Finanzexperte: Neue EU-Börsenaufsicht als Lehre aus Wirecard

Eine neue gemeinsame EU-Börsenaufsicht muss nach Ansicht des Frankfurter Finanzmarktexperten Jan Pieter Krahnen die Konsequenz aus dem Wirecard-Bilanzskandal sein. Der Betrugsfall und die darauffolgende Insolvenz des Dax-Konzerns habe "grundlegende organisatorische Defizite" in der Aufsicht offenbart, schreibt der Ökonom in einem Gastbeitrag für die "Börsen-Zeitung" (Freitag).
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Der Schriftzug von Wirecard ist an der Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters zu sehen. Foto: Sven Hoppe/dpa
dpa Der Schriftzug von Wirecard ist an der Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters zu sehen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Frankfurt/Main - Eine neue gemeinsame EU-Börsenaufsicht muss nach Ansicht des Frankfurter Finanzmarktexperten Jan Pieter Krahnen die Konsequenz aus dem Wirecard-Bilanzskandal sein. Der Betrugsfall und die darauffolgende Insolvenz des Dax-Konzerns habe "grundlegende organisatorische Defizite" in der Aufsicht offenbart, schreibt der Ökonom in einem Gastbeitrag für die "Börsen-Zeitung" (Freitag).

Die Lehre müsse sein, ähnlich wie für die Bankenaufsicht ("Single Supervisory Mechanism"/SSM) einen über den einzelnen nationalen Aufsichten stehenden "European Single Market Supervisor" (ESMS) zu schaffen, folgerte Krahnen. Der Wissenschaftler hat intensiv zur Finanzmarktkrise 2008/2009 geforscht und war beziehungsweise ist Mitglied diverser Expertenkommissionen zu neuen Regulierungen.

Nach Krahnens Ansicht könnte eine übergeordnete europäische Aufsicht wie die US-Börsenaufsicht SEC "mit starken Durchgriffsrechten" ausgestattet werden. "Ein ESMS wird in jedem Land, an jeder Börse, bei jeder alternativen Handelsplattform und bei den Wertpapiergeschäften der Banken (...) dafür sorgen, dass nach einheitlichen Regeln gespielt wird", erklärte der Direktor des Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt.

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab - an Ladenkassen wie online. Das Unternehmen mit Sitz in Aschheim bei München hatte eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro, die Wirecard auf Treuhänderkonten verbucht hatte, sehr wahrscheinlich nicht existieren. Der Zahlungsdienstleister hat Insolvenz angemeldet.

Der Fall hatte Kritik an der Rolle der Finanzaufsicht Bafin hervorgerufen. Formal war die Bafin nur für die Wirecard Bank AG zuständig - der Gesamtkonzern Wirecard war als Technologieunternehmen eingestuft. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat inzwischen einen Umbau der Bafin angekündigt. Die Behörde brauche "die Möglichkeit, jederzeit Sonderprüfungen in großem Umfang durchführen zu können", sagte Scholz. Zudem will er der Bafin "mehr Durchgriffsrechte bei der Kontrolle von Bilanzen geben, unabhängig davon, ob der Konzern eine Banksparte hat oder nicht".

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