Keiner schafft Note 1: Das sind die besten Winterreifen im ADAC-Test

Von Oktober bis Ostern oder einfacher für Münchner: nach dem Oktoberfest. Bald sollten wieder die Winterreifen montiert werden. Doch welche sind bei Schnee und Glätte wirklich gut? Der ADAC hat 32 Modelle getestet. Die Ergebnisse sind teils erschreckend. Welche am besten abschneiden, was die Reifen kosten und wann man besser neue kaufen sollte.
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Noch hängen viele Menschen in Bayern am Spätsommer, aber schon bald im Herbst und dann im Winter kann es zu schwierigen Straßenverhältnissen kommen.
Noch hängen viele Menschen in Bayern am Spätsommer, aber schon bald im Herbst und dann im Winter kann es zu schwierigen Straßenverhältnissen kommen. © imago/Rolf Poss

Diese goldene Winter-Regel kennt wohl jeder hinterm Steuer: von O(ktober) bis O(stern). In dieser Zeit sollten Autofahrer mit Winterreifen unterwegs sein, so die allgemeine Faustregel. Demnach wäre es nach der Wiesn allerhöchste Zeit, sich um den Reifenwechsel zu kümmern.

In Deutschland gilt grundsätzlich eine situative Winterreifenpflicht, die kein fixes Datum vorgibt. Vielmehr kommt es rechtlich auf die tatsächlichen Fahrverhältnisse an.

Wer bei Schnee, Eis oder überfrierender Nässe noch mit Sommerreifen unterwegs ist, riskiert nicht nur seine Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmer, sondern auch ein Bußgeld ab 60 Euro und einen Punkt in Flensburg.

Die Deutschland-Zentrale des ADAC in München.
Die Deutschland-Zentrale des ADAC in München. © Peter Kneffel/dpa

Doch welche Reifenmodelle sind wirklich gut? Der ADAC hat 32 Stück getestet, in zwei Größen: für Kleinwagen (185/65 R15) sowie für Mittelklassewagen (225/50 R17). Die Ergebnisse sind mitunter ernüchternd.

Aber zunächst die Kriterien: Es wurde mit allen Reifen gefahren und gebremst – auf trockener (denn auch das kommt im Winter durchaus vor), nasser, schnee- und eisbedeckter Straße. Genauso wurde in Sachen Umwelt bewertet, wie lange die Reifen halten, sowie die Faktoren Reifenabrieb und Effizienz. Getestet wurde in Finnland.

Das sind die Testsieger bei den Kleinwagen-Reifen

Die Reifengröße 185/65 R15 passt zum Beispiel auf die beliebten Automodelle Alfa MiTo, Audi A1, Fiat 500e, Kia Stonic, Opel Adam und Corsa, Peugeot 208 und Renault Clio bis Seat Ibiza und VW Polo.

Christian Kötz, der Vorstandsvorsitzende der Continental AG, in der Zentrale in Hannover.
Christian Kötz, der Vorstandsvorsitzende der Continental AG, in der Zentrale in Hannover. © Julian Stratenschulte/dpa

Das Ergebnis des ADAC-Tests: Von 16 Reifen haben lediglich zwei mit der Note "gut" abgeschnitten, fünf mit "befriedigend". Auf Platz 1 landet der Continental WinterContact TS 870 (ADAC-Urteil: 2,2). Er kostet 80 Euro pro Stück.

Besonders gut schneidet der Reifen bei nasser Fahrbahn ab (1,8), auch auf trockenen Straßen gibt es eine 2,0. Umweltbilanz: 2,8. Seine Laufleistung: 34.300 Kilometer, damit liegt er bei diesem Aspekt unter den Top fünf.

Die Wertung der Experten: Er sichere sich "dank guter Leistung auf allen Fahrbahnen eine gute Note bei der Fahrsicherheit". Und: "Bei der Umweltbilanz verpasst er zwar aufgrund der Laufleistung eine gute Note, sichert sich in der Summe seiner Eigenschaften schließlich aber eine gute Gesamtnote."

