"Den Spruch kann ich nicht mehr hören": Warum das alkoholfreie Bier Bayerns Brauer nicht rettet

Das aktuelle Bierjahr hat schon mit einem Rumms begonnen: Schneider Weisse aus Kelheim schluckt die Traditionsmarke Weltenburger (älteste Klosterbrauerei der Welt) sowie Bischofshof. Und Ende 2025 übernahm ein Investor aus der Schweiz das Gräfliche Hofbrauhaus Freising. Diese zwei Beispiele machen deutlich: Die Brau-Branche verändert sich.
Der Bayerische Brauerbund hat am Donnerstag aufs Jahr 2025 zurückgeschaut. Ein Prosit der Gemütlichkeit? Fehlanzeige. Eher ein Klagelied.
Die Töne, die der Präsident des Brauerbundes, Georg Schneider, anstimmt, sind nicht neu. Es wird seit Jahren weniger Bier getrunken. Das ist Fakt. Und immer mehr Brauereien müssen zusperren. 2024 waren es in Bayern nur noch 598 Braustätten, 30 Jahre zuvor 753.
Bier-Absatz bricht um 4,5 Prozent ein
Für das bayerische Bierjahr 2025 heißt all das konkret: Der Absatz im Inland sank um 4,5 Prozent (Vergleich Deutschland: minus 5,8 Prozent). Die Rückgänge übertreffen sogar die Zahlen aus den Corona-Jahren. Den Export miteingerechnet, beläuft sich die Einbuße bei den Gesamtabsätzen auf 5,4 Prozent für Bayern (minus 1,3 Millionen Hektoliter).

Es sei nur "ein schwacher Trost", dass es Bayern weniger stark als Deutschland erwischt habe, sagte Hauptgeschäftsführer Lothar Ebbertz. Dieser präsentierte die Zahlen und sagte: "Selbst in den Krisenjahren haben wir nicht so viel Inlandsabsatz verloren wie im vergangenen Jahr."
Präsident Schneider hört nach zehn Jahren auf
Ernüchternd. Schon zu Beginn der Veranstaltung kündigte Präsident Schneider an, dass er dieses Jahr lockerer reden kann. Denn er wird ab Mai 2026 das Amt als Präsident abgeben. Mit dem kürzlichen Vorstoß zum Eintrittspreis für die Wiesn hat sein Rückzug demnach nichts zu tun, so Schneider. Er habe schon im vergangenen Jahr wechseln wollen, aber sein geplanter Nachfolger aus Straubing war ganz überraschend gestorben. Stefan Kreisz von der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu wird Schneider nun voraussichtlich nachfolgen.

