"Es kamen keine Leute" - Einzelhändler litten unter G7-Gipfel

Für die Einzelhändler in Garmisch-Partenkirchen haben sich die Befürchtungen bestätigt: Der G7-Gipfel ist ein Draufzahlgeschäft. Die Umsatzeinbußen liegen laut einer örtlichen Branchenumfrage zwischen 30 und 50 Prozent. Nur das Gastgewerbe scheint zu profitieren.
| dpa
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Szene aus Garmisch: Der Besitzer eines Trachtenladens bringt Schutzbretter vor seinem Geschäft an - Kunden kamen an diesem Wochenende ohnehin keine.
dpa Szene aus Garmisch: Der Besitzer eines Trachtenladens bringt Schutzbretter vor seinem Geschäft an - Kunden kamen an diesem Wochenende ohnehin keine.

Garmisch-Partenkirchen - Der G7-Gipfel hinterlässt in der Ferienregion Garmisch-Partenkirchen Gewinner und Verlierer. Gewinner dürfte das Gastgewerbe sein, als Verlierer sieht sich der Einzelhandel.

Michaela Nelhiebel sieht die Befürchtungen bestätigt: "Es kamen keine Leute in unsere Geschäfte." Die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum berichtet, der Freitag habe noch einigermaßen Kundenzulauf gebracht, "aber der Montag war eine Katastrophe". Denn die vielen Tausend Polizisten, Regierungsbeamten und Journalisten hatten keine Zeit zum Shoppen, sie mussten arbeiten.

Auch schon in den fünf Wochen vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs von sieben wichtigen Industrienationen im nahen Schloss Elmau kauften in den Läden deutlich weniger Kunden ein. Nach einer Umfrage unter den 120 Mitgliedern der Werbegemeinschaft betrugen die Umsatzeinbußen zwischen 30 und 50 Prozent, wie Nelhiebel weiß. "Und das, obwohl wir zwei Wochen Pfingstferien hatten."

Alle News zum G7-Gipfel finden Sie hier im AZ-Newsblog

Etliche Einzelhändler sperrten ihre Geschäfte nach dem Feiertag Fronleichnam am Freitag erst gar nicht auf, obwohl solche Brückentage vor einem Wochenende als umsatzstark bekannt sind. Auch am Montag blieben viele Läden und sogar Bankfilialen zu.

Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer (SPD) hatte sich darum bemüht, dass die Ladeninhaber ihre Geschäfte in den Tagen vor und während des G7-Gipfels offenlassen. "Das ist mir nicht gelungen", räumt die Rathauschefin ein. Das bayerische Wirtschaftsministerium habe aber als Marketingmaßnahme bis zu 60 000 Euro zugesagt. "Wir sind im Gespräch, wie das Geld verteilt wird."

Auch die Taxifahrer klagen über einen deutlichen Rückgang ihres Geschäfts. "Es ist ja seit Wochen kein Durchkommen mehr auf den Straßen", schimpft Josef Schandl aus Mittenwald. "Die Polizeiautos verstopfen alles." Der Taxiunternehmer ist nicht gut auf die Uniformierten zu sprechen. "Sie setzen keine Blinker, bremsen abrupt und sind überhaupt sehr unfreundlich." Auf die Frage, wie er eine Dialyse-Patientin auf der zeitweise gesperrten Bundesstraße 2 von Mittenwald nach Garmisch-Partenkirchen bringen soll, habe er keine vernünftige Antwort erhalten.

Eine erste positive Bilanz zieht hingegen das Gastgewerbe. "Es liegen zwar noch keine konkreten Ergebnisse vor, aber ich bin überzeugt, dass wir wesentlich höhere Belegungszahlen haben werden", sagt Jutta Griess vom Hotel- und Gaststättenverband. "Unsere Häuser sind ausgebucht." Es habe nur wenige Stornierungen gegeben.

Bürgermeisterin Meierhofer erwartet vom Gipfel einen Marketingerfolg für ihren Ort. Schließlich habe es bisher nur schöne Bilder aus der Region gegeben, die Demonstrationen seien weitgehend friedlich verlaufen. "Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, dass uns der Gipfel etwas bringen wird."

Der Tourismuschef pflichtet ihr bei. "Es gehen wunderbare Bilder um die Welt", freut sich Peter Ries. "Auf den ersten Blick ist alles gut gelaufen." Nach dem Gipfel müsse man sich zusammensetzen und die nötigen Schlüsse ziehen. "Es muss uns gelingen, dass all diejenigen, die jetzt wegen des Gipfels zum Arbeiten hier waren, als Urlauber wiederkommen."

Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), der am Sonntag beim Weißwurstfrühstück neben dem US-Präsidenten Barack Obama saß, kommt auch am Tag danach aus dem Schwärmen nicht heraus: "Wetter gut, Leute gut, ein bleibendes Erlebnis für viele im Ort." Es gebe bereits erste Rückmeldungen, dass die schönen Bilder mit Obama inmitten der Einheimischen Lust auf Urlaub im Karwendelgebiet machten. "Der Bekanntheitsgrad steigt", ist sich der Rathauschef sicher. "Aber wir müssen schon dranbleiben", warnt er: "Bekanntheit allein füllt keine Betten."

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