Keine Klage gegen Schneekanonen am Sudelfeld

Ihr juristischer Kampf war vergebens, den Widerstand gegen Naturzerstörung wollen sie aber nicht aufgeben. Bund Naturschutz und Alpenverein verfolgen ihre Klagen gegen den Ausbau des Sudelfeldes zum Skiparadies nicht mehr weiter.  
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Umstrittene Baustelle in den Bergen: Für einen Speichersee und neue Schneekanonen wird das Sudelfeld umgegraben.
dpa Umstrittene Baustelle in den Bergen: Für einen Speichersee und neue Schneekanonen wird das Sudelfeld umgegraben.

Ihr juristischer Kampf war vergebens, den Widerstand gegen Naturzerstörung wollen sie aber nicht aufgeben. Bund Naturschutz und Alpenverein verfolgen ihre Klagen gegen den Ausbau des Sudelfeldes zum Skiparadies nicht mehr weiter.

München - Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und der Deutsche Alpenverein (DAV) ziehen ihre Klagen gegen die Ausweitung des Skibetriebes am Sudelfeld in Bayrischzell (Landkreis Miesbach) zurück. Sie begründen dies mit den vollendeten Tatsachen, die seit dem Baubeginn im Frühjahr geschaffen wurden. "Was dort an Fakten geschaffen wurde, ist an Brutalität im bayerischen Alpenraum bisher singulär", sagte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger am Donnerstag in München.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte im August entschieden, dass die Arbeiten für einen Speichersee mit einem Fassungsvermögen von mehr als 150 000 Kubikmetern zum Betrieb von 250 Schneekanonen in dem Landschaftsschutzgebiet weitergehen dürfen, obwohl über die Klagen selbst noch nicht entschieden wurde.

"Wir bedauern die Entscheidung des Gerichts ausdrücklich", erläuterte Weiger. Die Erfolgsaussichten, den Prozess in der Hauptsache doch noch zu gewinnen, seien mit dem vom VGH aufgezeigten Weg jedoch gering. "Wenn das Gericht zu einer Entscheidung kommt, ist das Projekt bereits feierlich eingeweiht." Weiger zeigte sich maßlos enttäuscht über den geringen Stellenwert, den die Richter dem Naturschutz eingeräumt hätten. Die Tendenz, den Umweltschutz wirtschaftlichen Interessen zu opfern, mache auch vor Gerichten nicht Halt.

Weiger kündigte eine Musterklage des BN vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) an. Damit solle erreicht werden, dass Planfeststellungsbescheide bei laufenden Prozessen nicht ständig von den Planungsbehörden nachgebessert werden können. Andernfalls müsse auch den Klägern zugestanden werden, neue Gutachten in das Verfahren einzuführen.

BN und DAV wollen zudem eine noch intensivere Debatte in der Bevölkerung über die touristische Entwicklung der Alpen anstoßen - auch vor dem Hintergrund des Klimawandels. DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig sieht es als Erfolg, dass das Profil seines Verbandes als Naturschutzorganisation durch den Widerstand gegen die Beschneiungsanlagen geschärft worden sei. Der Alpenverein hatte zum ersten Mal in seiner fast 150-jährigen Geschichte gegen ein Bauprojekt geklagt.

Die Landtags-SPD will erreichen, dass Schneekanonen nicht auch noch durch Steuergelder subventioniert werden. "Das Geld wäre in Investitionen für ökologisch nachhaltigen Tourismus viel besser aufgehoben", teilte der SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn mit.

Der Ausbau des Skigebiets Sudelfeld soll an die neun Millionen Euro kosten. Neben zwei Privatleuten ist die Gemeinde Bayrischzell an der Betreiberfirma beteiligt. Das keine 80 Kilometer von München entfernte Skigebiet verfügt bereits jetzt über 21 Lifte, davon 3 Sesselbahnen.

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