Gegenwind für Markus Söder: Debatte um Kreuze in Behörden reißt nicht ab - Mehrheit dagegen

Markus Söder und das Kreuz: Auch mehrere Tage nach dem umstrittenen Kabinettsbeschluss für Kruzifixe in bayerischen Landesbehörden reißt die Kritik daran nicht ab. Selbst Kirchenvertreter gehen auf Distanz. Auch unter den Bürgern halten nicht viele etwas von der Idee.  
| dpa
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Der Pressetermin am Dienstag hat eingeschlagen wie eine Bombe: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hängte eigenhändig ein Kreuz ins Foyer der Staatskanzlei.
Peter Kneffel/dpa Der Pressetermin am Dienstag hat eingeschlagen wie eine Bombe: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hängte eigenhändig ein Kreuz ins Foyer der Staatskanzlei.

Markus Söder und das Kreuz: Auch mehrere Tage nach dem umstrittenen Kabinettsbeschluss für Kruzifixe in bayerischen Landesbehörden reißt die Kritik daran nicht ab. Selbst Kirchenvertreter gehen auf Distanz. Auch unter den Bürgern halten nicht viele etwas von der Idee.

München - Im Streit um Kreuze in bayerischen Landesbehörden gibt es weiter Kritik am Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Politiker mehrerer Parteien wandten sich am Wochenende vehement gegen das Vorhaben. Auch aus der Kirche kamen kritische Worte und eine bundesweite Umfrage zeigt, dass die Menschen mehrheitlich gegen die Idee verpflichtender Kreuze in Behörden sind.

Fast zwei Drittel der Bundesbürger (64 Prozent) lehnen die Idee ab, dafür sind lediglich 29 Prozent, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die Bild am Sonntag ergab. Sieben Prozent waren sich unsicher oder machten keine Angabe. Auch unter Katholiken und Protestanten überwiegt die Ablehnung - bei Katholiken sind dies 48 Prozent, bei Protestanten sogar 62 Prozent. Befragte anderer Konfessionen und Konfessionslose lehnen Kreuze in staatlichen Behörden mit großer Mehrheit ab - 87 Prozent der Befragten waren dagegen, nur 12 Prozent stimmten zu.

Christian Lindner vs. Markus Söder

Auf Initiative Söders hatte das bayerische Kabinett am vergangenen Dienstag beschlossen, dass in allen Behördengebäuden unter der Verwaltung des Freistaats im Eingang ein Kreuz angebracht werden soll. Für ihn sei das Kreuz "in erster Linie ein religiöses Symbol", es gehöre "aber auch zu den Grundfesten des Staates", sagte Söder in der ARD. Es habe eine "identitätsstiftende, prägende Wirkung für unsere Gesellschaft".

Der politische Streit darüber ging unterdessen auch am Wochenende weiter. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner warf Söder eine "Profanisierung" des christlichen Symbols vor. Söder habe das Kreuz zu einem Symbol der Kultur des Staates erklärt und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt, sagte Lindner der Passauer Neuen Presse. "Gläubige Christen muss es empören, dass er aus ihrem Symbol ein Symbol des Staates macht."

Der ehemalige Bundestagspräsident und SPD-Politiker Wolfgang Thierse, sagte am Samstag im Inforadio des rbb, das Kreuz als das zentrale Symbol christlichen Glaubens dürfe nicht Gegenstand staatlicher Verordnung werden. Er verstehe zwar, dass Söder das Kreuz als Zeichen der Identität sehen wolle. Dies rechtfertige aber nicht, es in den Zusammenhang eines Wahlkampfes zu rücken. "Der Staat des Grundgesetzes ist weltanschaulich religiös neutral, dass heißt er ist offen für alle Bekenntnisse", sagte Thierse, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist.

Bischof: "Das Kreuz ist kein Symbol für Bayern und erst recht kein Wahlkampflogo"

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne) reagierte mit scharfer Kritik. Söder instrumentalisiere nicht nur eine Religion, sondern grenze auch Millionen Menschen aus - ""Muslime, Atheisten, Juden", sagte Roth den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Söder missbrauche das Kreuz für seinen Wahlkampf und vermische bewusst Religion und Politik. "Das finde ich in hohem Maße unchristlich, unanständig sowieso", betonte Roth.

In der Bild-Zeitung attackierte der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof den Beschluss des bayerischen Kabinetts. Es mache ihn fassungslos, dass Söder mehrere Tage gebraucht habe um einzuräumen, dass das Kreuz ein religiöses Symbol sei, schrieb Bischof in der Zeitung. "Viel wichtiger scheint Markus Söder die "bayerische Identität" zu sein, was auch immer das sein soll. Das Kreuz ist aber kein Symbol für Bayern und erst recht kein Wahlkampflogo."

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