Gedenkfeier: Söder warnt vor Unterschätzung der Rechten

Nach dem menschenverachtenden Terrorregime der Nationalsozialisten gab es ein Versprechen: «Nie wieder!». Doch sind wir wirklich davor gefeit? Politiker raten zur Vorsicht.
| dpa
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Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, legt einen Kranz am Mahnmal nieder. Foto: Sven Hoppe/dpa
dpa Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, legt einen Kranz am Mahnmal nieder. Foto: Sven Hoppe/dpa

Dachau (dpa/lby) - Beim Gedenken an die Befreiung des Dachauer Konzentrationslagers vor 75 Jahren hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefordert, frühzeitig gegen rechtsextreme Tendenzen einzutreten. Das Grauen des Nationalsozialismus habe mit vielen kleinen Schritten begonnen. "Es vollzog sich ganz leise und dann später mit einem großen Schlag, nur weil viele es unterschätzt und nicht wahrgenommen haben und weil viele der Meinung waren, so schlimm wird es schon nicht sein", sagte Söder am Mittwoch. Dachau sei eine Mahnung zum Einsatz gegen Hass, Fanatismus und Antisemitismus.

Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) legte in der Dachauer KZ-Gedenkstätte einen Kranz nieder und erinnerte an die Forderung "Nie wieder!", in der es darum geht, dass sich Verbrechen wie die der Nazis nicht wiederholen dürfen. "Wir haben das Versprechen "Nie wieder!" nicht halten können", sagte Aigner. "Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus - Verachtung in vielerlei Formen treten öfter und offener zutage."

Von zunehmendem Antisemitismus hatte im Vorfeld schon die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, berichtet. "Man ist natürlich aufgrund der ganzen Situation ein bisschen besorgter, als noch vor zehn Jahren. Daran ist auch die AfD schuld, die AfD bricht Tabus", hatte sie der Deutschen Presse-Agentur gesagt. "Ich bin manchmal über die vornehme Zurückhaltung, die ich bei AfD-Exzessen feststellen muss, sehr überrascht. Die Demokratie hat viele Freiheiten, aber die Freiheiten haben auch Grenzen und die müssen deutlich gezeigt werden."

Eigentlich war in Dachau am Sonntag eine Gedenkfeier mit ehemaligen Häftlingen, ihren Familien und Befreiern geplant, sie wurde aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Stattdessen soll sie nun laut Söder nächstes Jahr nachgeholt werden. Allerdings gibt es nur noch wenige Zeitzeugen, da viele bereits gestorben sind. Ihr Vermächtnis bleibe aber, erklärte Ernst Grube, Präsident der Lagergemeinschaft Dachau. "Jetzt sind es die Kinder und Enkel, die das weiterführen. Es sind nicht sehr viele - aber immerhin."

Soldaten der 7. US-Armee hatten das Lager am 29. April 1945 befreit. Rund 32 000 Menschen waren damals dort inhaftiert. Neben entkräfteten und ausgezehrten Häftlingen fanden die Soldaten auch viele Tote.

Dachau war das erste dauerhafte Lager und wurde im März 1933 in Betrieb genommen. Es galt als Modell für spätere Konzentrationslager. SS-Soldaten wurden dort auf das Töten vorbereitet. Bis 1945 saßen hier mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa in Haft, darunter Kommunisten, Sozialdemokraten, Priester, Juden, Roma und Sinti sowie Homosexuelle. Der Widerstandskämpfer Georg Elser, dessen Attentat auf Adolf Hitler gescheitert war, wurde noch am 9. April 1945 in Dachau erschossen. Insgesamt starben im Lager nach Einschätzung von Historikern rund 41 500 Menschen.

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