohnte sich im ersten Spiel danach.
"Wir befinden uns in guten Gesprächen und sind zuversichtlich, dass wir in den kommenden Tagen jemanden vorstellen können. Wichtig ist aber, dass wir uns jetzt nicht treiben lassen, sondern wir unsere internen Prozesse einhalten und wir allen Beteiligten die nötige Zeit einräumen", erklärte Aufsichtsratschef Peter Meier, nachdem Chatzialexiou (50) seinen Abschied zum Erstligisten Eintracht Frankfurt zum 1. Februar 2027 als Nachfolger von Markus Krösche bekanntgegeben hatte.
Interne und externe Kandidaten
Der Boss des Kontrollgremiums versicherte, dass man auf "solche Situationen" vorbereitet sei. "Wir führen im Aufsichtsrat Listen mit möglichen Kandidaten für verschiedene Positionen in unserem Verein. Wird ein Wechselszenario wahrscheinlicher, überprüfen wir die Liste und gehen in unserem Gremium - in diesem Fall im Sportausschuss - in den konkreten Austausch", sagte Meier.
Auf dieser Liste der in dieser Saison endlich wieder in der Spitzengruppe der 2. Fußball-Bundesliga mitspielenden Nürnberger sollen interne und externe Kandidaten stehen. Ein potenzieller Nachfolger von Chatzialexiou könnte Dieter Frey (53) sein, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.
Der Dreier auf St. Pauli gibt weiteren Mut
Egal, wer es wird: Die Nürnberger wollen sich von ihrem Weg nicht abbringen lassen. Beim schmeichelhaften 3:1 (1:0) bei Absteiger FC St. Pauli nutzten sie die Patzer der Gastgeber eiskalt aus und bleiben dank leidenschaftlicher Defensivarbeit Tabellenzweiter. "Wir werden alles dafür tun, dass wir in den nächsten Wochen erfolgreich sind", hatte Chatzialexiou vor dem schweren Auswärtsspiel im TV-Sender Sky versichert und in Anlehnung an die Vereinshymne betont: "Die Legende wird auch ohne mich leben."
Chatzialexiou hinterlässt in Nürnberg tiefe Fußspuren. Der frühere DFB-Funktionär brachte seit seinem Antritt im Sommer 2024 das Scouting auf Vordermann und schloss eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Datenanalysten Jamestown Analytics ab. Dank cleverer Transfers wie der des allerdings nach einer Schulteroperation noch bis zur Winterpause fehlenden Torjägers Mohamed Ali Zoma spielt der 1. FC Nürnberg um den Aufstieg mit.
Ablöse bei unter einer Million Euro
Das Angebot aus Frankfurt wollte Chatzialexiou nicht ausschlagen. In seinem bis zum Sommer 2028 laufenden Vertrag bei den Franken besaß er eine Ausstiegsklausel für einen Wechsel zu seinem Heimatverein, wo er wiederum mindestens bis zum 30. Juni 2030 arbeiten soll.
"Die Anfrage aus Frankfurt ist für mich eine ganz besondere, da es sich um meinen Heimatverein handelt. Andernfalls hätte ich nicht darüber nachgedacht, den Club zu verlassen", erklärte Chatzialexiou, der in Sachsenhausen als Sohn griechischer Gastarbeiter aufgewachsen ist und einst Jugendtrainer im Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald war.
"Mir ist es wichtig, nicht von heute auf morgen zu gehen, sondern gemeinsam mit meinem Nachfolger weitere Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Vereins zu stellen", versicherte Chatzialexiou, dessen Ablöse nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" bei unterhalb einer Million Euro liegen soll. Diese habe sich der Funktionär des Zweitligisten bei seiner Vertragsverlängerung Anfang August festschreiben lassen.
Klose findet es "völlig normal"
Der Abgang Chatzialexious trifft natürlich auch Trainer Miroslav Klose, der von dem Wechsel erst am Morgen vor dem Gastspiel in Hamburg erfuhr. "Wir waren sehr eng in vielen Themen. Und natürlich war er ein enger Vertrauter", sagte der Weltmeister von 2014, der den Prozess aber nicht überbewerten will. Es sei "völlig normal in dem Geschäft, dass Wechsel stattfinden. Ich bin überzeugt und habe Vertrauen in den Verein, dass wir einen vernünftigen Nachfolger finden", sagte Klose.
Unruhe können sie beim 1. FC Nürnberg nicht gebrauchen. Weder auf sportlicher noch organisatorischer Ebene. Der neunmalige deutsche Meister muss noch widerstandsfähiger werden. "Uns zeichnet derzeit eine Geschlossenheit aus, wie wir sie lange nicht mehr hatten", sagte Aufsichtsrat Meier. "Daran wollen wir weiter festhalten."