Ein Willi wie wir alle

In seinem Monolog „Schiedsrichter Fertig“ lässt Thomas Brussig einen Schiri über den Fußball und das Leben reden. Nürnbergs „Faust“ Thomas Klenk spielt den Unparteiischen in der Uraufführung.
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Tanz mit mir den Fußball-Tango: Thomas Klenk spielt den Schiedsrichter Uwe Fertig in der Uraufführung von Thomas Brussigs „Schiedsrichter Fertig“ morgen im KaLi.
Marion Bührle Tanz mit mir den Fußball-Tango: Thomas Klenk spielt den Schiedsrichter Uwe Fertig in der Uraufführung von Thomas Brussigs „Schiedsrichter Fertig“ morgen im KaLi.

NÜRNBERG - In seinem Monolog „Schiedsrichter Fertig“ lässt Thomas Brussig einen Schiri über den Fußball und das Leben reden. Nürnbergs „Faust“ Thomas Klenk spielt den Unparteiischen in der Uraufführung.

Ein Schiedsrichter hat’s schwer: Nie wird seine Leistung gewürdigt, alle starren nur auf seine Fehler. In „Schiedsrichter Fertig“ lässt Erfolgsautor Thomas Brussig („Helden wie wir“) den Schiri Uwe Fertig über seinen frustrierenden Zweitjob und das Leben räsonieren. Das Nürnberger Schauspiel schickt für die morgige Uraufführung (19.30 Uhr) Thomas Klenk auf die Bühne des KaLi.

AZ: Herr Klenk, sind Sie Fußballfan?

THOMAS KLENK: Das gehört doch dazu. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und als Kind zu Borussia-Spielen gegangen, habe auch selbst in der B-Jugend gespielt, bis die Brille dazwischen kam. Seit ich in Nürnberg wohne, bin ich ein regelmäßiger Clubgänger — da sieht’s gerade bescheiden aus.

Macht es einen Unterschied, Johann Wolfgang von Goethe „Faust“ zu spielen oder einen Schiri?

Natürlich unterscheidet sich die Rolle vom Faust sehr, vor allem in der Form: Einen Monolog zu spielen ist viel anstrengender als durch ein Ensemble abgesichert zu sein.

Kam der Text zu ihnen oder Sie zum Text?

Es war so: Kurz nach Nürnbergs Pokalsieg kam das Buch auf den Markt. Da lud Hans Meyer mich ein, bei einem Trainingscamp Auszüge daraus zu lesen. Auch der Schiedsrichter Peter Gagelmann war dabei, und anders als die Spieler war er sehr hellhörig und beeindruckt. Das hat gezeigt: Hier geht es um was. Als das Theater sich dann um die Uraufführung bemühte, lag es nahe, auf mich zurückzugreifen: Ich war ja schon eingearbeitet.

Mit der Dramaturgin Maren Zimmermann, Lebensgefährtin von Trainer Hans Meyer, steht Ihnen eine doppelt beschlagene Fachfrau zur Seite.

Natürlich hat es geholfen, dass Maren Zimmermann das Umfeld kennt. Allerdings haben Regisseur Alexander Schilling und ich uns die ersten vier Wochen zu zweit auf den Text gestürzt. Zunächst ist Uwe Fertig ja ein Mensch. Um das Hintergrundwissen, die Regeln und Chiffren, die damit zu tun haben, kommt man trotzdem nicht herum.

Sollten also Menschen, die keine Ahnung vom Fußball haben, zu Hause bleiben?

Nein, denn Fertig ist zwar ein enorm erfolgreicher Schiedsrichter; wir glauben, dass er in der FIFA pfeift und deshalb unter einem enormen Druck steht. Zugleich ist er ein ganz normaler Willi wie wir alle, der sich am Leben und Schicksal abmüht. Das macht den Abend so spannend.

Verstehen Sie seine Wut?

Er hat sogar oft recht! Faszinierend finde ich die Aktualität des Stückes: Schiri-Entscheidungen werden vehement angezweifelt, ein Runder Tisch wird einberufen. Man kann sich kaum vorstellen, unter welchem Druck ein Schiedsrichter steht. Es geht um Zentimeter, da kann man nicht alles sehen. Über richtige Entscheidungen wird nie geschrieben, nur über falsche.

Das klingt fast nach einem Schauspielerschicksal.

Es gibt tatsächlich Parallelen. Auch wenn bei uns oft nur 500 Zuschauer dabei sind, konzentrieren die sich nur auf dich. Im Stück heißt es an einer Stelle: „Um mich herum rast alles, ich gehe da raus und behalte die Nerven.“

Mit Dezibel-Werten und Aggressionen wie im Stadion hat man als Schauspieler doch selten zu kämpfen.

Auch im Theater passieren verheerende Sachen: Als ich in Hannover engagiert war, mussten wir eine „Minna von Barnhelm“ abbrechen, weil eine Schülerin aus dem Rang gestürzt ist — sie hatte sich vor der Vorstellung zulaufen lassen.Interview: Georg Kasch

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