"Gute Reise, Chef": Bayerns Bierwelt nimmt Abschied von Werner Brombach

Erding trauert um seinen Weißbier-König: Werner Brombach war Brauer mit Leib und Seele. Er hat seine Brauerei im Münchner Umland in sechs Jahrzehnten enorm wachsen lassen und sein Bier weit über Bayerns Grenzen hinaus populär gemacht.
Am Samstag ist der Unternehmer mit der markanten schwarzen Brille als Markenzeichen mit 86 Jahren gestorben.
Nach einer kurzen Krankheit, wie Erdinger Weißbräu am Sonntag öffentlich macht. Seine Familie war bis zum Schluss an seiner Seite. Er hinterlässt seine Tochter Claudia (46) und seinen Schwiegersohn Alexander (45).
Erdinger Weißbräu ist eine Traditionsbrauerei mit Wurzeln bis ins Jahr 1886. Brombach, "der Bräu von Erding", war jahrzehntelang Inhaber der Privatbrauerei und führte sie in zweiter Generation.
Trauer auf Social Media: "Gute Reise, Chef"
Unter der Todesmeldung auf Erdingers offiziellen Social-Media-Kanälen sammeln sich innerhalb weniger Stunden zahlreiche Beileidsbekundungen. Ein Nutzer schreibt: "Gute Reise, Chef. Und das wird er für mich immer bleiben. Meinen größten Respekt und Wertschätzung für ihn als Mensch und für sein ewiges Lebenswerk, was er der Welt nun hinterlassen hat."

Eine Kollegin schreibt: "Werner Brombach war der beste und sozialste Chef, den man haben konnte. Ich bin stolz, lange schon ein Teil in seiner Brauerei zu sein. Ich wünsche ihm, dass er sein Lebenswerk weiterhin im Bierhimmel verfolgen kann."
"Er ist uns immer auf Augenhöhe begegnet"
Und noch ein beruflicher Weggefährte kommentiert: "Er war ein aufrichtiger Mensch mit dem Herzen am richtigen Fleck. Jahrelang habe ich für ihn als Ordner im Weissbräuzelt gearbeitet. Er ist uns immer auf Augenhöhe begegnet."
Ein anderer Nutzer teilt aus Erding: "Da sitzt du in der Therme bei einem kühlen Erdinger und liest so eine traurige Nachricht. Mögen Sie, Herr Brombach, in Frieden ruhen."

Die Brauerei hat auf ihrer Homepage die Meilensteine ihrer Geschichte aufgelistet. Als letzter Höhepunkt ist dort ein Beitrag von Anfang des Jahres zu finden: nämlich, dass Fußballprofi Thomas Müller der neue Markenbotschafter von Erdinger ist. Zu diesem Markencoup – nicht Brombachs erster – ist ein Bild der beiden zu sehen, Fußballkönig und Weißbierkönig reichen sich die Hand, mit zwei Weißbieren auf dem Holztisch.
Die Karriere von Werner Brombach – gemessen in Hektolitern
Aber zurück zu Werner Brombachs Anfängen. 1939 wird er in Erding geboren. Im Jahr 1965 steigt er in das Unternehmen ein, das damals noch sein Vater Franz führt (dieser hatte die Brauerei 1935 gekauft; damals 3500 Hektoliter).
40.000 Hektoliter produzieren sie, als Werner Brombach einsteigt. 1975 übernimmt er nach dem Tod seines Vaters allein die Verantwortung. Zwei Jahre später stellen sie schon 225.000 Hektoliter her. 1990 sind es dann schon eine Million Hektoliter!
Brombach ist es, der das vermeintliche Nischenprodukt Weißbier erstmals auch außerhalb Bayerns vertreiben lässt und zum Marktführer avanciert. Heutzutage exportiert die Brauerei in über 100 Länder.

