Jahrhundertealte Tradition bekommt wegen "Axtmörder"-Ampel plötzlich Aufmerksamkeit

Der Pumuckl in München, die Knödelwerferin in Deggendorf oder seit Kurzem der Wiesntrommler in Rosenheim: Immer mehr Städte in Bayern lassen einzelne Fußgänger-Ampeln mit individuellen Motiven bestücken. Fast immer kommt das gut an. Manchmal passiert aber auch eine kleine Panne, so wie jetzt in Schwabach in Franken geschehen.
Denn das dortige stadttypische Motiv eines Goldschlägers wird teils missinterpretiert. Einige wollen darin einen "Axtmörder" erkennen.
Und so ehrlich muss man sein: Wer nichts vom Hintergrund der Schwabacher Goldschläger-Geschichte weiß, der könnte in den Hammer auch eine gefährliche Mordwaffe hineininterpretieren.

Die AZ hat bei Oberbürgermeister Peter Reiß (SPD) nachgefragt. Wie reagiert er auf die Vergleiche der neuen Ampel mit einem "Axtmörder"? Er lässt der AZ mitteilen, dass er erst einmal die Aufmerksamkeit für die Geschichte Schwabachs positiv findet: "Ich freue mich sehr, dass sich jetzt so viele Menschen mit dem Aussehen eines Goldschlägerhammers beschäftigen."

Aus seiner Sicht sind die Figuren durchaus erkennbar: "Wer die spezifische Form eines Goldschlägerhammers kennt, erkennt ihn in der Regel auch bei der grünen Ampelfigur wieder. Zusätzlich zum Hammer trägt die Figur auch die typische Schürze eines Goldschlägers. Außerdem ist die rote Ampelfigur mit dem typischen Schlagstein zu sehen, auf dem das Gold historisch hauchdünn geschlagen wurde."
Seit 2025 immaterielles Kulturerbe in Deutschland
Reiß verweist darauf, dass das Handwerk der Goldschläger im Jahr 2025 in die Liste des Immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen wurde. "Daher haben sich auch schon viele Menschen gemeldet, die sich freuen, dass der Goldschläger nun auch in dieser originellen Form im Schwabacher Stadtbild sichtbar wird."

Die Unesco schreibt zu dem Handwerk in Schwabach: "Goldschlägerei bezeichnet das Handwerk der Herstellung von extrem dünnen Goldblättern, die als Blattgold bekannt sind. Dabei wird Feingold in kleine Stücke geschnitten und mit speziellen Hämmern über mehrere Stunden hinweg so dünn geschlagen, dass es fast durchsichtig wird."
Bereits seit dem 16. Jahrhundert gebe es das Goldschlägerhandwerk in Schwabach, "das aufgrund dieser langen Tradition besonders bekannt ist für die Blattgoldproduktion".
"Wir behalten ihn vorsichtshalber im Auge"
Der OB räumt zur Ampel-Gestaltung ein: "Aber natürlich ist es bei solchen Piktogrammen so, dass man die Figur auf das Wesentliche reduzieren muss. Daher ist es auch verständlich, wenn jemand darin etwas anderes erkennen mag."
Bei Instagram reagiert die Stadt jedenfalls mit einem Augenzwinkern: "Wir bleiben also bei unserer offiziellen Version: Keine Axt. Kein Mord." Und: "Falls ihr ihn trotzdem weiterhin für verdächtig haltet: Wir behalten ihn vorsichtshalber im Auge."
Die Tradition der Goldschlägerei ist Schwabach wichtig. "Auch wenn die beiden verbliebenen Goldschlägerbetriebe in Schwabach den Goldschlägerhammer nicht mehr nutzen, exportieren sie Schwabacher Blattgold in die ganze Welt, darauf sind wir stolz. In unserem Stadtbild ist Blattgold sehr präsent, zum Beispiel sind die Türme des Rathausdachs vergoldet und ein unfassbar beliebtes Fotomotiv unserer Gäste."
Ausflugstipp: Das Schwabacher Stadtmuseum
Der OB hat gleich noch einen Ausflugstipp parat: Wer sich für die Geschichte des Blattgoldschlagens interessiert, könne das Schwabacher Stadtmuseum besuchen (Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr). "Dort schlägt ein Goldschlägermeister regelmäßig noch wie früher, man kann sich also live und vor Ort von der Ähnlichkeit des echten Goldschlägers zur Ampelfigur überzeugen."
Vielleicht schießt der eine oder andere Besucher danach ein Selfie mit dem Ampelmännchen. Es ist in der Angerstraße zu finden. Und der OB teilt auch mit: Es wird bei dieser einen Ampel bleiben.