Die Garmischer Großbaustelle: Verzug wegen Corona?

Die Ortsumgehung mit dem Kramertunnel ist ein jahrzehntelanges Millionenprojekt. Nun kommt auch noch die Pandemie in die Quere. Wie steht es um den Bau? Die AZ klärt die wichtigsten Fragen.
| Ruth Schormann
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Wenn der Tunnel fertig ist, wird er der längste in ganz Bayern sein.
Wenn der Tunnel fertig ist, wird er der längste in ganz Bayern sein.

Innerhalb eines Tages brettern im Schnitt 25.000 Fahrzeuge auf der B 2 durch Garmisch, 16.000 sind es laut Staatlichem Bauamt Weilheim auf der B 23. Eine Ortsumgehung muss also her, um den malerischen Markt am Fuße der Zugspitze zu entlasten.

Kein leichtes Unterfangen, denn der Ort liegt in einem Talkessel, in dem die Bebauung im Westen bis an die Hänge des Kramers und im Osten bis an die Hänge des Wanks heranreicht. Die notwendigen Ortsumgehungen lassen sich also nur durch den Bau von zwei Tunneln verwirklichen - der Kramertunnel für Garmisch, der geplante Wanktunnel für Partenkirchen.

Die ersten Planungen dafür gab es in den 70er Jahren. Im Februar nun hat der Bau des 3.609 Meter langen Tunnels mit dem Anschlag begonnen. Die AZ gibt die wichtigsten Antworten rund um das Mega-Projekt:

Wie steht es um die Garmischer Großbaustelle? Fragen und Antworten

Was ist das Ziel des Großbauprojekts?
Wie das Staatliche Bauamt Weilheim auf der neuen Projektwebsite (www.kramer-tunnel.de) schreibt, soll die "Leistungsfähigkeit der überregionalen Nord-Süd-Verbindung zwischen München und Tirol" erhöht werden und der Ortskern von Garmisch verkehrsentlastet werden.

Wie sieht der Streckenverlauf nach der Fertigstellung aus?
Die insgesamt 5,6 Kilometer lange Ortsumgehung schwenkt nördlich von Garmisch-Partenkirchen von der bestehenden B 23 kurz nach der Loisachüberquerung ab. Nach etwa 150 Metern taucht die Trasse im Bereich eines stillgelegten Steinbruchs in das Kramermassiv ein, das in einem 3.609 Meter langen Tunnel unterfahren wird - dem Kramertunnel. Vom südlichen Tunnelende aus verläuft die Straße dann laut Bauamt östlich des Tierheims und in weiterer Folge nördlich entlang des von den US-Streitkräften genutzten Gebiets in der Breitenau, überquert die Loisach und schließt an die vorhandene B 23 bei Grainau an.

B 23 und B 2 verlaufen durch den Ort - dementsprechend belastet ist das Zentrum vom Verkehr. Zwei Tunnel sollen Abhilfe schaffen. Grafiken/Screenshot: Staatliches Bauamt Weilheim; Fotos: dpa; BeMo Tunnelling GmbH, Innsbruck
B 23 und B 2 verlaufen durch den Ort - dementsprechend belastet ist das Zentrum vom Verkehr. Zwei Tunnel sollen Abhilfe schaffen. Grafiken/Screenshot: Staatliches Bauamt Weilheim; Fotos: dpa; BeMo Tunnelling GmbH, Innsbruck

Wie ist der aktuelle Stand der Arbeiten?
Nadine Heiß vom Bauamt Weilheim erklärt der AZ: "Die Baufirma hat den Hauptstollen vom Nordportal 540 Meter vorangetrieben. Von Süden ist der Tunnelvortrieb 260 Meter im Kramermassiv."

Der Bau der zwei Loisachbrücken im Süden bei Grainau ist abgeschlossen, die Loisachbrücke im Norden wird im Oktober dieses Jahres fertiggestellt sein.

Um im nördlichen Anschlussstellenbereich die Grundwasserwanne bauen zu können, wurden laut Heiß in den letzten Wochen umfangreiche Spartenverlegungen durchgeführt. Für die Baugrube sind rund 260 Bohrpfähle notwendig, die bis Ende des Jahres fertiggestellt werden sollen.

Was kostet die Umgehung?
Nadine Heiß sagt, die Gesamtkosten der Ortsumgehung belaufen sich nach derzeitigem Stand auf 264 Millionen Euro. Der größte Anteil entfällt mit rund 220 Millionen auf den Haupt- und Erkundungsstollen, die Betriebsgebäude und die Betriebstechnik für den Tunnel.

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Wie hat die Corona-Pandemie die Arbeiten beeinflusst?
"Auf der Baustelle müssen verschärfte Hygieneregeln eingehalten werden. Neben einer kompletten Umstrukturierung der Teambildungen wurden im Wohnlager erforderliche Umbauten getätigt, um etwa Duschkapazitäten zu erweitern und die Einzelbelegung der Zimmer sicherzustellen", sagt Nadine Heiß.

Und wann werden die ersten Autos durch den Kramertunnel fahren?
Im Jahr 2024, so sagt Heiß, soll der Tunnel freigegeben werden.

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