Huml in Corona-Krise nun vorsichtig optimistisch

Der Anstieg der Corona-Infektionen hat sich verlangsamt, die Zahl schwerkranker Infizierter hat sich stabilisiert - erfreuliche Signale für Gesundheitsministerin Huml. Doch sie findet auch warnende Worte.
| dpa
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Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml übt Kritik am Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, Krankschreibungen auch bei Lungenbeschwerden wieder nur in der Arztpraxis zuzulassen. (Symbolbild)
Peter Kneffel/dpa Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml übt Kritik am Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, Krankschreibungen auch bei Lungenbeschwerden wieder nur in der Arztpraxis zuzulassen. (Symbolbild)

München (dpa/lby) - Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sieht im Kampf gegen das Coronavirus zunehmend Grund für Optimismus - warnt aber vor einer übereilten Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen. Man dürfe zwar noch keine Entwarnung geben. "Aber wir haben Grund zu vorsichtigem Optimismus", sagte Huml am Montag der Deutschen Presse-Agentur in München. Sie verwies auf den mittlerweile deutlich langsameren Anstieg der Infizierten-Zahlen, aber auch auf die aktuell ausreichende Zahl von Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit. Und auch die Zahl beatmungspflichtiger Patienten habe sich stabilisiert.

Bis Ostermontag (Stand 10.00 Uhr) wurden laut Ministerium 33 329 Menschen in Bayern positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet - das waren 547 Fälle oder 1,7 Prozent mehr als am Vortag. Gestorben sind bisher 834 Menschen, die sich mit dem Erreger infiziert hatten.

Huml betonte, weil an Wochenenden und Feiertagen Testergebnisse aus einigen privaten Labors fehlten, seien die Zahlen "etwas mit Vorsicht zu betrachten". Es werde noch Nachholeffekte geben. "Aber insgesamt, wenn wir uns die Entwicklung der vergangenen Wochen anschauen, sieht man, dass es zu einer Verlangsamung der Ausbreitung gekommen ist", sagte sie. "Wir hatten ja schon Anstiege von 20 Prozent und mehr pro Tag. Nun sind wir eher bei zehn Prozent, bei fünf Prozent oder sogar noch ein bisschen darunter gelandet. Das zeigt: Die Maßnahmen, die Schulschließungen und die Ausgangsbeschränkungen, greifen."

Auf der anderen Seite wurden die Klinik-Kapazitäten deutlich ausgebaut. "Die Zahl der Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit konnten wir von 2600 auf 3075 steigern", sagte Huml. Davon seien am Montag rund 1100 Betten frei gewesen. "Und es wird weiter ausgebaut."

"Gleichzeitig ist es so, dass sich die Zahl der Patienten, die beatmet werden müssen, in den vergangenen Tagen stabilisiert hat", berichtete Huml. "Das heißt zwar noch nicht, dass wir Entwarnung geben können. Aber es ist uns gelungen, das Gesundheitssystem so hochzufahren, dass aktuell ausreichend Möglichkeiten für die Behandlung da sind." Huml betonte allerdings: "Dass wir Zustände wie in manchen anderen Ländern vermeiden konnten, lag aber eben auch an den Beschränkungen, die die Bevölkerung so mitgetragen hat."

Huml mahnte deshalb, man müsse die Debatte über mögliche Lockerungen sehr sachte führen. "Es nützt keinem, wenn die Zahlen wieder hochschnellen. Deswegen müssen wir sehr sorgsam vorgehen." Sie verwies auf die anstehenden Beratungen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen an diesem Mittwoch, betonte aber: "Man muss auch sehen, dass wir in Bayern zusammen mit Baden-Württemberg die hauptbetroffene Region sind. Und so gut es wäre, wenn wir bundesweit einheitlich agieren würden: Es kann sein, dass wir regionale Unterschiede brauchen - eben weil wir stärker betroffen sind, weil wir durch unsere Nähe zu Österreich und Italien mehr Infektionen hatten als in anderen Bundesländern."

Skeptisch ist Huml insbesondere, was Lockerungen in besonders sensiblen Bereichen wie Pflegeheimen angeht. Zudem machte sie deutlich, dass sie eine schnelle Wiedereröffnung insbesondere von Kitas kritisch sieht. "Sehr zurückhaltend sind wir bei den Altenheimen, bei Pflegeheimen, bei Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen", sagte die Gesundheitsministerin. "Aber auch bei den Kitas ist es schwierig: Es ist einem Vierjährigen nun einmal schwerer zu erklären, dass er Abstand halten soll, als älteren Kindern."

Zudem legt Huml Wert auf eine weitere Stärkung der Gesundheitsbehörden. "Parallel zu möglichen vorsichtigen Lockerungen müssen wir die Gesundheitsämter weiter stärken, was wir ja bereits tun", sagte sie. "Denn wenn es zu mehr Infektionen kommt, müssen wir weiter alles dafür tun, die Infektionsketten zu unterbrechen."

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