Die kleine Schwester der Wiesn: Was Münchner über die Anreise wissen müssen

Das Gäubodenvolksfest in Straubing vom 7. bis 17. August sorgt jedes Jahr für einen absoluten Ausnahmezustand in der Stadt. Heuer kommen massive Bauarbeiten der Bahn dazu. Kein Zug fährt nach Straubing, Gäste müssen mit dem SEV-Bus anreisen. Die AZ ist mitgefahren.
von  Rosemarie Vielreicher
Die Straubinger lieben ihr Gäubodenvolksfest. Die Tradition geht zurück auf das Jahr 1812, damals war es ein Landwirtschaftsfest. Heute ist es das zweitgrößte Volksfest Bayerns. Es dauert in diesem Jahr vom 7. bis 17. August.
Die Straubinger lieben ihr Gäubodenvolksfest. Die Tradition geht zurück auf das Jahr 1812, damals war es ein Landwirtschaftsfest. Heute ist es das zweitgrößte Volksfest Bayerns. Es dauert in diesem Jahr vom 7. bis 17. August. © Armin Weigel/dpa

Das zweitgrößte Volksfest in Bayern zieht jedes Jahr über eine Million Besucher in die Gäuboden-Stadt Straubing. Für die Einheimischen ist die kleine Schwester der Wiesn im August: ein Trumm vom Paradies.

Die Traditionsveranstaltung mit sieben Festzelten ist in diesem Jahr allerdings ein Opfer der Bahn-Bauarbeiten. Sprich: Wer mit der Bahn nach Straubing fahren will, sieht derzeit rot. Beziehungsweise: purpur. Schienenersatzverkehr (SEV) per Bus. Für alle, egal ob aus Richtung München, Landshut, Regensburg, Plattling oder Passau.

Grund ist die Generalsanierung der Bahn in der Region. Statt in Zügen sitzen Passagiere in purpurfarbenen Bussen und gondeln durch Niederbayern. Die AZ ist am Wochenende mitgefahren.

Immerhin: Der Bus fährt pünktlich ab

Grundsätzlich gilt für Münchner: Auch ohne Generalsanierung kommt man aus der Landeshauptstadt nicht direkt nach Straubing. Man muss immer umsteigen. Entweder in Plattling oder in Neufahrn in Niederbayern.

Die Korridorsanierung Nürnberg – Regensburg ist schon abgeschlossen, aktuell läuft die Baumaßnahme zwischen Obertraubling und Passau.

Die AZ-Redakteurin Rosemarie Vielreicher macht sich mit dem SEV-Bus auf nach Straubing.
Die AZ-Redakteurin Rosemarie Vielreicher macht sich mit dem SEV-Bus auf nach Straubing. © privat

Bis Landshut rollt der Zug, dann heißt es in Richtung Neufahrn: SEV-Bus! Der fährt am Samstag um 13.25 Uhr vor dem Landshuter Hauptbahnhof los, oh Wunder: pünktlich! Schon mal ein Vorteil gegenüber der Bahn.

Noch sitzen nicht viele Passagiere drin, ein Mann in Lederhose scheint sich schon mit einem Wegbier die Zunge gelockert zu haben. Er sinniert über die lange Busfahrt, will sich bei der Bahn beschweren. Schließlich habe er den vollen Preis bezahlt und brauche jetzt so lange nach Straubing wie noch nie in seiner Volksfest-"Karriere".

Knapp 35 Minuten allein bis Neufahrn

Bis Neufahrn tuckert der Bus rund 35 Minuten durch die Ortschaften (mit dem Zug normal 15 Minuten). Dann umsteigen in den Bus nach Straubing (Richtung Bogen). Je länger der SEV fährt, desto kreativer wird der genannte Fahrgast: Wäre er mit dem Auto gefahren, wäre er jetzt schon am Gardasee! Oder aber: Wäre er mit einem Alpaka unterwegs, wäre er garantiert schon in Straubing. Auch das Wort "Weltreise" fällt. Klar, das ist freilich übertrieben.

Die purpurfarbenen SEV-Busse haben in Straubing gerade Hochkonjunktur.
Die purpurfarbenen SEV-Busse haben in Straubing gerade Hochkonjunktur. © Rosemarie Vielreicher

Andere Fahrgäste steigen nicht auf das Bahn-Bashing ein, der Bus sei klimatisiert, sagt ein junger Mann zufrieden. Basst doch. Fünf junge Burschen in Lederhose haben als Einstimmung aufs Gäubodenvolksfest ihre Weghoibe geöffnet. Prost.