Unter seiner Führung werden unter anderem auch der Erdinger Fanclub gegründet, ein alkoholfreies Erdinger (2001) und ein alkoholfreies Helles (2025) auf dem Markt positioniert, ein neues Sudhaus und auch eine neue Flaschenabfüllung in Betrieb genommen.
80. Geburtstag: Jürgen Klopp wird zum Botschafter
Zum 80. Geburtstag im Jahr 2019 wird Jürgen Klopp der neue Botschafter der Privatbrauerei. Beide geben sich auf einem Bild die Hand, ein Weißbier steht bei diesem Schnappschuss nicht auf dem Tisch. Aber beide strahlen.
Auch andere Prominente wie Franz Beckenbauer, Magdalena Neuner oder Triathlet Patrick Lange werden im Laufe der Zeit zu seinen Botschaftern. Der FC Bayern München gehörte ebenso zu den bekannten Partnern der Marke.
"Wir verlieren den Weißbier-Pionier Deutschlands"
Erdinger-Geschäftsführer Stefan Kreisz teilt der AZ am Sonntag mit: "Mit Werner Brombach verlieren wir den Weißbier-Pionier Deutschlands und einen Vollblut-Unternehmer."
Er habe die Brauerei "über Jahrzehnte geprägt und ist für die Erfolgsgeschichte des Erdinger Weißbräu verantwortlich". "Er stand für Qualität, klare Haltung und eine tiefe Verbundenheit mit Erding und seinen Mitarbeitern."
Auch persönlich trifft Kreisz der Verlust: "Für mich persönlich war er ein Vorbild und Mensch, auf dessen Urteil ich sehr großen Wert gelegt habe." Kreisz ist seit Mai 2026 auch Brauerbund-Präsident: "Auch als Präsident des Bayerischen Brauerbundes trauere ich um eine Persönlichkeit, die die gesamte Brauwirtschaft maßgeblich mitgestaltet hat. Wir werden sein Lebenswerk mit großem Respekt weiterführen und die Werte bewahren, für die er stand."

Walter Berizzi, stellvertretender Stiftungsrats-Vorsitzender der "Werner-Brombach-Familien-Stiftung", teilt zu Brombachs Tod mit: "Heimatverbundenheit, Bodenständigkeit, Pioniergeist und unternehmerischer Weitblick – das zeichnete Werner Brombach aus. Er war national und international ein Sympathieträger, der bis zuletzt die Brauerei führte und sich um die Belange seiner Mitarbeiter kümmerte."
Er war einer der prägendsten Botschafter bayerischer Lebensfreude
Weiter würdigt ihn Berizzi: "Die Erdinger Familie, die gesamte Branche, der Freistaat Bayern und die Welt des Sports verlieren einen großen Unternehmer, verlässlichen Chef, generösen Förderer sowie einen durch und durch geradlinigen Menschen. Er war einer der prägendsten Botschafter bayerischer Lebensfreude."
Brauen war sein Lebensinhalt
Werner Brombach habe über sich selbst gesagt, sein Lebensinhalt sei es, Brauer mit Leib und Seele zu sein. Dafür nannten ihn offiziell wie inoffiziell viele "Weißbier-Zar" oder auch "Weißbier-Pionier".

Auch höchste Anerkennungen erhielt er im Laufe seines Lebens: das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und den Bayerischen Verdienstorden.
Seit 2012 war er auch Träger des Ehrenrings in Gold des Landkreises Erding; zudem ist er Ehrenbürger von Erding. Besonders stolz sei er auch auf die Bayerische Gastlichkeitsmedaille des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und den Ehrenpreis der Deutschen Getränkebranche gewesen.
Veränderung in der Chefetage bei Erdinger
In den letzten Jahren zog er sich schon etwas zurück. 2022 hatte er die Rolle als Vorsitzender Geschäftsführer an Stefan Kreisz übergeben. Erst Anfang Juli 2026 verkündete Erdinger eine weitere Veränderung in der Chefetage. Peter Jonas verstärkt nun die Geschäftsführung.

2025 übergab Werner Brombach als Alleingesellschafter seine Anteile in die "Werner-Brombach-Familien-Stiftung". Die Stiftung hat sich dazu verpflichtet, seine Werte weiterzuverfolgen.
Bestimmt wird jetzt der eine oder andere Weggefährte zum Abschied ein Weißbier zu seinen Ehren trinken.