Offene Geschäfte am Sonntag: Deshalb kann das in Bayern nicht funktionieren

Die Bäckereien dürfen länger am Ruhetag arbeiten. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) will das auch – doch der Verband aus Bayern lehnt das ab. Was sich der Bundesverband davon verspricht und weshalb die Bayern das so kritisch sehen.
Maximilian Neumair
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Münchner beim Bummeln und Einkaufen in der Altstadt. Dass der Einzelhandel in Bayern jeden Sonntag geöffnet hat, kann sich der Handelsverband nicht vorstellen.
Münchner beim Bummeln und Einkaufen in der Altstadt. Dass der Einzelhandel in Bayern jeden Sonntag geöffnet hat, kann sich der Handelsverband nicht vorstellen. © IMAGO (www.imago-images.de)

Acht statt drei Stunden: Das Reformpaket von Union und SPD sieht vor, dass Bäckereien und Konditoreien ab dem 1. Januar 2027 länger als bisher am Sonntag arbeiten dürfen. Das weckt Neidgefühle beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). In einem Gespräch mit der "Bild"-Zeitung sagt Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: "Einkaufen ist auch Freizeiterlebnis. Daher setzen wir uns für Sonntagsöffnungen im Einzelhandel ein, um Innenstädte attraktiv und lebendig zu halten."

Also auch sonntags soll demnach Shoppen in der Innenstadt und Einkaufen beim Supermarkt um die Ecke möglich sein. Der Geschäftsführer des Verbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, springt Genth zur Seite: "Wir sollten endlich einen Schritt voran machen und den Sonntag in das Ermessen der Kaufleute und Kunden stellen. Wer in Deutschland sonntags ein Hemd verkauft, macht sich strafbar. Das ist im Online-Zeitalter von vorgestern."

Handelsverband Bayern: Öffnung der Sonntage ist "Quatsch"

Doch nicht alle Handelsverbände sind von der Idee angetan. Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern (HBE) findet im Gespräch mit der AZ deutliche Worte: "Wir haben mit Kopfschütteln reagiert, dass unser Bundesverband da so vorgeprescht ist." Der HBE halte die Idee für "Quatsch".

Ohlmann sagt: "Wer glaubt, dass mit einem siebten Verkaufstag automatisch mehr Umsatz geschafft wird, verwechselt lange Öffnungszeiten mit größeren Geldbeuteln."

Bernd Ohlmann ist Pressesprecher beim Handelsverband Bayern. Sein Verband sieht den Sonntag als weiteren Verkaufstag kritisch.
Bernd Ohlmann ist Pressesprecher beim Handelsverband Bayern. Sein Verband sieht den Sonntag als weiteren Verkaufstag kritisch. © Handelsverband Bayern

Die Verbraucher würden den Umsatz nur verschieben und deswegen nicht mehr einkaufen. Außerdem klagt er: "Wir können das auch gar nicht personalmäßig stemmen." Schon jetzt suchten die Händler nicht nur in München händeringend nach Mitarbeitern.

"Es gibt teilweise Händler, die die Öffnungszeiten zurückgefahren haben und jetzt soll da noch ein Tag dazukommen? Das ist nicht die Lösung", sagt Ohlmann. Um mit dem Online-Handel zu konkurrieren, müssen stationäre Händler in Bayern und München auch mehr online verkaufen. Viele täten das schon längst.

Erst im vergangenen Jahr ist das neue bayerische Ladenschlussgesetz in Kraft getreten – Gewerkschaften, Kirchen und Händler waren sich einig: Offene Geschäfte braucht es am Sonntag nicht.

Kritik an Sonntagsregelung: Anforderungen sind undurchsichtig

Momentan sind pro Jahr vier verkaufsoffene Sonntage pro Kommune möglich. Aber die werden laut HBE bereits jetzt von den wenigsten Gemeinden ausgeschöpft. Ohlmann befürchtet einen Abnutzungseffekt: "Wenn in Erding ein verkaufsoffener Sonntag ist, nächste Woche drauf dann in Freising, dann in Pfaffenhofen, dann ist das nichts Besonderes mehr." Die verkaufsoffenen Sonntage müssen mit einem besonderen Programm verknüpft werden, etwa eine Dult oder ein Musikfest.

Vor allem Familien würden das dann als Anlass nehmen, um entspannt einzukaufen und zu bummeln. Bei einer generellen Freigabe der Sonntage wäre dieser Verkaufstag wie jeder andere. Der Handelsverband Sachsen beschwert sich über die Freigabe von Sonntagsverkäufen: "Nach aktuellem Recht bedarf es stets eines besonderen Anlasses für Sonntagsöffnungen. Die Anforderungen sind teils undurchsichtig. Den Kommunen sind rechtssichere Genehmigungen kaum möglich."

Diese Anlassbezogenheit hätte auch der Handelsverband Bayern gerne gestrichen. Dass sich etwas an dem neuen Ladenschlussgesetz in Bayern direkt wieder ändern wird, kann Ohlmann sich nicht vorstellen.

Bäcker dürfen trotz Reform nicht länger öffnen

Trotz der geplanten Reform fallen auch Bäckereien weiterhin unter das Ladenschlussgesetz. Das heißt: Die Handwerker dürfen länger Semmeln und Brezn backen, aber in Bayern trotzdem nur drei Stunden verkaufen. Das Ladenschlussgesetz ist Ländersache. Für Verbraucher dürfte das Zeitfenster, um am Sonntag zum Bäcker zu spazieren, nicht größer werden.

Das Schlupfloch, das bisher schon viele nutzen: Die Bäckereien, die zugleich ein Café sind, fallen unter die lockereren Vorgaben des Gaststättengesetzes.

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  • FRUSTI13 vor einer Stunde / Bewertung:

    Mehr Auswahl, bequemeres shoppen im online Handel, machen auch längere Öffnungszeiten nicht wett! Und die größte Konkurrenz des Einzelhandels ist nun mal der online Handel!

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