Handwerkspräsident zur bedrohlichen Corona-Lage für die Wirtschaft

Die Branche ist bislang relativ glimpflich durch die Krise gekommen, doch es gibt Kritik.
| Ralf Müller
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Franz Xaver Peteranderl.
Franz Xaver Peteranderl. © dpa

München - Das bayerische Handwerk hat sich in der Corona-Krise bisher als "stabilisierender Faktor der Wirtschaft" erwiesen. Allerdings reiche der Aufschwung nach den jüngsten Lockerungen nicht aus, um die Verluste aus dem Frühjahr auszugleichen, sagte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT) Franz Xaver Peteranderl am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in München.

Handwerk glimpflich durch die Coronakrise gekommen

Im Vergleich zu anderen Branchen sei das Handwerk "glimpflich durch die Krise" gekommen, bestätigte BHT-Hauptgeschäftsführer Frank Hüpers.

An zweistellige Zuwachsraten, die in den Vorjahren teilweise verzeichnet wurden, konnten die Betriebe im dritten Quartal 2020 freilich nicht anknüpfen. Gegenüber dem Vorjahresquartal nahm der Umsatz der 206.000 Betriebe in Bayern nominal um drei und preisbereinigt um sechs Prozent auf 31,4 Milliarden Euro ab. Es wurden indes zwar mehr als 2.000 Handwerksbetriebe neu eröffnet, die Zahl der Beschäftigten sank jedoch um 1,2 Prozent auf 960.000 zum 30. September.

81 Prozent sehen Geschäftslage mindestens als befriedigend

Die Betriebsauslastung lag mit 78 Prozent um fünf Prozentpunkte niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Auftragsbestand schmolz um 0,9 auf 8,7 Wochen ab.

Immerhin beurteilen derzeit noch 81 Prozent der bayerischen Handwerksbetriebe die Geschäftslage als gut oder befriedigend - elf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Gleichbleibende oder bessere Geschäftserwartungen äußerten ebenfalls 81 Prozent der Handwerksunternehmer (minus acht Prozentpunkte).

Coronakrise: Friseure und Kosmetiker stärker betroffen

Die Situation sei allerdings je nach Gewerk sehr unterschiedlich, sagte Peteranderl. Während das Geschäft bei den Bau- und Ausbauhandwerken weiterhin gut laufe, spürten verbrauchernahe Dienstleister wie Augenoptiker, Orthopädietechniker, Friseure und Kosmetiker die Krise schmerzhafter - ebenso wie Industriezulieferer, das Kraftfahrzeughandwerk und private Dienstleister.

Die Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung in Form eines V-förmigen Krisenverlaufs sei Ernüchterung gewichen. Die Erholung stehe "auf wackeligen Füßen", so der BHT-Präsident. Ein zweiter Shutdown wie im Frühjahr müsse "unbedingt verhindert" werden.

Kritik an Hubertus Heils Homeoffice-Plänen

Die vorübergehende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht trifft bei den Handwerkern auf Kritik. Die Aussetzung der Pflicht, rechtzeitig Insolvenz anzumelden, werde für die Handwerksbetriebe "mehr und mehr zur Belastung", sagte Peteranderl. Bei den Handwerkern wachse die Angst, nach erbrachter Leistung auf der Rechnung und damit auf ihren Kosten sitzen zu bleiben. Die Aussetzung der Antragspflicht für überschuldete Unternehmen müsse spätestens zum 31. Dezember enden.

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Nicht einverstanden ist man mit den Plänen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), ein Recht zum Homeoffice gesetzlich festzulegen. Es fielen dadurch erhöhter Verwaltungsaufwand und Mehrkosten an, ganz abgesehen davon, dass Homeoffice zu Handwerksbetrieben vielfach nicht passe. Den Arbeitsort festzulegen müsse originäre Aufgabe des Arbeitgebers sein. Beim Lockdown im Frühjahr habe sich gezeigt, dass diese Frage vom Markt geregelt werde, sagte Hüpers.

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