Er gründete "Hans im Glück" und "Sausalitos": Münchner Gastro-Legende startet neues Projekt am Tegensee

Die ersten warmen Sonnenstrahlen haben in den letzten Wochen Bayern erreicht und sollen bald wieder zurückkehren. Die kurzen, wärmenden Stunden lassen Erinnerungen an vergangene Sommertage aufleben. Ein Eis an der Seepromenade, ein Spritz auf der Café-Terrasse oder einfach nur entspannt im Liegestuhl den lauen Abend ausklingen lassen.
Am Tegernsee gibt es bald eine Möglichkeit mehr, die warmen Sonnenstunden zu genießen – dank fünf Erfolgs-Männern aus drei unterschiedlichen Berufssparten.
Bürgermeister, Immo-Firma und bekannte Gastronomen für die Promenade
An erster Stelle ist da der Bürgermeister von Bad Wiessee, Robert Kühn (SPD): Ende Februar, nach einer Gemeinderatssitzung, grübelte er über die Neugestaltung der Seepromenade. Offenbar gibt es Kritik an ihm und dem Gemeinderat: Der Bürgermeister schreibt in einer Mitteilung selbst vom "Vorwurf des Schlafens". Kühn sieht das Problem zwar, aber die Schuld nicht bei sich: "Natürlich ärgere ich mich auch, wenn die Dinge länger dauern, weil sich Genehmigungsverfahren ziehen oder Planungen gegenseitig bedingen."

Das Promenaden-Umstyling braucht also seine Zeit. Doch so lange möchte der Bürgermeister nicht warten – vielleicht auch, um weiteren kritischen Stimmen zu entgehen. Also hat er eine Idee: die Terrasse des Hotels Seegarten "zwischenbeleben".
"Sind im Satzungsprozess für einen Bebauungsplan"
Das Hotel wurde vor etwa fünf Jahren von einer Tochtergesellschaft der Immobiliengesellschaft Rock Capital Group gekauft, bestätigt Andreas Wißmeier, der das Projekt betreut, der AZ. Die Grünwalder Firma will das Hotel abreißen und durch ein neues, moderneres ersetzen. Warum das noch nicht passiert ist? Die Genehmigung für das Baurecht fehle noch, sagt Wißmeier. Doch es gehe voran, meint er: "Wir sind mittlerweile im Satzungsprozess für einen Bebauungsplan."
Bis mit Abriss und Neubau aber tatsächlich begonnen werden kann, wird es noch eine Weile dauern – genau hier kommt die Idee des Bürgermeisters ins Spiel: Er will die Terrasse des verlassenen Hotels bis zur Neugestaltung – genau: neugestalten.
Früher wurden hier Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht
Bei Rock Capital stieß sein Vorschlag auf offene Ohren. Zwar steht das Hotel seit einigen Jahren leer, doch für zwei Zwischenlösungen wurde es bereits genutzt: Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine fanden Geflüchtete dort vorübergehend Unterkunft, zu einem anderen Zeitpunkt wohnten Mitarbeiter eines nahe gelegenen Hotels, das ebenfalls Rock Capital gehört, in dem Gebäude.
Die Idee, die Terrasse über den Sommer und möglicherweise auch im übernächsten Jahr nutzbar zu machen, kam beim Unternehmen gut an. Andreas Wißmeier setzte sich sogleich mit einem der erfolgreichsten deutschen Gastronomen in Verbindung, Thomas Hirschberger (der auch abseits der Gastronomie von sich reden machte, als es Wirbel um eine mögliche Kandidatur für die Präsidentschaft von 1860 München gab). Und der hatte sofort eine Vision: "ein bisschen Südsee in Oberbayern" und "Bali-Feeling" an der Bad Wiesseer Promenade.

Gründer von "Hans im Glück" und "Sausalitos" hat eine Vision
Der Münchner, Mitglied bei den Sechzgern und aktiv bei den Unternehmern für Sechzig, gilt als Gründer der bekannten Burgerkette "Hans im Glück" und der Tex-Mex-Kette "Sausalitos". Beide System-Gastronomien hat er mittlerweile verkauft. Doch zurückgezogen aus seiner Kernbranche hat er sich nicht. So eröffnete er 2024 etwa mit zwei Brüdern eine weitere System-Gastro: "Superschmarrn". Die beiden Brüder werden auch diejenigen sein, die das Kurzzeit-Sommer-Projekt am Tegernsee umsetzen sollen.
Patrick Düwel ist einer von ihnen. Er klingt am Telefon etwas gestresst, als die AZ ihn erreicht. Er sei in Stuttgart, dort eröffne gerade eine weitere "Superschmarrn"-Filiale, erzählt er.

Neugestaltung "mehr oder weniger Über-Nacht-Aktion"
Zeit für ein Pop-Up-Projekt in Bad Wiessee scheinen die beiden aber dennoch zu haben, auch wenn das alles "mehr oder weniger eine Über-Nacht-Aktion" war, wie Patrick Düwel sagt. Fertig seien sie zwar noch nicht, aber ein bisserl was kann er schon verraten. Es soll eine Sandbar geben, Liegestühle und ein Sportangebot. Darunter einen Volleyballplatz und auch Tennis seien im Gespräch.
Lange wollen die Brüder mit der Eröffnung nicht mehr warten. Noch im März soll ihr Bayern-Bali eröffnen. "Aber dafür müsste erst einmal die Sonne rauskommen", meint Patrick Düwel pragmatisch. Das stimmt, doch sicher ist auch: Die nächsten warmen Sommerstunden werden kommen und Spaziergänger, Sonnenbader und Spritz-Trinker ans Seeufer treiben – vielleicht direkt auf die wiederbelebte Terrasse des alten Hotels.