Obwohl das Image und das Lebensgefühl des bayerischen Bieres weltweit geschätzt würden, gehe es den Brauern aktuell nicht gut. Das hat mehrere Gründe, wie Schneider ausführte. Die Kernprobleme: der sinkende Absatz im Inland, ein verändertes Konsumverhalten und ein rückläufiger Export. Dieser glich bisher einiges aus, beschert den Brauern mittlerweile aber auch "graue Haare".
Die demografische Struktur wird zum Bier-Problem
Schneider sagte zunächst zum demografischen Wandel: "Ich habe in der Schule noch die Alterspyramide gelernt." Jetzt allerdings schaue die Grafik wie ein "Alters-Schwammerl" aus. Mehr ältere Menschen, weniger Junge kommen nach.
Natürlich sind wir dabei, wenn es um die Bekämpfung von Alkoholmissbrauch geht
Und das ist eine doppelte Krux: "Ich spreche aus eigener Erfahrung: Meine Generation der Babyboomer wird langsam älter und mit dem Alter trinkt man bisserl weniger, isst man bisserl weniger und achtet mehr auf die Gesundheit." Sprich: weniger Alkohol.
Ärger über Gen Z und Ministerin Gerlach
Dazu kommt die "Selbstoptimierungskultur der jüngeren Generationen". "Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht vor den Gesundheitsrisiken des moderaten Alkoholkonsums gewarnt werden. Ich möchte ganz bewusst sagen: Natürlich sind wir dabei, wenn es um die Bekämpfung von Alkoholmissbrauch geht."
Aber er kann sich nicht anschließen, wenn auch genussvoller Bierkonsum in Maßen verteufelt werde. "Die selbstoptimierende, hysterische junge Generation" setze die ganzen Warnungen allerdings um.
Was ihn und die Branche auch geärgert habe: "Gesundheitsministerin Judith Gerlach verkündet zum 1. Januar den Dry January. Im Prinzip ist das ein Boykott-Aufruf für unsere Produkte."
Gerlach reagierte umgehend: „Die Kritik des Brauerbundes kommt ausgerechnet einen Tag nach dem Weltkrebstag. Dabei haben Studien gezeigt, dass selbst moderater Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko auch für einige Krebs-Arten verbunden sein kann. Deshalb wird es von mir keine Verharmlosung von Alkohol geben.“
Weiter teilte sie mit: „Wissenschaftlern zufolge gibt es keine risikofreie Menge an Alkohol. Es ist deshalb wichtig, ein stärkeres Bewusstsein für den eigenen Alkoholkonsum zu entwickeln. Aus diesem Grund habe ich die europaweite Kampagne ‚Dry January‘ unterstützt.“
Unabhängig vom Trend des alkoholfreien Januars zeigt die Statistik, dass diejenigen, die Bier trinken, weniger davon konsumieren. Im Jahr 2024 wurden pro Kopf nur noch 88 Liter im Jahr getrunken. "Fast 90 Liter hört sich immer noch viel an. Auf ein ganzes Jahr verteilt ist es aber eigentlich nichts." 1990 waren es noch 142,7 Liter Bier pro Kopf.

Aber auch der Export macht den bayerischen Brauern Kopfzerbrechen. Schneider: "Es braucht keine Glaskugel und keine Wissenschaft, um zu sehen, dass der russische Markt für die bayerischen Brauer nicht offen steht." Dazu kommen unter anderem die Wirren um die US-Zölle.
Alkoholfreies Bier: "Den Spruch kann ich nicht mehr hören"
Ein Lichtblick: das alkoholfreie Bier. Schneider plauderte auch dazu frei: "Wenn ich am Stammtisch erzähle, dass das Bier zurückgeht, höre ich: ‚Ihr habt doch das wunderbare alkoholfreie Bier. Damit ist doch alles fein.′ Den Spruch kann ich nicht mehr hören."
Er führte aus, warum: "Alkoholfreies Bier macht uns viel Freude, ja. Aber es gleicht bei Weitem nicht den Einbruch des alkoholhaltigen Bieres aus."

Alkoholfreies Bier hat in Bayern mittlerweile ein Volumen von 2,5 Millionen Hektolitern (zehn Prozent Produktionsanteil). Der Zuwachs für 2025 liegt bei 11,5 Prozent und dies entspricht "nur" 260.000 Hektolitern. Am meisten gefragt: obergäriges Alkoholfreies (52 Prozent).
Höherer Bierpreis? "Brauereien schwimmen nicht in Geld"
Aus Schneiders Sicht müsste der Bierpreis eigentlich höher sein. Er sagt: "Die Brauereien schließen nicht und melden Insolvenz an, weil sie im Geld schwimmen." Er ist der Meinung: "Deutschland ist das Land der Glückseligkeit, was den Bierpreis aus Verbrauchersicht betrifft. Nirgendwo in Europa kann man Bier so günstig kaufen wie in Deutschland."
Kopf in den Sand stecken? "Das wollen wir nicht"
Dennoch: Er sieht die bayerischen Brauer grundsätzlich als Vorreiter. Mit einem guten Ruf weltweit. Für die Zukunft sieht er eine gute Chance bei neuen Lifestyle-Produkten. Gerade für die junge Generation. "Hier müssen wir uns als Brauer offen zeigen."
Die Töne zum Schluss sind optimistisch. "Wir haben es momentan als Branche nicht leicht. Aber wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Das wollen wir nicht."