Das ist der zweitbeste Winterreifen im Test

Auf Platz 2 sieht der ADAC den Michelin Alpin 7 (Note 2,5; 80 Euro). "Der Michelin Alpin 7 ergattert in dieser Testdimension zwar bei der Fahrsicherheit eine gute Note, kommt bei der Umweltbilanz aufgrund der prognostizierten Laufleistung jedoch nicht über ein befriedigendes Resultat hinaus. In der Summe seiner Eigenschaften sichert er sich aber ein noch gutes Gesamturteil", so der ADAC.

Der ADAC-Winterreifentest in Ivalo (Finnland).
Der ADAC-Winterreifentest in Ivalo (Finnland). © ADAC/Marc Wittkowski

Auf Platz drei landet der Hankook Winter i*cept RS3 mit der Note 3,1, ebenso der Linglong Sport Master Winter.

Neun Reifen würde der ADAC dagegen nicht empfehlen, für sie gibt es die Noten "ausreichend" oder "mangelhaft". Warum? Sie "lassen oft an entscheidenden, aber nicht immer an denselben Stellen Qualität vermissen".

Ist das Ergebnis für die Tester überraschend? Der ADAC teilt der AZ auf Anfrage mit: "Die Ergebnisse im ADAC- Winterreifentest lassen sich trotz vieler Erfahrungswerte nie vorhersagen. Es entsteht zumindest der Eindruck, dass Reifen für Kleinwagen nicht im Fokus der Reifenhersteller stehen und daher Neuentwicklungen zunächst bei größeren Dimensionen erscheinen."

Dennoch sei es aus Sicht des ADAC "kein gutes Zeichen, dass über die Hälfte der getesteten Reifen in der Praxis nicht empfohlen werden können".

Diese Reifenmodelle schneiden am schlechtesten ab

Drei, das sind der Sunny Winter-max NW611 (46 Euro), der Atlas Polarbear HP (60 Euro) und der Rockblade Rock 868S (66 Euro) kassieren eine 4,8 beziehungsweise zweimal 5,5: Sie seien "in der Fahrsicherheit sogar so schwach, dass sie nicht über ein ,mangelhaft' in der Gesamtnote hinauskommen".

Die Tabelle des ADAC zeigt das Ranking der Winterreifen für Kleinwagen.
Die Tabelle des ADAC zeigt das Ranking der Winterreifen für Kleinwagen. © ADAC e.V.

Auf Schnee und Eis wären demnach der Sunny Winter-max NW611 und der Rockblade Rock 868S (Bestnote 1,5 in dieser Disziplin) zu gebrauchen, aber trotzdem gehörten sie mit dem Atlas Polarbear HP ans hintere Ende der Tabelle. "Gefährlich lange Bremswege auf Nässe offenbaren, wie unausgewogen die Reifen entwickelt worden sind."

Auf nassem Asphalt bei Tempo 80 braucht der Rockblade Rock 868S laut ADAC-Grafik zum Beispiel 51,4 Meter Bremsweg, der beste Bremsweg-Reifen von Bridgestone Blizzak LM 005 nur 33,5 Meter. Und im Vergleich noch der von Continental: 36,1 Meter.

Kilometer-Grenze: So lange halten die Reifen im Schnitt

Eine weitere Erkenntnis des ADAC-Tests: "Bei der prognostizierten Laufleistung zeigte sich zudem, dass Autofahrer an einigen Winterreifen für Kleinwagen nur kurze Freude haben werden." Sie kämen "im Schnitt auf eine prognostizierte Laufleistung von rund 31.000 Kilometern, am unteren Ende der Bewertung landet der Bridgestone mit mageren 22.000 Kilometern". Die höchste Laufleistung hat demnach der Reifen Kumho WinterCraft WP52+ (40.000 Kilometer).

