Glosse von AZ-Verleger Martin Balle: Im Wohlfühlland

AZ-Verleger Martin Balle über die (noch geheimen) Pläne der neuen bayerischen Staatsregierung.
| Martin Balle
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Markus Söder stellte vergangene Woche seine Regierungserklärung vor.
dpa Markus Söder stellte vergangene Woche seine Regierungserklärung vor.

Die Regierungserklärung der neuen bayerischen Regierung in dieser Woche war nur ein erster Teil dessen, was in Zukunft geplant ist. Der AZ liegt auch der zweite Teil des neuen Regierungsprogramms vor, der erst in wenigen Wochen allgemein bekannt gemacht werden soll. Wir bringen ihn aber vorab vollständig im Wortlaut:

Die neue bayerische Regierung ist an allgemeinem Wohlstand interessiert. Es wird deshalb in Zukunft an allen Wochentagen um 11 Uhr morgens Bratwürste vom Himmel regnen, an Sonntagen Weißwürste. Damit die Bürgerinnen und Bürger weiter aktiv in Eigenverantwortung ihr Leben selber in die Hand nehmen und gestalten wollen, soll der Senf selbst bezahlt werden.

Allerdings bekommen Hartz-4-Empfänger auf süßen Senf 50 Prozent Nachlass. Die Weißwürste dürfen sonntags aber nur außerhalb der Zeiten der katholischen Gottesdienste aufgeklaubt werden: Für die CSU bleibt die christlich-abendländische Tradition maßgeblich.

Außerdem richtet die Staatsregierung mit sofortiger Wirkung ein Wohlfühlministerium ein. An Tagen, wo sich einzelne Bürger dieses Landes weniger wohl oder sogar unglücklich fühlen, können sie dort noch am Morgen beantragen, dass ihr Tag um vier Stunden verkürzt wird. Gute Tage können dagegen um bis zu sieben Stunden verlängert werden. Das Procedere dabei ist formlos. Es reicht eine kurze handschriftliche Begründung, weshalb dieser Tag in seiner gewohnten Zeitlänge nicht zu akzeptieren ist.

Zudem verlängert die bayerische Staatsregierung mit sofortiger Wirkung das Wochenende auf drei Tage. Es ist für uns nicht mehr einzusehen, weshalb gerade der Freitag nicht frei sein soll. Gerade im Namen des Frei-Tags liegt doch schon etymologisch begründet, dass es hier wenig sinnvoll ist, in die Arbeit zu gehen. Ein zusätzlicher freier Tag wird den Menschen in Bayern gut tun und die Familie nochmals stärken. Es ist der CSU auch wichtig, dass am zusätzlichen Wochenendtag in den Familien nicht gestritten wird. Die Ehefrauen sollen dankbar dafür sein, dass ihr Ehemann einen Tag länger zu Hause ist, umgekehrt genauso.

Zudem werden ab Herbst alle Volksfeste wenigstens um zwei Wochen verlängert. Uns war niemals klar, weshalb das Oktoberfest bereits im September beginnt, aber dann nicht den ganzen Oktober bleibt. In Zukunft wird die Wiesn exakt bis zum letzten Oktobertag andauern. Die erste Maß bei jedem Besuch wird frei sein. Wer tatsächlich regelmäßig jede Woche die Wiesn besucht, erhält ab der dritten Woche auch die zweite Maß gratis. Wer nachweisen kann, dass er jeden Tag auf der Wiesn war, erhält rückwirkend an Weihnachten den gesamten bezahlten Betrag rückerstattet. Die Kosten dafür teilen sich das Land Bayern und die Stadt München. (Mit der Stadt muss aber erst noch gesprochen werden.)

Auch die Sicherheit der bayerischen Städte mit mehr als 40.000 Einwohnern soll weiter verstärkt werden. In jeder dieser Städte soll eine eigene Kavallerie eingerichtet werden. Die dafür nötige Aufzucht der zusätzlich notwendig gewordenen Pferde wird in Zusammenarbeit mit den Trabrennbahnen Bayerns und der Münchner Galopprennbahn vorgenommen. Dadurch werden diese Institutionen aufblühen und zusätzliche Wetteinnahmen generieren. Dank diesen werden sich die Pferde mitsamt den neuen Polizeistellen selbst rechnen.

Auch an den bayerischen Landesgrenzen soll verstärkt die bayerische Kavallerie zum Einsatz kommen. So bekommt unsere Polizei gegenüber den Migranten, die durch die bayerischen Grenzwälder zu uns kommen wollen, sofort ein tierliebes und menschenfreundliches Gesicht. Das wird dem allgemeinen Frieden dienlich sein und zu mehr Völkerverständigung führen.

Aufgabe des neu gegründeten Wohlfühlministeriums wird auch sein, in regelmäßigen Abständen die Zufriedenheit der bayerischen Bevölkerung zu messen. Diese Messung findet alle drei Monate statt. Solange mehr als zwei Drittel der bayerischen Bevölkerung mit ihrem Leben mehr als zufrieden oder sehr zufrieden sind, finden keine weiteren Landtagswahlen mehr statt. Nur wenn der Zufriedenheitspegel darunter abfällt, wird die bayerische Staatsregierung prüfen, ob zu gegebenem Zeitpunkt Neuwahlen vielleicht stattfinden könnten.

Der neuen bayerischen Staatsregierung ist die Zufriedenheit aller Bürgerinnen und Bürger außerordentlich wichtig. Und wir versprechen Ihnen deshalb: Sie werden mit uns zufrieden sein!

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