Handel öffnet: Kunden diszipliniert und uninteressiert

Die meisten Geschäfte in Bayern dürfen seit Montag wieder öffnen. Der große Ansturm blieb allerdings aus. Die Regeln von Abstandspflicht bis Mundschutz wurden offenbar meist gut eingehalten.
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Schaufensterpuppen mit Mundschutz stehen in einem Geschäft. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
dpa Schaufensterpuppen mit Mundschutz stehen in einem Geschäft. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

München (dpa/lby) - Die Öffnung weiter Teile des bayerischen Einzelhandels nach mehr als fünf Wochen Corona-Pause hat nicht zu vollen Innenstädten geführt. Bis zum frühen Nachmittag lag die Kundenfrequenz bei vielen Läden in etwa bei der Hälfte des normalen Wertes, wie der Handelsverband Bayern am Montag mitteilte. Die Kunden beachteten Regeln wie die Mundschutzpflicht in Geschäften gut, hieß es von mehreren Stellen. "Nach dem, was wir sehen können, halten sich die Leute sehr diszipliniert an die Vorgaben", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

"Es gab - wie erwartet - keinen großen Ansturm", sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann. Der Umsatz liege bei etwa 40 Prozent des Normalwertes. "Aber viele Händler - und auch wir - sagen: Besser wenig Umsatz als gar keiner, denn vielen steht das Wasser bis zum Hals."

Die Einschätzung des Verbands zur Kundenfrequenz deckt sich mit Zahlen des Datendienstleisters Hystreet, der Kundenfrequenzen auf Einkaufsstraßen misst. Von insgesamt zwölf Messpunkten in Bayern zeigten sich um die Mittagszeit an zehn deutliche Rückgänge, einer lag etwas im Plus, einer war offenbar nicht aktiv. Insbesondere in der Münchner Fußgängerzone waren die Rückgänge stark - hier wurde teilweise nur etwas mehr ein Drittel der normalen Frequenz erreicht. In den anderen Großstädten fielen die Rückgänge kleiner aus. Darüber ob die Passanten auch in die Geschäfte gehen, geben die Zahlen allerdings keine Auskunft.

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigte sich bei einem Besuch in einer Münchner Buchhandlung zufrieden damit, wie die Kunden die Sicherheits- und Hygienevorschriften einhielten. "Wenn die Disziplin in der Bevölkerung so bleibt, bin ich der Überzeugung, dass weitere Öffnungen verantwortbar werden können", sagte er. Er zeigte sich zudem zuversichtlich, dass dies nicht mehr lange dauern werde.

Dabei könnte auch eine Entscheidung des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom Montag helfen. Er erklärte das Verkaufsverbot für große Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern für verfassungswidrig. Die Richter monierten einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, weil kleinere Läden und große Läden anderer Branchen öffnen dürfen.

Unmittelbare Konsequenzen hat die Entscheidung aber nicht: Das Gericht setzte die Vorschrift wegen der Pandemie-Notlage "ausnahmsweise" nicht außer Kraft. Ohlmann vom Handelsverband kritisierte deswegen, die Entscheidung des Gerichts sei "ein Muster ohne Wert".

Dennoch wird sie wohl eine Änderung nach sich ziehen: "Wir bleiben bei der Beschränkung auf 800 Quadratmeter, aber erlauben auch größeren Geschäften die Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter zu begrenzen", sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) dem "Münchner Merkur". Die Anpassung der Infektionsschutzverordnung solle am Dienstag im Kabinett erfolgen.

Seit Montag dürfen in Bayern viele Geschäfte nach rund fünfwöchiger Pause wieder öffnen. Die Grenze von 800 Quadratmetern Verkaufsfläche gilt für die meisten Branchen, ausgenommen sind unter anderem Buchhandel, Fahrradläden und Autohäuser.

Nach Angaben von Wirtschaftsministerium und Handelsverband dürfen mit den aktuellen Lockerungen wieder etwa 80 Prozent der Geschäfte öffnen. Drei Viertel davon täten dies in vollem Umfang, sagte Ohlmann, knapp ein Viertel mit reduzierten Öffnungszeiten. Er hofft nun zum einen auf weitere Lockerungen, zum anderen auf den kommenden Samstag. Allerdings seien die Kunden noch im "Corona-Krisenmodus", sagte er. Und mit Mundschutz komme auch nicht das richtige Shopping-Gefühl auf.

Einzelhändler zeigten sich am Montag dennoch glücklich, wieder öffnen zu dürfen. "Es war mir so eine Freude, die Verkaufstische wieder vor das Geschäft zu räumen", sagte der Regensburger Buchhändler Heinrich Altenbuchner. Vor allem die Gespräche mit den Kunden hätten ihm gefehlt. "Das ist mein Lebenselixier."

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