Hubert und die Wölfe auf dem Spielplatz 

Minister Aiwanger teilt ein Video, das zwei Wölfe auf einem Spielplatz zeigt, und entfacht eine hitzige Debatte über den Umgang mit den Tieren in Bayern. Während einige die Wölfe verteidigen, fordern andere drastische Maßnahmen gegen die zunehmende Population. Was der Freie-Wähler-Chef dazu sagt. 
von  Natalie Kettinger
Auch hier geht die Angst vor dem Wolf um: Hubert Aiwanger spricht während der Hauptalmbegehung bei Ruhpolding.
Auch hier geht die Angst vor dem Wolf um: Hubert Aiwanger spricht während der Hauptalmbegehung bei Ruhpolding. © Peter Kneffel / dpa

Es ist ein erstaunliches Filmchen, das der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger da auf den Sozialen Medien teilt: Zwei Wölfe streunen im nebelbedingten Zwielicht über einen Spielplatz. Leichtfüßig traben sie vorbei an Rutsche, Wippe und Schaukel.

"Wölfe laufen über Kinderspielplatz. Mendorf, Gemeinde Altmannstein, Lkr Eichstätt, Bayern", hat der Freie-Wähler-Chef dazu geschrieben – und eine heftige Diskussion um den Abschuss der Tiere ausgelöst.

Ein Screenshot aus dem Wolfs-Video.
Ein Screenshot aus dem Wolfs-Video. © X

Über das Video wird ausführlich diskutiert

"Netter Versuch, Angst zu verbreiten. Solche hetzerischen Methoden erwarte ich dann aber eher nicht von einem 'Politiker’", kritisiert ein User. "Hören Sie endlich auf jedes natürliche Verhalten dieser und anderer Wildtiere als 'Problem’ zu verkaufen", fordert ein anderer. Eine Frau schreibt: "Lasst die Wölfe in Ruhe, es sind wunderbare Tiere."

"Es ist nur eine Frage der Zeit"

Doch es gibt auch andere Stimmen. "Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis Wolfsangriffe auf Menschen erfolgen, wenn wir nicht endlich mit effektiven Vergrämungsmaßnahmen und, noch wichtiger, mit der Reduzierung des völlig aus dem Ruder laufenden Wolfsbestandes, beginnen", ist in einem Kommentar zu lesen.

Das hat nichts mit dem Märchen vom Rotkäppchen zu tun

Ein weiterer User wendet sich direkt an Aiwanger: "Sind Sie nicht stellvertretender Ministerpräsident eines Bundeslandes? Ein Koalitionspartner der Landesregierung? Wer, wenn nicht Leute wie Sie, könnten die Gesetzgebung so ändern, dass die Viecher abgeschossen werden?" Der Angesprochene antwortet kurz und bündig: "Bin dabei."

In Bayern gebe es derzeit rund 60 bis 100 Wölfe, bereits erste Rudel und Wolfswelpen, die hier geboren sind, sagt Aiwanger.
In Bayern gebe es derzeit rund 60 bis 100 Wölfe, bereits erste Rudel und Wolfswelpen, die hier geboren sind, sagt Aiwanger. © Armin Weigel / dpa

Erst Anfang Dezember hatte das bayerische Kabinett eine Reform des Jagdrechts auf den Weg gebracht und den Wolf ins Landesjagdrecht aufgenommen. Damit soll er – zum Schutz von Weidetieren – künftig leichter abgeschossen werden dürfen. Mitte des Monats folgte das Bundeskabinett.

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Der AZ sagt Hubert Aiwanger am Freitag: Das habe er schon seit Jahren gefordert. "In Wolfsgebieten trauen sich Eltern kaum noch, kleinere Kinder morgens unbeaufsichtigt zur Bushaltestelle gehen zu lassen. Das hat nichts mit dem Märchen vom Rotkäppchen zu tun, sondern ist sehr verständlich", so der Minister.

Laut Experten sind im Film zwei Jungtiere zu sehen

In Bayern gebe es derzeit rund 60 bis 100 Wölfe, bereits erste Rudel und Wolfswelpen, die hier geboren sind. "Außerdem erfolgt Zuwanderung aus Regionen mit hohen Wolfsdichten wie Sachsen." Es gehe nicht darum, "die Wölfe auszurotten, sondern dort zu dulden, wo sie sich abseits vom Menschen und Weidetieren natürlich verhalten, aber dort zu bejagen, wo sie Schaden anrichten oder die Scheu vor Menschen verlieren."

Die Aufnahmen zeigen laut Experten zwei Jungtiere, sagte eine Sprecherin des Landesamts für Umwelt (LfU) in Augsburg. Der Köschinger Forst im Altmühltal sei als Wolfsterritorium ausgewiesen, das werde nun "in leicht veränderter Ausdehnung weitergeführt".

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