Heimat und Hawaii: So emotional nimmt Erding Abschied von Werner Brombach

Der "Bräu von Erding" ist am 8. August 2026 gestorben. Zur Trauerfeier kommen mehr als 1000 Gäste, auch am Straßenrand verfolgen viele seinen letzten Weg zum Friedhof. Manche Anekdoten von Weggefährten lassen schmunzeln, andere rühren zu Tränen. Sein Sterbebild und ein spezielles Lied bewegen besonders.
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Abschied von Werner Brombach. Neben dem Sarg steht ein großes Bild des "Bräu von Erding". Auch viele Kränze und Blumen ehren den Bier-Pionier.
Abschied von Werner Brombach. Neben dem Sarg steht ein großes Bild des "Bräu von Erding". Auch viele Kränze und Blumen ehren den Bier-Pionier. © Rosemarie Vielreicher

Erdinger Weißbräu war sein Leben, sein Lebenswerk. Welchen besseren Ort kann es also geben, um den verstorbenen Weißbier-Pionier Werner Brombach (86) zu verabschieden? Richtig, keinen.

Die Trauerfeier für den "Bräu von Erding" findet deswegen am Mittwoch nicht in einer Kirche statt, sondern unter freiem Himmel und bei Sommersonne mitten auf dem Gelände der Privatbrauerei in Erding.

Aber auch sein zweiter Herzensort in der Ferne darf nicht fehlen: Der Bräu liebte Hawaii. Das Sterbebild zeigt Werner Brombach daher nicht im Anzug, sondern locker in einem blau gemusterten Hawaiihemd vor Palmen. Daneben steht: Brauer mit Leib und Seele. Beim Blick auf die Rückseite versteht man seine Hawaii-Liebe. Statt einem traurigen Motiv ist ein Sandstrand auf der Pazifik-Insel abgedruckt.

Das besondere Sterbebild von Werner Brombach.
Das besondere Sterbebild von Werner Brombach. © Rosemarie Vielreicher

Mehr als 1000 Gäste wurden vorab zu Trauerfeier erwartet, heißt es von Erdinger Weißbräu. Der Sarg von Werner Brombach steht zentral mit Blumen und einem Erdinger-Tuch bedeckt auf der Tribüne. Daneben ein Porträt von ihm. Natürlich lachend, natürlich mit großer schwarzer Brille, natürlich mit Weißbier in der Hand. So wie ihn alle kannten und in Erinnerung behalten wollen. Ein Herz aus Rosen liegt ganz nah beim Sarg, es ist von seiner Tochter Claudia (46).

Die Brauerei steht an diesem Tag still

Sie sitzt mit ihrem Ehemann Alexander (45) in der ersten Reihe, im schwarzen Dirndl und mit Sonnenbrille. Unter den Gästen sind unter anderem Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Ulrike Scharf (CSU), der frühere Ministerpräsident und Mitglied im Stiftungsrat der Werner-Brombach-Familienstiftung, Günther Beckstein (CSU), die Sportlerinnen Magdalena Neuner und Franziska Preuß sowie Triathlet Patrick Lange.

Auch das Erdinger-Weißbräu-Logo aus Blumen findet sich bei der Trauerfeier.
Auch das Erdinger-Weißbräu-Logo aus Blumen findet sich bei der Trauerfeier. © Rosemarie Vielreicher

Auch "seine Mannschaft", so nannte Werner Brombach liebevoll seine Mitarbeiter, ist geladen. Die Brauerei steht an diesem Tag still.

Erinnert wird in den Reden nach dem Gottesdienst unter anderem an seine besondere Menschlichkeit, seinen Mut, die Geradlinigkeit, seine Detailverliebtheit, diverse Marketing-Coups und seinen Unternehmergeist, mit dem er sein Bier in über 100 Länder brachte.

Sein fester Händedruck fehlt schon jetzt

Genauso vermissen Wegbegleiter schon jetzt seinen festen Händedruck oder die Anrufe in der Heimat mitten in der Nacht, wenn er die Zeitverschiebung zwischen Hawaii und daheim kurz nicht bedacht hatte.

