Dschihad-Mutter aus Nürnberg steht vor Gericht

Die vierfache Mutter Dana Maria L. (40) aus Nürnberg rühmt sich sogar damit, dass ihre Tochter in Syrien angeschossen wurde. Jetzt steht sie vor Gericht.
| Helmut Reister
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Nun muss ein Gericht ein Urteil fällen. (Symbolbild)
dpa Nun muss ein Gericht ein Urteil fällen. (Symbolbild)

Nürnberg - Ein Prozess wegen Kindesentzugs. Dahinter könnte ein für Gerichte alltägliches Familiendrama stecken. Doch der Fall, der ab Donnerstag in Nürnberg verhandelt wird, ist bizarr – und alles andere als gewöhnlich. Angeklagt ist Dana Maria L. (40), bestätigte Justizsprecher Friedrich Weitner auf AZ-Anfrage. Den Ermittlungen zufolge brach die in Dresden geborene und zuletzt mit ihrem Mann in Nürnberg lebende Frau vor zwei Jahren in einer Nacht- und Nebelaktion in Richtung Syrien auf – mit ihren Kindern.

Obwohl sie sich mit ihrem inzwischen geschiedenen Ehemann das Sorgerecht teilt, reiste die heute 40-Jährige mit allen vier Kindern zunächst in die Türkei aus. Ohne Vorankündigung.

In Syrien, wie die Ermittler herausfanden, zog sie an der Seite des IS und der Terroristen der al-Nusra-Front in den Krieg gegen die "Ungläubigen" – ihre Kinder stets im Schlepptau. Auch bei Kämpfen? Zu den Beweismitteln, die sichergestellt werden konnten, gehört ein Videoauftritt von Dana Maria L., der über eine arabische Internet-Plattform verbreitet wurde. Darin rühmt sie sich ihrer Teilnahme an kämpferischen Auseinandersetzungen.

Die brisanten Videos sind im Verfahren besonders wichtig

Für ihren Einsatz nahm sie offenbar auch Verletzungen ihrer Kinder in Kauf. Ihre älteste Tochter, klagt sie in der Videoaufzeichnung, sei von einer Kugel am Arm getroffen worden.

Diese Sequenzen, die einen Hinweis auf das Gefahrenpotenzial liefern könnten, dem die Kinder ausgesetzt waren, spielen rechtlich gleich in zweifacher Hinsicht eine Rolle. "Sie haben bei einer Verurteilung Auswirkungen auf die Höhe der Strafe, da sich bei einem hohen Gefährdungspotenzial auch der Strafrahmen verschieben kann", sagt Justizsprecher Weitner.

Interessant ist die Aufzeichnung auch für die Bundesanwaltschaft. Wie Anita Traud, die Sprecherin der Nürnberger Staatsanwaltschaft bestätigt, wurde ein Teil des Verfahrens nach Karlsruhe abgegeben. Der Grund: Im Zuge der Ermittlungen hätten sich Verdachtsmomente für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ergeben. Das könnte der Mutter, die die Vorwürfe bestreitet, ein weiteres Strafverfahren einhandeln.

Ihre Festnahme auf dem Frankfurter Flughafen im November letzten Jahres hatte mit ihrem mutmaßlichen Terror-Einsatz im Nahen Osten allerdings gar nichts zu tun. Auf diese Abläufe stießen die Ermittler erst bei ihren Vernehmungen.

Hinter Gittern landete Dana Maria L., weil ein Haftbefehl des Nürnberger Amtsgerichts gegen sie bestand. Der war ausgestellt worden, weil sie mehrere Rechnungen nicht bezahlt hatte und dann plötzlich spurlos verschwunden war. Die vier Kinder sollen mittlerweile bei ihrem Vater in Afrika leben.

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