Mittelklasse-Winterreifen: Das Ranking

Die zweite Reifengröße 225/50 R17 passt zum Beispiel für den Audi A4, den BMW 3er, die Mercedes C-Klasse oder auch für den Škoda Yeti, den Opel Zafira, Peugeot 3008, Volvo S80 und VW Sharan. Vier Winterreifen bekommen in dieser Kategorie vom ADAC die Note "gut".

An der Test-Spitze steht der Pirelli Cinturato Winter 3 (149 Euro) mit der Note 2,2. "Besonders auf nasser Fahrbahn setzt der Pirelli Maßstäbe: Kurze Bremswege, hohe Aquaplaning-Reserven und ein präzises Handling sorgen für die Bestnote in diesem Kapitel. Auch auf trockener und winterlicher Fahrbahn liefert er ein ausgewogenes Ergebnis", schreibt der ADAC.

Diese ADAC-Tabelle widmet sich den Winterreifen für Mittelklassewagen.
Diese ADAC-Tabelle widmet sich den Winterreifen für Mittelklassewagen. © ADAC e.V.

Dahinter landet mit der Note 2,3 wieder Continental (150 Euro). Lediglich bei der Präzision auf trockener Straße und im Schnee-Handling habe es leichte Abzüge gegeben, ordnen die Verkehrsexperten ein.

Auch als gut werden der Goodyear UltraGrip Performance 3 (Note 2,4; 148 Euro) und der Michelin Alpin 7 (Note 2,5; 165 Euro) eingestuft.

Wann sollte man Winterreifen ausmustern?

Aber es gibt ebenfalls Negativ-Wertungen. Sechs von 16 Reifen stuft der ADAC als mangelhaft ein. "Der gemeinsame Schwachpunkt dieser Reifen ist mangelnde Ausgewogenheit. In mindestens einer Fahrkategorie sind die Leistungen der Reifen so schlecht, dass sie als sicherheitsrelevant einzustufen sind."

Die Reifen werden vom ADAC bei Schnee getestet, aber genauso auf trockener Fahrbahn. Denn auch das kommt im Winter in Deutschland häufig vor.
Die Reifen werden vom ADAC bei Schnee getestet, aber genauso auf trockener Fahrbahn. Denn auch das kommt im Winter in Deutschland häufig vor. © ADAC/Marc Wittkowski

Ganz unten im Ranking landen der Royal Black Royalwinter UHP für 85 Euro sowie der Sunwide Snowide für 116 Euro, jeweils mit der Note 5,5.

Wann müssen Winterreifen eigentlich getauscht werden? Grundsätzlich: Wenn sie zu alt sind, das ist für den ADAC ab acht Jahren der Fall, oder aber wenn das Profil abgefahren ist (weniger als vier Millimeter Tiefe).

Wer schlecht bewertete Reifen aus dem Test daheim hat

Und was sollte man machen, wenn man genau solche Reifen daheim hat, die laut Test nicht zu empfehlen sind? Behalten? Austauschen? Der ADAC teilt der AZ mit: "Hier muss klar unterschieden werden, weshalb ein Reifen nicht empfehlenswert ist. Handelt es sich um ein Fabrikat, das nur wegen einer zu geringen erwartbaren Laufleistung eine schlechtere Bewertung erhalten hat, muss dieses nicht zwingend ausgetauscht werden."

Aber: "Bei Reifen, die offensichtliche Sicherheitsprobleme aufweisen, sollten sich Verbraucher die Ergebnisse aufmerksam ansehen und sich ein Bild davon machen, bei welchen Bedingungen die Reifen Schwächen aufweisen. Ein Zugewinn an Sicherheit kann aber schlussendlich nur durch die Anschaffung eines besser bewerteten Reifens gewährleistet werden."

Grundsätzlich empfiehlt der ADAC beim Kauf von Winterreifen: "Autofahrer sollten vor der Anschaffung neuer Reifen unabhängige Testergebnisse studieren und einen Reifen auswählen, der zu den eigenen Anforderungen passt. Ein Winterreifen sollte möglichst ausgewogen sein, das heißt: Er bietet bei allen Bedingungen gute Fahrsicherheit."

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