Ulrike Scharf spricht zum Tod von Werner Brombach.
Ulrike Scharf spricht zum Tod von Werner Brombach. © Rosemarie Vielreicher

Wolfgang Kuffner (Geschäftsführer Marketing) bringt sogar das geliebte Sitzkissen von Brombach auf die Bühne. Er habe es einmal auf einem Flug nach Hawaii verloren und alle Hebel in Bewegung gesetzt, es wieder zu bekommen. Anekdoten zum Schmunzeln und gleichzeitig sagt Kuffner ehrlich über den Tod des Chefs: "Ich kann es immer noch nicht fassen."

Ulrike Scharf zu seiner Tochter: "Er war so stolz auf dich"

Emotional wird es auch, als Ulrike Scharf ans Rednerpult tritt. Sie ist als stellvertretende Ministerpräsidentin und Sozialministerin hier, aber auch als Erdingerin und Freundin der Familie Brombach. An seine Tochter gewandt sagt sie: "Er war so stolz auf dich." Und: "Ich weiß, wie eng und herzlich eure Beziehung war." Sie seien eine starke Familie gewesen, hätten zusammengehalten. "Für Erding und ganz Bayern sage ich: Wir nehmen Abschied von einem Weltbürger mit tiefen Wurzeln in seiner bayerischen Heimat."

Geboren im Kriegsjahr 1939

Brombach wurde 1939 geboren. Scharf fragt rhetorisch: "Was haben seine Augen schon als Kind gesehen?" Krieg, Not, Elend, Wiederaufbau. Und später Aufschwung.

Er stieg 1965 ins Unternehmen seines Vaters ein, 1975 übernahm er nach dessen Tod die Führung und vergrößerte den Betrieb und dessen Bekanntheit enorm. Trotzdem sei er sich treu geblieben. Scharf bricht am Schluss die Stimme, als sie sagt: "Ich vermisse dich."

Der Gottesdienst für Werner Brombach.
Der Gottesdienst für Werner Brombach. © Rosemarie Vielreicher

Günther Beckstein sagt, er habe "unendliche Trauer" verspürt, als er die Todesnachricht erhielt. Er verliere einen jahrzehntelangen, engen Freund. Er erinnert daran, wie stolz der "Bräu von Erding" einst gewesen sei, als er Franz Beckenbauer, den Kaiser, als Botschafter gewinnen konnte (2003). Ebenso Jürgen Klopp zum 85. Geburtstag (2019) und Thomas Müller (2026) vor der WM in den USA. Mit der Familienstiftung würden nun sein Lebenswerk und der Charakter der Brauerei langfristig gesichert.

Stefan Kreisz kommt in seiner Doppelrolle zu Wort: als Geschäftsführer von Erdinger und als neuer Präsident des Bayerischen Brauerbundes. Sie hätten den letzten großen Bier-Pionier verloren. Statt Risiken habe Brombach Chancen gesehen. Der 86-Jährige sei ein Chef der alten Schule gewesen, seine Mitarbeiter gehörten für ihn zur Erdinger Familie, zur Mannschaft.

Plötzlich ertönt ein besonderes Lied

Schlucken müssen am Ende viele Gäste, als der Sarg von der Bühne getragen wird – und plötzlich das hawaiianische Lied "Somewhere over the rainbow" erklingt. Da holen nochmal einige ihre Taschentücher raus.

Der Trauerzug durch Erding beginnt in der Langen Zeile. Im Auto wird der Sarg von Werner Brombach zum Friedhof gebracht. Gleich dahinter geht seine Tochter (Mitte).
Der Trauerzug durch Erding beginnt in der Langen Zeile. Im Auto wird der Sarg von Werner Brombach zum Friedhof gebracht. Gleich dahinter geht seine Tochter (Mitte). © Rosemarie Vielreicher

Nach der Trauerfeier ziehen die Gäste in einem Zug mit Pferden, Musik und Vereinen durch Erding, beginnend in der Langen Zeile. Wo der Ehrenbürger der Stadt geboren wurde und immer noch sein Büro hatte. Viele Erdinger säumen die Straße, verfolgen seinen letzten Weg zum Friedhof St. Paul. Wo auch seine Frau Christine 2022 beerdigt wurde. Im Familiengrab wird er nun bei ihr die letzte Ruhe finden.

Eine Erdingerin am Weg schaut tief bewegt auf den Sarg, als er an ihn vorüberzieht. Und wirft ihm ein letztes Busserl hinterher.

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