Eine Woche nach der großen Panne: Am Flughafen München versucht man sich in einer Erklärung

Stundenlang sitzen 600 Passagiere nachts in Flugzeugen fest, weil am Flughafen München Busse, Koordination und Krisenmanagement versagen. Flughafen und Lufthansa suchen Erklärungen und geloben Besserung. Es bleiben aber weiter Fragezeichen.
von  Ralf Müller, Ralf Müller
Eine Lufthansa-Maschine steht am Flughafen München, wo Hunderte Passagiere wegen fehlender Busse stundenlang in ihren Flugzeugen ausharren mussten.
Eine Lufthansa-Maschine steht am Flughafen München, wo Hunderte Passagiere wegen fehlender Busse stundenlang in ihren Flugzeugen ausharren mussten. © Sven Hoppe/dpa

In der Nacht auf den 21. Februar passierte auf dem zweitgrößten deutschen Flughafen etwas, was die Luftfahrt-Welt in Staunen versetzte: Etwa 600 Passagiere mussten die ganze Nacht in fünf Flugzeugen verbringen, die auf Parkpositionen des Rollfelds standen, weil es nicht gelang, sie mit Bussen ins Terminal zu bringen.

Eine Woche brauchten Flughafen München GmbH (FMG) und Lufthansa, bis sie am Freitag in einer Pressekonferenz zu dem Geschehen Stellung nahmen.

Für den operative FMG-Geschäftsführer Thomas Hoff Andersson und den Hubmanager der Lufthansa Heiko Reitz wurde es eine Art Canossa-Gang.

Thomas Hoff Andersson (l.), Geschäftsführer Aviation & Operation der Flughafen München GmbH, und Heiko Reitz, Lufthansa-Hub-Manager, bei der Pressekonferenz.
Thomas Hoff Andersson (l.), Geschäftsführer Aviation & Operation der Flughafen München GmbH, und Heiko Reitz, Lufthansa-Hub-Manager, bei der Pressekonferenz. © Malin Wunderlich/dpa

Mehr als ein Dutzend Mal entschuldigten sich die beiden Luftfahrt-Manager für die Mega-Panne und versicherten, dass so etwas "nicht der Anspruch" von Airline und Flughafen sei und man "verstanden" habe.

"Keine einzelne Ursache"

Andersson und Reitz versuchten, das Unerklärliche zu erklären. Der ungewöhnlich starke Schneefall mit langwierigen Einzelenteisungen der Maschinen habe dazu geführt, dass drei Maschinen der Lufthansa und zwei der Tochtergesellschaft Air Dolomiti vor dem um 24 Uhr einsetzenden Nachtflugverbot nicht mehr in die Luft gebracht werden konnten, erläuterte Reitz. Diese Maschinen seien auf Parkpositionen auf dem Rollfeld zurückgekehrt.

Ein Passagierflugzeug im Landeanflug auf den Flughafen München: Nach der nächtlichen Panne mit hunderten festsitzenden Fluggästen geloben Airport und Lufthansa Besserung.
Ein Passagierflugzeug im Landeanflug auf den Flughafen München: Nach der nächtlichen Panne mit hunderten festsitzenden Fluggästen geloben Airport und Lufthansa Besserung. © imago/Robert Gongoll

Dann setzte das Fiasko ein, für das es "keine einzelne Ursache" gegeben habe, schilderte der Lufthansa-Manager. Es standen zu dieser Zeit keine Busfahrer mehr zur Verfügung, welche die Passagiere vom Rollfeld ins Terminal hätten transportieren können. Es sei wohl "nicht richtig disponiert" worden.

Ein weiterer kapitaler Fehler: Die Organisation des Flughafens habe nicht "eskaliert", also zum Beispiel Rettungsdienste oder Feuerwehr zu Hilfe gerufen.

Die Flughafenfeuerwehr hätte eigene Busse

49 Angehörige der Flughafenfeuerwehr waren auf dem Airport anwesend, die auch über eigene Busse verfügen. Warum sie nicht angefordert wurden, bleibt weiterhin ein Rätsel, vor allem auch der Feuerwehr: "Uns allen fehlen Informationen, weshalb die Flughafenfeuerwehr nicht zum Einsatz kam", sagte ein Sprecher des Berufsfeuerwehrverbands.

Ein Airbus A350-900, davor ist ein Löschfahrzeug der Flughafenfeuerwehr zu sehen (Symbolbild).
Ein Airbus A350-900, davor ist ein Löschfahrzeug der Flughafenfeuerwehr zu sehen (Symbolbild). © Matthias Balk/dpa

Auch die zuständige Bundespolizei wurde von der Zwangsübernachtung wohl aus den Maschinen heraus informiert. Warum auch sie nichts unternahm, blieb bislang ungeklärt.

Der Verdacht liegt nahe, dass verschiedene Stellen am Airport, der immerhin 37.000 Personen beschäftigt, einfach nicht miteinander kooperiert haben. Die Flughafengesellschaft will daraus Konsequenzen ziehen und ein "gemeinsames Operation Center" schaffen. Das werde allerdings "noch etwas dauern", sagte Andersson.

Neue Regeln sollen für bessere Abläufe sorgen

Aber schon vorher werde man die Personalkapazitäten für die Nachtstunden überprüfen und die Leitstellen für die verschiedenen Operationsbereiche besser miteinander verzahnen. Eingeführt würden klare Regeln, wann besondere Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Passagiere am Flughafen in München.
Passagiere am Flughafen in München. © imago

Immerhin sei die Sicherheit in dieser Nacht zu keiner Zeit beeinträchtigt gewesen, beruhigten sich die Flughafen-Manager selbst. In den Flugzeugen habe es "zumindest Getränke" gegeben. Kritische Situationen in den Maschinen seien nicht bekannt. Die Lufthansa hat allen ihr bekannten betroffenen Passagieren eine Entschädigung angeboten. Die anderen Fluggäste, die über Reisebüros gebucht hatten, ermunterte Reitz, sich zu melden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Münchner Flughafen Negativ-Schlagzeilen gemacht. Am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) hatten sich riesige Menschenschlangen an den Personenkontrollen gebildet. Zahlreiche Passagiere verpassten ihren Flug.

Der Münchner Flughafen gilt eigentlich als ausgezeichnet

Als Reaktion darauf warb die FMG den BER-erprobten Krisen-Manager Thomas Hoff Andersson aus Berlin ab, der sich jetzt für die neuerliche Panne "von Herzen" entschuldigen musste. Grüne und SPD im bayerischen Landtag wollen die Zwangsübernachtungen auch noch zum Thema im Landesparlament machen.

Der Münchner Flughafen erhielt bisher zahlreiche internationale Auszeichnungen. So wurde er erst im vergangenen Dezember als "Airport of the Year" ausgezeichnet. Bei den "Skytrax World Airport Awards" belegte München wiederholt den ersten Platz in Zentraleuropa und schaffte es als einziger deutscher Flughafen in die globalen Top 10.

Der Franz-Josef-Strauß-Airport ist ferner der einzige Flughafen in Deutschland, der die Zertifizierung als "5-Star-Airport" erhält. 2024 wurde ihm außerdem die Auszeichnung "Best Airport Staff in Europe" zuerkannt.

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