Dobrindt verspricht Lärmschutz fürs Inntal

Im Inntal rumort es. Der Grund: Die Zulaufstrecken zum Brenner Basistunnel. Die Bürger fürchten, dass Güterzüge durch ihre Ortschaften rollen.
| Rosemarie Vielreicher
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Der Zugang zum Brenner Basistunnel in Mauls
dpa Der Zugang zum Brenner Basistunnel in Mauls

Im Inntal rumort es. Der Grund: Die Zulaufstrecken zum Brenner Basistunnel. Die Bürger fürchten, dass Güterzüge durch ihre Ortschaften rollen.

Die Planungen sind noch längst nicht über den Berg: Der Basistunnel unter dem Brenner hindurch auf der Strecke zwischen München nach Italien und vor allem die notwendigen neuen Zubringer-Gleise sorgen im Inntal für ordentlich Zündstoff. Jetzt hat sich der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) persönlich eingeschaltet und die Beteiligten am Freitag zum Gespräch in Flintsbach am Inn gebeten.

Das Problem für das Inntal: Damit der Brenner Basistunnel seinen Zweck erfüllt und den Verkehr zwischen Deutschland, Österreich und Italien beschleunigt, braucht es zusätzliche Zulauf-strecken. Das sind Gleisabschnitte, die an den Tunnel heranführen. Auf bayerischer Seite ist das die Strecke von München über die neue Unterinntaltrasse. Das heißt: Es ist eine zusätzliche Trasse zu den zwei bestehenden Gleisen nötig. Und die sollen durch viele Ortschaften führen, wie etwa Kiefersfelden und Flintsbach. Allein diese Zulaufstrecken sollen Bayern 2,6 Milliarden Euro kosten.

Die Kritikpunkte: Die Inntaler fürchten, dass der Güterverkehr auf den Gleisen zunimmt und der rollt dann lärmend durch ihre Dörfer. Zudem fühlen sich die Bürgermeister und Landräte der betroffenen Kommunen bislang nur dürftig darüber informiert, wie die Trassen verlaufen sollen. Laut der Bahn soll erst 2017 klar sein, wo die beiden neuen Gleise genau durchführen werden.

Die Forderungen: Das Rosenheimer Landratsamt will handfeste Prognosen für das Verkehrsaufkommen. Zudem wollen die Bürgermeister aus dem Inntal einen entsprechenden Lärmschutz in den Ortschaften.

Was Dobrindt dazu sagt: Der hat am Freitag zwei Zauberworte parat, die die Bürger im Inntal besänftigen sollen: Das eine heißt „Flüsterbremsen“ für Güterzüge – die soll es ab 2020 geben – , das andere „Lärmsanierungsgesamtplan“. Umständliches Wort, kurz gesagt: Der Minister verspricht mehr Lärmschutz im Inntal, auch für die bestehende Strecke. Im nächsten Jahr sollen erste Maßnahmen umgesetzt werden. Die Deutsche Bahn lenkt ein: Schon im März soll ein Dialogverfahren beginnen, das mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden abgestimmt wird, teilte die Bahn am Freitag mit. Die DB und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) würden „keinen neuen Strich über die Landkarte ziehen“, versprach die Bahn zur Planung einer neuen Trasse durchs Inntal. Zudem will die an den Zubringern mehr Lärmschutz leisten als vorgeschrieben. Auf der ebenfalls umstrittenen Zulaufstrecke von München bis Rosenheim hat die Bahn ihre Planungen zurückgestellt, hieß es gestern nach dem Treffen.

Was bringt der Brenner Basistunnel den Münchnern? Wenn der Tunnel in Betrieb ist, geht es von München fast in der Hälfte der bisherigen Zeit nach Verona: Laut dem Unternehmen Brennerbasistunnel (BBT SE) dauert die Fahrt dann nur noch drei anstelle von 5,5 Stunden. Für den Personenverkehr ist durch den Tunnel eine Geschwindigkeit von bis zu 250 Kilometer pro Stunde vorgesehen. Der Güterverkehr dagegen soll nur mit bis zu 160 Kilometer pro Stunde unterwegs sein.

Der Brenner Basistunnel: Der Brenner Basistunnel besteht aus zwei Hauptröhren, die jeweils eingleisig befahren werden können. Der Tunnel wird insgesamt 64 Kilometer lang sein und somit laut BBT SE die längste Eisenbahnverbindung unter der Erde weltweit. Der Tunnel wird den Brenner zwischen München und Verona von Innsbruck nördlich der Alpen und Franzenfeste im Süden durchqueren. Insgesamt wird das Projekt rund acht Milliarden Euro kosten. Plus die Kosten für die Zubringer-Strecken.

Wann der Tunnel in Betrieb gehen soll: Die letzte Phase des Haupttunnels läuft bereits seit 2011 und soll 2025 abgeschlossen sein. Allerdings wird gemutmaßt, dass die Inbetriebnahme 2026 nicht eingehalten werden kann. Die österreichische Bahngesellschaft ÖBB bringt das Jahr 2032 ins Spiel.

Mal einen Ausflug zur Baustelle? So geht’s: Bei Aicha-Mauls in Italien und im österreichischen Wolf kann man einen Ausflug zur Tunnelbaustelle machen. In Mauls geht das jeden Freitag um neun Uhr. Kostenpunkt: Acht Euro. Man muss mindestens 14 Jahre alt sein und nicht älter als 75 (Anmeldung im Internet). In Österreich kann man dienstags und donnerstags je um 10 und 13 Uhr zur Baustelle. Hier muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Helm, Stiefel, Staubmaske und mehr bekommen die Besucher vor Ort, heißt es im Netz.

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