Der Bus gondelt ohne Zwischenfälle durchs Labertal. Über Mallersdorf, Laberweinting, Geiselhöring. Immer wieder passiert der Bus die verwaisten Gleise auf der Strecke.

Überraschend: Alle Fahrgäste bekommen an diesem Nachmittag einen Platz, es ist nicht überfüllt. Nur mancher springt dann in Straubing zackig aus dem Bus – schnell aufs Klo! Fazit der Anreise: Ab Landshut ist man mit dem Bus eine Stunde und 35 Minuten unterwegs statt normal rund eine Stunde.

Diese Verbindung ab München empfiehlt die Bahn

Ab München dauert diese Fahr-Variante nach Straubing zum Beispiel am Dienstag (11. August) um 11.24 Uhr zwei Stunden und 36 Minuten mit zwei Umstiegen in Landshut und Neufahrn.

Besucher auf dem Gäubodenvolksfest in Niederbayern.
Besucher auf dem Gäubodenvolksfest in Niederbayern. © Armin Weigel/dpa

Wichtig: den DB Navigator vorab checken, denn je nach Wochentag variieren die Verbindungen. Davon hängt auch stark die Dauer ab, die sich schon mal auf drei Stunden ziehen kann.

Auf Anfrage der AZ, welche Strecke ab München aktuell die beste Lösung ist, empfiehlt die Deutsche Bahn: "Die schnellste Verbindung ist der RE3 nach Plattling mit Umstieg in den Bus RE50 nach Straubing. Allerdings erwarten wir ein hohes Fahrgastaufkommen auf diesen Verbindungen." Wichtig: Dieser Zug fährt an den Wochenenden alle zwei Stunden nach Plattling.

Die Route bis Plattling mit dem Zug gibt es etwa am Dienstag (11. August) ab München um 15.24 Uhr und dauert zwei Stunden und elf Minuten.

Darum fahren weniger Züge nach Plattling

Ein Bahn-Sprecher erklärt, warum manche Züge nach Plattling durchfahren können, aber eben nicht alle: "Die Strecke zwischen Landshut und Plattling gilt als Umleitungsverkehr für den Güterverkehr. Deshalb muss der Schienenpersonennahverkehr ausgedünnt werden."

Blick aus dem Riesenrad auf Straubing mit Stadtturm und der Basilika St. Jakob.
Blick aus dem Riesenrad auf Straubing mit Stadtturm und der Basilika St. Jakob. © Rosemarie Vielreicher

Die Bahn ist nach eigenen Angaben auf die Ausnahmesituation in Straubing vorbereitet. Auf der Webseite heißt es: "Aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens wird der Fahrplan in diesem Zeitraum angepasst. Auf allen Linien werden Verstärkerbusse eingesetzt, um den Takt im Fahrplan zu verdichten. Ebenso werden die Betriebszeiten in die Nacht verlängert."

Reservebusse stehen bereit

Ein Sprecher teilt der AZ zudem mit: "Ebenso wird die Sitzplatzpflicht in den Bussen über die Autobahn aufgehoben, sodass auch stehende Fahrgäste die Expressverbindung nutzen können." Man könne auch flexibel reagieren: "Die Busunternehmen halten Reservebusse an verschiedenen Standorten bereit."

Die Suche nach dem richtigen Bus

Nach Giggerl, Radler, Schokofrüchten, Riesenrad und Losen (Capybara-Stofftier!) geht es für die AZ um 21 Uhr zurück nach Hause. So mancher Fahrgast schaut vor dem Straubinger Bahnhof fragend, während das Lied "Ein knallrotes Gummiboot" durch die Nacht wummert. Einem Wartenden entfährt: "Des mit dene Busse ..." Ein anderer ist enttäuscht: "Des is a Expressbus, des is schlecht." Warum? Der Schnellbus Richtung Plattling hält ausgerechnet nicht in seinem Dorf Straßkirchen. Irgendwos is immer.

Wo fährt nun der Bus nach Neufahrn weg? Unklar. Einmal hier, einmal da drüben, sagt ein Mann mit gelber Warnweste, der Reisenden Auskunft gibt, auch aktiv auf sie zugeht. Keine Sorge, er habe den Fahrtwunsch im Blick, will rechtzeitig Bescheid geben und den Busfahrer informieren, falls er warten soll. Guter Service! Schneller Sprint zum richtigen Bussteig und los geht es in Richtung Heimat.

Nur wenige Fahrgäste fahren mit, niemand lallt, niemand muss stehen. Im Purpur-Bus geht es durch die Nacht.

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