Die Gams in Gefahr – Tierschützer schlagen Alarm

Der Bestand der Bergziegen geht stetig zurück. Wildtierschützer schlagen Alarm - und wenden sich direkt an den Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU).
| Klaus Wiendl
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Gämsen, wie diese beiden, sieht man immer seltener. Foto: Wildes Bayern
Gämsen, wie diese beiden, sieht man immer seltener. Foto: Wildes Bayern © Wildes Bayern

München - Vergangene Woche veröffentlichte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nach rund zehn Jahren die aktuelle Fassung der Roten Liste Deutschlands. Demnach ist ein Drittel der Säugetiere im Bestand gefährdet. Unter den bestandsgefährdeten Arten sind Feldhase, Iltis, Bechsteinfledermaus, Feldhamster, Gartenschläfer und Schweinswal. "Ihre Vorkommen gehen zurück, weil die menschliche Nutzung ihrer Lebensräume weiter zunimmt", erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Zehn Arten sind in Deutschland ausgestorben oder verschollen, darunter der Große Tümmler und das Europäische Ziesel. Als bestandsgefährdet gelten Tiere, die in eine der vier Kategorien eingeordnet sind: "vom Aussterben bedroht", "stark gefährdet", "gefährdet" oder "Gefährdung unbekannten Ausmaßes". Die Autoren haben für 97 in Deutschland heimische Säugetiere die Bestandssituation und deren Gefährdung ermittelt.

Doch auch für die heimische Bergziege, die Gams, ist es "fünf vor zwölf". Sie ist nun auf der Vorwarnliste des BfN. Denn durch die "gebietsweise Aufhebung der Schonzeiten und stärkere Bejagung, die oft ohne Rücksicht auf Alters- und Geschlechtsstruktur stattfindet, nehmen die Gamsbestände vielerorts ab", beklagen die behördlichen Naturschützer.

Agrarministerin Kaniber 2019: "Der Gams geht's gut"

Ihnen würden bis auf Jagdstrecken (Jagdbeute innerhalb eines bestimmten Gebiets und Zeitraums) auch kaum Daten vorliegen. Obwohl Deutschland nach der Fauna-Flora-Habitatsrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft verpflichtet sei, "regelmäßig ein Monitoring seiner Gamsbestände durchzuführen und über die Ergebnisse zu berichten".

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"Der Gams geht's gut", behauptete dagegen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) vergangenes Jahr, obwohl noch keine Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt vorliegen, das 2016 die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft auflegte. Untersucht werden soll die Gams in Verbindung mit Waldverjüngung und Schutzwald. Modellhaft werden dafür die Wildbestände an der Kampenwand und im Karwendel erforscht. Allein im Karwendel leben laut Kaniber 500 Gämsen, "der Bestand ist vital".

Gams erstmals auf der Vorwarnliste des BfN

Ihr widerspricht die Wildbiologin Christine Miller aus Rottach-Egern vehement. Sie hält das Forschungsprojekt für unzureichend. Die Vorsitzende des Vereins "Wildes Bayern" fordert ein Wildtiermanagement, um Gämsen nachhaltig zu schützen.

Miller zufolge bedarf es einer unabhängigen und umfassenderen Analyse, wie viele Tiere denn tatsächlich in Bayern leben. Wasser auf Millers Mühlen in ihrem seit vielen Jahren währenden Streit um die Gams mit den Bayerischen Staatsforsten ist nun, dass das Alpen-Symboltier erstmals auf die Vorwarnliste des BfN kam.

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"Für unsere Lobbyarbeit zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Gamswild, ist diese Entscheidung des hochkarätigen Fachgremiums Bestätigung und Ansporn für die weitere Arbeit," sagte Miller erfreut.

Tierschützer wenden sich an den Ministerpräsidenten

"Die Gams muss in Bayern Chefsache werden und darf nicht in den Mühlen einer um eigene Projekte kreisenden Forstverwaltung zerrieben werden."

In der Online-Petition "Rettet die Gams", die direkt an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) adressiert ist, fordert Millers Verein ausreichende Wildruhezonen und das Verbot "tierschutzwidriger" Jagdpraktiken im Staatsforst, "wo Hunde erschöpftes Wild im Winter hetzen".

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